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In nur neun Tagen quer durch die USA

Stadtmitte In nur neun Tagen quer durch die USA

Härtetest mit Radrennen: Mediziner fahren bei der „Race Across America“ insgesamt 4800 Kilometer durch Nordamerika.

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Spulen jeweils 1000 Kilometer pro Monat ab: Christian Ansorge (v. l., 50), Falk Hildebrandt (46) und Sebastian Ansorge (43).

Quelle: Fotos: Privat/andré Wornowski

Stadtmitte. In der Mittagspause geht’s ins Fitnessstudio und abends aufs Rennrad in der Sauna. Die Ärzte Sebastian Ansorge (43), Falk Hildebrandt (46) und Christian Ansorge (50) bereiten sich auf das wohl härteste Radrennen der Welt vor: Bei der „Race Across America“ wollen sie im Sommer rund 4800 Kilometer und mehr als 51000 Höhenmeter bewältigen – in höchstens neun Tagen. Das Rennen ist rund 30 Prozent länger als die Tour de France, doch den Fahrern steht nur die Hälfte der Zeit zur Verfügung. Von der Ostküste führt die Strecke zur Westküste der USA. Gefahren wird Tag und Nacht.

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Härtetest mit Radrennen: Mediziner fahren bei der „Race Across America“ insgesamt 4800 Kilometer durch Nordamerika.

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Seit der Schulzeit auf dem Rad

„Unser Ziel ist es, überhaupt anzukommen. Am besten schon nach acht Tagen – exakt zu Rostocks 800. Stadtgeburtstag am 24. Juni 2018“, sagt Sebastian Ansorge. Der 43-Jährige arbeitet als Orthopäde in der Kröpeliner-Tor-Vorstadt. Seit der Schulzeit fährt er leidenschaftlich gern Fahrrad. „Ich bin nie im Verein gewesen, war aber mit dem Rad schon in Europa, Asien und Afrika unterwegs. Ich bin zum Beispiel von Lissabon nach Rostock gefahren.“ Wenn er seinen Bruder Christian Ansorge in Hamburg besuchen will, radelt er zu ihm. Beide haben bereits elfmal gemeinsam die Alpen im Winter überquert. Hinzu kommen Starts bei der 300 Kilometer langen „Vätternrundan“ in Schweden, dem größten Amateur-Radrennen Europas, und beim Radmarathon durch Norwegen (540 Kilometer).

Die „Race Across America“ ist eine neue Herausforderung. Zwar sei er bereits 500 Kilometer am Stück gefahren, sagt Sebastian Ansorge. „Aber danach konnte ich mich erholen. Bei dem Rennen quer durch die USA werde ich hingegen keine umfängliche Regeneration bekommen“, so der Mediziner. Er und seine Mitstreiter wollen sich im Schnitt alle zwei bis drei Stunden abwechseln. Das Hauptproblem werde der Schlafmangel sein. „Das sagen uns auch andere Teams.“ Auch müsse ausreichend getrunken werden. „Die meisten steigen in der Wüste aus, weil sie das vergessen“, so Ansorge.

Wüste ist erste Hürde

Nach dem Start in Oceanside ist die Mojavewüste mit Temperaturen bis 50 Grad Celcius die erste Hürde. Anschließend müssen die Rocky Mountains mit dem höchsten Streckenpunkt in 3300 Meter Höhe bezwungen werden. Nach scheinbar endlosen Geraden durch die Mitte Amerikas warten als letztes die Apalachen mit steilen Anstiegen. „Um das Rennen in der Mindestzeit zu schaffen, müssen wir 23 Kilometer pro Stunde schaffen“, sagt Sebastian Ansorge.

Weil die Ärzte in unterschiedlichen Städten wohnen, trainiert jeder für sich: Der frühere Rostocker Christian Ansorge arbeitet jetzt als Orthopäde in Hamburg und Falk Hildebrandt als Anästhesist in Neubrandenburg. Insgesamt spult jeder rund 1000 Kilometer pro Monat ab. Aktuell trainieren sie ihre Grundlagenausdauer. „Ab März kommen Sprints dazu, um den Organismus an die höhere Herzfrequenz bei den Anstiegen zu gewöhnen“, sagt Sebastian Ansorge. An Wochenenden fährt er rund 100 bis 150 Kilometer pro Tag. In der Woche geht der Orthopäde zweimal in der Mittagspause ins Fitnessstudio auf die Ruderbank, zum Gewichte- Stemmen oder aufs Spinningrad. Und zur Vorbereitung auf die Hitze in der Wüste trainiert er auf einem Rennrad-Ergometer in der Sauna.

Auch für die Helfer wird’s hart

Im März ist ein großer 24-Stunden-Test geplant. Hier werden auch die Helfer mittrainieren: Insgesamt stehen den Ärzten sieben Begleiter zur Seite. Sie werden beim Rennen in Auto und Wohnmobil mitfahren. „Das wird auch für uns eine Herausforderung“, sagt Ditmar Kotas. Alle müssten auf engstem Raum miteinander auskommen – dazu dann noch die körperliche Belastung. „Wir werden alle vier Jahreszeiten haben; durch Wüste und Gebirge fahren. Das geht an die Nerven“, sagt Kotas.

Die Radfahrer müssen beim Rennen immer im Lichtkegel des Autos bleiben. Sonst gibt es Zeitstrafen. Gerade der Autofahrer müsse hier extrem konzentriert sein. „Wenn er auch nur einen Moment nicht aufpasst, und der Radfahrer plötzlich anhält, kommt es zu einem Unfall“, sagt Kotas. Auch müsse der laufende Verkehr beachtet werden. Es gibt keine Straßensperrungen. In der 36-jährigen Geschichte des Rennens hat es zwei Todesfälle durch Zusammenstöße mit Fahrzeugen gegeben.

Teilnahme für guten Zweck

Neben Berufsalltag und Training suchen die Ärzte noch Sponsoren und sammeln Spendengelder – allerdings nicht für die Finanzierung des rund 40000 bis 50000 Euro teuren Projektes. „Die Spendengelder gehen an die überregional tätige ,Kinderhilfe Organtransplantation’“, sagt Sebastian Ansorge. Durch den Organspendeskandal habe es hier einen Einbruch gegeben. „Aber Transplantationen sind weiter wichtig und darauf wollen wir aufmerksam machen.“

Das Vorhaben der Ärzte steht unter der Schirmherrschaft der Oberbürgermeister von Rostock, Hamburg und Neubrandenburg sowie der Bildungsministerin Birgit Hesse (SDP) aus Schwerin. Hesse lobt nicht nur den sportlichen Ehrgeiz der Mediziner, sondern hebt auch ihr Engagement für die „Kinderhilfe Organtransplantation“ hervor. „Ich drücke den Dreien daher im Juni doppelt die Daumen, wenn sie für die Kinder, sich und MV an den Start gehen“, so Hesse.

Auch Rostocks OB Roland Methling (UFR) ist begeistert: „Die Ärzte tragen unser Doppeljubiläumslogo durch Amerika und zu unserem Stadtgeburtstag grüßen sie von der Ziellinie.“ Das sei tolle Werbung für Rostock. „Gekoppelt mit dem wohltätigen Zweck zeigt es zudem, zu welchem tollen Engagement die Menschen in unserer Stadt fähig sind“, so Methling.

Team sammelt Spendengelder für Kinderhilfe

Als GermanDocs nutzen die drei Ärzte ihre Aktivitäten auf dem Rad, um Spenden für die „Kinderhilfe Organtransplantation“ zu sammeln. Die Initiative hilft betroffenen Kindern und deren Familien in sozialen und wirtschaftlichen Notlagen unbürokratisch. Spenden gehen auf das Konto mit der Iban: DE55 3006 0601 0008 1324 24, Verwendungszweck: RAAM, Empfänger: Ärzte bewegen e.V.

André Wornowski

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