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Rostock Ikea-Unfall in Rostock: Fahranfängerin muss Zehntausende zahlen
Mecklenburg Rostock Ikea-Unfall in Rostock: Fahranfängerin muss Zehntausende zahlen
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11:43 04.12.2018
Am Tag nach dem Unfall: Die meisten Schäden sind bereits beseitigt, der Betrieb geht weiter. Quelle: Andreas Meyer
Rostock

Von dem spektakulären Unfall am Sonntag bei Ikea in Rostock ist nicht mehr viel zu sehen. Einzig die große Sperrholzplatte vor einem der Fenster deutet daraufhin, dass es hier reichlich Scherben gegeben haben muss: Eine 24 Jahre alte Rostockerin hatte auf dem riesigen Parkplatz des Möbelhauses für ihre Führerscheinprüfung geübt – und war mit dem Saab ihres Mannes in das Gebäude gerast. Für die Fahranfängerin und auch ihren Ehemann wird das nun richtig teuer: Sie werden einen großen Teil des Schadens aus eigener Tasche zahlen müssen.

Strafe: Bis zu ein Jahr Haft

Wie genau es zu dem Unfall kommen konnte, ist nach Angaben von Polizeisprecherin Yvonne Hanske noch offen. Die Ermittlungen dauern an. Der aktuelle Stand: Die 24-Jährige hatte Bremse und Gas verwechselt, hatte erst einen schweren Metallpoller umgefahren und war dann kerzengerade durch ein Fenster in das Möbelhaus gerast. Dort rammte sie eine Gipswand und kam schließlich zum Stehen. Verletzt wurde niemand. „Wir ermitteln nun sowohl gegen die Frau als auch gegen ihren 36 Jahren alten Mann“, sagt Hanske. Der Frau wird „Fahren ohne Fahrerlaubnis“ vorgeworfen – eine Straftat, auf die im schlimmsten Fall bis zu ein Jahr Haft steht. Ihr Gatte wird sich wegen „Gestatten des Fahrens ohne Fahrerlaubnis“ verantworten müssen. „Er saß bei dem Unfall mit im Auto“, sagt Hanske.

Experte: Ehepaar zahlt für Schaden

Doch das Strafverfahren ist nur ein Problem: „Für die Familie wird das Ganze richtig teuer. Vor allem für den Ehemann als Halter des Autos“, sagt Frank Salesch. Der Rostocker ist bundesweit als Fachanwalt für Verkehrsrecht tätig – und kennt sich nicht nur mit Bußgeldverfahren, sondern auch Versicherungsfragen aus: „Ikea bekommt in jedem Fall den gesamten Schaden von der Haftpflichtversicherung des Halters erstattet. Egal, wie hoch die Kosten am Ende auch sein mögen“, so Salesch. Aber: „Die Versicherung wird den Mann aller Wahrscheinlichkeit nach in Regress nehmen und einen Teil der Kosten erstattet haben wollen.“ Je nach Vertrag können das bis zu 5000 Euro sein. „Manche Familie ruiniert eine solche Summe.“ Und: Den Schaden am Familien-Auto wird das Ehepaar ebenfalls auf eigene Rechnung bezahlen müssen. „Da zahlt selbst die Vollkasko nicht. Das Verhalten könnte von den Versicherern als grob fahrlässig ausgelegt werden“, erklärt Experte Salesch.

Was die Strafen für das Paar angeht, möchte Salesch nicht spekulieren: „Irgendwann wird die Frau ihre Führerscheinprüfung machen und bei der Behörde die Fahrerlaubnis beantragen. Dann könnte es aber gut sein, dass das Amt sie zur MPU – zur Medizinisch-Psychologische Untersuchung – schickt.“ Denn der Unfall beim illegalen Fahrenüben könnte Zweifel an der Eignung hervorrufen, ein Fahrzeug führen zu können. Den Ehemann erwartet mindestens eine Geldstrafe: „Theoretisch könnte aber auch ihm der Führerschein entzogen werden.“

Parkplatz ist „öffentlicher Raum“

Dass das Ehepaar auf einem leeren Parkplatz am Sonntag geübt hat, spiele bei den Ermittlungen zunächst keine Rolle: Die Polizei wertet den Ikea-Parkplatz als „öffentlichen Verkehrsraum“ – weil ihn theoretisch jeder nutzen kann. Fachanwalt Salesch sagt: „Wenn ich ein großes Grundstück habe, dass umzäunt ist und dass niemand anderes betreten kann – dann darf ich dort auch ohne Führerschein Auto fahren. Dann dürften Sie dort sogar ihr dreijähriges Kind einen Monstertruck fahren lassen.“ Aber: Sobald Dritte das Gelände auch nur betreten könnten, ist es einen öffentlicher Verkehrsraum. „Auch der Parkplatz vor Ihrem Haus gilt als solcher.“

Die 24 Jahre alte Fahrerin hatte offenbar Gas und Bremse verwechselt. Sie wollte demnächst ihren Führerschein machen.

Im Fall des Unfalls bei Ikea könnte noch ein anderer Umstand für das Ehepaar erschwerend hinzukommen: Der Parkplatz ist außerhalb der Öffnungszeiten gesperrt. „Wir haben ihn extra mit Schranken gesichert, damit so etwas nicht passiert“, sagte Ikea-Sprecherin Nathalie Schmoll auf OZ-Anfrage. Aber: Am Wochenende fanden auf dem Gelände Grünpflege- und Pflanzarbeiten statt. „Nur deshalb waren einige Schranken nicht geschlossen.“

Betrieb geht normal weiter

Bei Ikea geht indes der Betrieb seit Montag wieder uneingeschränkt weiter. Die Scheibe ist abgedichtet worden. Das Auto hat zudem eine Maschine beschädigt, die automatisch Einkaufswagen durch den Markt transportiert. Dort steht ein schwarzes-gelbes Absperrgitter. Auch einige Kasse sind mit Flatterband abgesperrt. „Wir haben die Schäden provisorisch gesichert. Aber jeder kann nach wie vor ohne Probleme bei uns einkaufen“, so Ikea-Sprecherin Schmoll. Zur Schadenshöhe könnte sie am Montagnachmittag noch keine konkreten Angaben machen: „Im Moment wird das noch von einem Gutachter ermittelt.“ Aber: Die Kosten dürften im fünfstelligen Bereich liegen.

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