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Interesse an Stasi-Akten ist weiter hoch

Waldeck Interesse an Stasi-Akten ist weiter hoch

Tag der offenen Tür in der Außenstelle Rostock zum Thema überwachte Jugend.

Waldeck. Immer mehr nach der Wendezeit geborene Rostocker stellen Anträge bei der Außenstelle Rostock der Bundesbeauftragtenbehörde für Stasi-Unterlagen (BStU). „Erstaunlich viele wollen wissen, warum die Eltern einen bestimmten beruflichen Weg nicht einschlagen konnten“, sagt Volker Höffer, Leiter der Außenstelle Rostock, beim gestrigen Tag der offenen Tür.

Damit hat ein Wandel stattgefunden. Wollten 1992 eher noch diejenigen ihre Akten einsehen, die unter Verfolgung und Repression in der DDR gelitten haben, würden laut Höffer jetzt Menschen kommen, die nicht unmittelbar eine Auswirkung gespürt haben. „Die meisten kommen jetzt ins Rentenalter, haben Kopf und Seele frei und wollen ihre Biografie erhellen“, erläutert Höffer.

Um eine Brücke zur nachkommenden Generation zu schlagen, fand der Tag der offenen Tür unter dem thematischen Schwerpunkt „Überwachte Hoffnung - Jugend und Geheimpolizei in der DDR“ statt. „Das Thema stand in Rostock noch nie im Fokus“, sagt Höffer. Die Wanderausstellung „Hoffnungsträger oder Staatsfeind? DDR-Jugend und Stasi an der Ostsee“ zeigt, wie Jugendliche mit dem Staat in Konflikt geraten konnten. „Ende der 40er sind Rostocker Jugendliche in Sibirien gelandet“, so der Leiter.

Ein Schicksal, das die Besucher am Tag der offenen Tür kennenlernten, war das von Sylke Glaser. Die Rostockerin stand im Visier der Stasi, weil sie als 19-Jährige Flugblätter mit Fragen wie „Wo bleibt bei uns die Meinungsfreiheit?“ verteilte. In einer szenischen Lesung stellten drei Auszubildende der BStU die Geschichte von Sylke Glaser nach. Außerdem konnten die Besucher in ausgewählten Akten blättern und lesen, sich über die Antragstellung informieren und die Stasi-Karteien besichtigen.

Matthias Claussen ist aus Interesse beim Tag der offenen Tür dabei und hat auch schon in ein paar Akten geblättert. „Es ist erschreckend, was alles aufgeschrieben wurde“, sagt der 28 Jahre alte Güstrower. „Es ist absolut krass, worüber die geschrieben haben. Über Nichtigkeiten wie den Gang zum Bäcker“, fügt Maik Engelhaupt (21) hinzu.

Pro Monat gehen im Schnitt 300 Anträge bei der BStU in Rostock ein. „Das Interesse ist da. Wir sind selber überrascht und kommen in Schwierigkeiten mit dem Personal“, sagt Höffer. Anja Levien

OZ

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