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Rostock Identitäre Bewegung: Rechte fassen Fuß in der Hansestadt
Mecklenburg Rostock Identitäre Bewegung: Rechte fassen Fuß in der Hansestadt
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19:20 16.11.2017
An der Graf-Schack-Straße im Rostocker Bahnhofsviertel hat die Identitäre Bewegung Räume gemietet. Quelle: Ove Arscholl
Rostock

Ausgerechnet am 9. November – am Jahrestag der Reichspogromnacht – zündet im hessischen Marburg ein Brandsatz vor einer Moschee. Unbekannte hatten versucht, das islamische Gotteshaus anzustecken. Die Polizei ermittelt seitdem auf Hochtouren – und geht dabei auch einer Spur nach Rostock nach: Kurz vor dem Anschlag wurden in Marburg nämlich Hunderte Flugblätter der „Identitären Bewegung“ (IB) verteilt, in denen die Rechtsextremen vor angeblicher „Islamisierung“ und „Überfremdung“ warnen. Der Urheber dieser Flyer kommt aus der Hansestadt – Daniel Fiß, Bundeschef der Identitären. An der Warnow haben er und Mitstreiter in den vergangenen Monaten die Deutschland-Zentrale der IB aufgebaut.

Doch nicht nur in Hessen sorgen Flugblätter für Wirbel – sondern auch in Rostock: Vor wenigen Tagen hatten Hunderte Haushalte im Bahnhofsviertel Post von einer Gruppe, die sich selbst „Résistance Rostock“ nennt. Résistance war auch der Name des französischen Widerstands gegen die Nazi-Besatzer im Zweiten Weltkrieg. Auf dem Flyer warnt die Gruppe, die dem linken Spektrum nahesteht, dass die Identitäre Bewegung in der Hansestadt scheinbar mehr und mehr Fuß fässt. In der Tat hat die IB ihren Plan, die Deutschland-Zentrale an der Warnow aufzubauen, offenbar umgesetzt – zumindest teilweise: In der Graf-Schack-Straße hat die rechte Organisation Büros und Tagungsräume gemietet. Die „Résistance Rostock“ fordert in ihren Flugblättern zum Widerstand gegen die rechten Umtriebe mitten in der Steintor-Vorstadt auf. Die Identitären würden „chauvinistische, altbackene Rollenbilder“ von Mann und Frau verbreiten, sie seien eng mit dem rechten Flügel der Alternative für Deutschland (AfD) verknüpft und sie würden für eine menschenverachtende Flüchtlingspolitik stehen. „Wir müssen alle aktiv werden, um Faschisten eine Absage erteilen zu können“, heißt es.

Dass die Identitären in Rostock Räume gemietet haben – die Polizei kann das bestätigen: „Dass eine Person, die dieser Gruppierung angehört, im Bahnhofsviertel eine Wohnung angemietet hat, ist uns seit längerer Zeit bekannt“, sagt Sophie Pawelke, Sprecherin des Polizeipräsidiums Rostock. Die Identitären würden vom Bundesamt für Verfassungsschutz beobachtet: „Es liegen Anhaltspunkte für Bestrebungen gegen die freiheitlich demokratische Grundordnung vor“, so Pawelke. Noch blieb es rund um die Graf-Schack-Straße ruhig. Doch nach OZ-Informationen fürchten die Sicherheitsbehörden, dass sich dort ein neuer Brennpunkt entwickeln könnte. Vor gut zehn Jahren gab es in der KTV Ausschreitungen und auch Anschläge auf einen Nazi-Laden, der in der Doberaner Straße eröffnet hatte. Die Sorge ist groß, dass sich so etwas nun in der Steintor-Vorstadt wiederholen könnte. „Wir wissen, dass auch die linke Szene diesen Treffpunkt kennt“, sagt Polizeisprecherin Pawelke. Die Ermittler hätten die Situation dort aber genau im Blick – auch die Aktivitäten der „Résistance“. Die Hansestadt gibt sich beim Thema IB offiziell ahnungslos: „Uns liegen dazu keine Erkenntnisse vor“, sagt Stadtsprecher Ulrich Kunze.

Andreas Meyer

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