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Rostock Staubsaugen für den Strom aus Dänemark
Mecklenburg Rostock Staubsaugen für den Strom aus Dänemark
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Ingenieur Martin Henschel steht in der Drosselhalle. Quelle: OVE ARSCHOLL
Bentwisch

Europa wächst zusammen, und in Bentwisch knistert es dabei manchmal ordentlich: Im Ortsteil Neu Harmstorf entsteht zurzeit ein Knotenpunkt, der die Stromnetze Deutschlands und Dänemarks miteinander verbindet. So sollen Schwankungen, wenn sich etwa alle Windräder in einem Land drehen, während im anderen gerade mehr Strom verbraucht als erzeugt wird, besser ausgeglichen werden können.

Klingt einfach, ist in der Praxis aber ganz schön aufwendig. Im April begannen die Arbeiten für das 150-Millionen-Euro-Projekt, ein Teil des Geldes kommt von der EU. Im Mai soll alles fertig sein. Zur Halbzeit luden 50 Hertz, Betreiber des Starkstromnetzes in Ostdeutschland, und der Technikkonzern ABB am Freitag zu einer Baustellenbesichtigung ein. 50 Hertz wird die Anlage später ferngesteuert von Berlin aus betreiben, ABB liefert die Technik.

Große silberne Hallen entstanden in den vergangenen Monaten, sozusagen mitten auf dem Acker. Die größte ist für das Herz der Anlage, den Konverter bestimmt. „Nein, mit einem Herzschrittmacher dürfen Sie nicht weiter“, erklärt Baukoordinator Martin Henschel einem älteren Herrn. Und das, obwohl die Konverterhalle noch leer ist. Die mächtigen Geräte werden in den kommenden Wochen geliefert. Einige sind schon da, aber noch eingepackt. Strom fließt bereits trotzdem: Auf dem Gelände landet der Strom aus den Ostsee-Windparks Baltic 1, Baltic 2 und Kriegers Flak an. Die Seekabel, die die Offshore-Parks anschließen, werden auch für die deutsch-dänische Verbindung verwendet.

Der Boden schluckt den Staub

In der Konverterhalle stehen Männer mit Bauhelmen auf gelben Hebebühnen und saugen unter der Decke Staub. Gebilde aus Metall hängen herab, die so aussehen, als seien sie beim Dreh des 1920er-Jahre-Science-Fiction-Klassikers „Metropolis“ in der Kulissenabteilung übrig geblieben. „Wenn sich Staub auf den Konvertern absetzt, kann es zu einem Übersprung kommen,“ sagt Ingenieur Henschel. Eine Art Kurzschluss, der alles lahmlegen würde. Deshalb ist sogar der Boden so beschichtet, dass Staub auf ihm festklebt.

Menschen werden hier später nicht arbeiten. Dafür könnten Stromausfälle ein Problem werden. Um Strom umzuwandeln, braucht die Anlage selbst welchen aus dem normalen Netz, für die Steuertechnik. Fällt der aus, wäre das nicht ganz ungefährlich. Deshalb gibt es einen riesigen Raum mit Batterien für den Notfall.

Eine ähnliche Anlage ist seit 1996 am Netz

Strom ist nicht gleich Strom. Schon gar nicht, wenn er aus Dänemark und Deutschland kommt. Bevor der Saft ins jeweils andere Netz darf, muss er umgewandelt werden. Den Ingenieuren fällt es schwer, verständlich zu erklären, wie das genau funktioniert. Beide Länder verwenden zwar Wechselstrom mit einer Frequenz von 50 Hertz. Würde man beide Spannungen auf einem Bildschirm zeigen, sähe man zwei identische Sinuskurven, die aber nie deckungsgleich übereinanderliegen würden. Genau das ist das Problem. „Der Phasenwinkel ist verschieden“, sagt ein Ingenieur. Aha. Ohne die 150-Millionen-Euro-Anlage würde es in der Mitte der deutsch-dänischen Stromtrasse jedenfalls sehr rasch sehr, sehr heiß werden und sich eine enorme Menge Energie entladen. Eine erste Anlage dieser Art verrichtet bereits seit 1996 ihren Dienst in Bentwisch. Mit Unterschieden: Sie hat ein eigenes Kabel bis nach Dänemark. Und die Konvertertechnik ist aufgeteilt. Eine Station steht in jedem Land. Bei der neuen Verbindung ist alles in Bentwisch angesiedelt.

Zurzeit sind 150 Bauarbeiter auf der Baustelle beschäftigt. Broderstorfs Bürgermeister Hanns Lange ist ein wenig besorgt. Er hat gehört, das die Transport für die Technik mitten durch Wohngebiete in seiner Gemeinde gehen sollen.

Im Mai geht ein ehrgeiziges Energie-Projekt ans Netz: Eine Anlage, die Deutschland, Dänemark und drei Offshore-Windparks miteinander verbindet.

Gerald Kleine Wördemann

Mit einem neuen Konzept und aufgestocktem Sortiment präsentiert sich das größte E-Center Norddeutschlands in Rostock. Geschäftsführer versprechen Nachhaltigkeit und Frische für jeden Geldbeutel.

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