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Rostock Internet: Betrüger erzockt 112 400 Euro
Mecklenburg Rostock Internet: Betrüger erzockt 112 400 Euro
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00:05 18.10.2017
Lambrechtshagen/Dummerstorf

Sie dachte wahrscheinlich, sie macht ein Schnäppchen. Doch am Ende kam die Ware nie bei ihr an: Auf der Internetseite „elektro-garten.com“

Der Angeklagte hält sich beim Betreten des Gerichtssaals ein Magazin vor das Gesicht, um nicht erkannt zu werden. Der 27-Jährige kommt aus Delmenhorst. Quelle: Foto: André Wornowski

kaufte eine Lambrechtshägerin am 5. Dezember eine Playstation 4. Rund 280 Euro überwies die Frau dafür auf ein Konto bei der Bank „BNP ehemalige Cortal Consors“. Auf die Playstation wartet sie jedoch bis heute vergeblich. Die Lambrechtshägerin ist Opfer eines Internetbetruges geworden – wie rund 180 weitere Kunden in ganz Deutschland. Der Gesamtschaden soll sich laut Staatsanwaltschaft auf mehrere Hunderttausend Euro belaufen.

Gestern begann nun der Prozess gegen den mutmaßlichen Drahtzieher, Tim C. aus Delmenhorst, vor dem Landgericht Rostock. In kurzer Hose, mit Kapuzenpullover und in Fußfesseln betritt der Angeklagte den Gerichtssaal. Als der 27-Jährige auf seinem Stuhl Platz nimmt, lehnt er sich wie in einen Liegestuhl weit zurück. Er hält ein „Welt-der-Wunder“-Magazin vor sein Gesicht, um nicht auf Fotos und Videos erkannt zu werden. Nach dem Verlesen der Anklage gesteht C. dann gleich: „Alles, was da drinsteht, gebe ich komplett zu“, sagt der 27-Jährige. Er ist für die Justiz kein Unbekannter: Wegen Urheberrechtsverletzungen auf der Internetseite „kino.to“ ist C. schon einmal verurteilt worden.

Detailliert schilderte C. sein Vorgehen zwischen April 2015 und März 2017. Er habe mehrere E-Mail-Adressen und Onlineshops für Elektroartikel und Potenzmittel erstellt. Insgesamt sicherte er sich 36 verschiedene Internetadressen. In den Shops bat er die Kunden um Vorkasse, lieferte die bestellte Ware jedoch nie aus. „Haben Sie sich da nie in die Lage der Menschen versetzt, die dachten, dass sie jetzt eine Playstation oder einen Thermomix bekommen?“, fragt der Richter den Angeklagten. „Nein. Ich habe nur an den Profit gedacht, an nichts anderes“, lautet die Antwort. Erst als C. in Internetforen die Reaktionen der Opfer sah, habe er begonnen, nachzudenken. „Aber ich habe trotzdem weitergemacht, weil der Profitgedanke größer war als mein Mitgefühl.“ Er habe sich das Ganze schön geredet. „Ich habe mir gesagt, sie sind genauso gierig wie ich, weil sie nur den günstigsten Preis bezahlen wollen. Aber vielleicht waren sie auch einfach nur gutgläubig“, so der Angeklagte.

Um unentdeckt zu bleiben, nutzte C. mehrere Tricks. So habe er andere Personen dafür bezahlt, ihm ihre Konten zur Verfügung zu stellen. Die entsprechenden Kontakte habe er über das sogenannte Darknet geknüpft, einer Internet-Plattform für illegale Geschäfte. Dabei stieß er unter anderem auf Andreas S., der über ein Konto bei der Ostseesparkasse Rostock verfügte. Dieses soll bei insgesamt 17 Betrugsfällen genutzt worden sein – im Gegenzug sei der Kontoinhaber mit 50 bis 60 Prozent an den Einnahmen beteiligt worden, schildert der Angeklagte. Gegen S. läuft nun laut Staatsanwaltschaft ein Verfahren wegen Geldwäsche.

Darüber hinaus brachte C. durch vorgetäuschte Kreditangebote andere Internetnutzer dazu, Einzahlungen auf ihre Konten zuzulassen. Die so gewonnenen Beträge ließ er auf Börsen für digitale Währungen, sogenannte Bitcoins, weiterüberweisen. Der Schaden insgesamt: 112 400 Euro.

Hauptsächlich hat C. in seinen Onlineshops Iphones, Playstations und Thermomixe angeboten. „Das waren die beliebtesten Produkte, die über Google hohe Besucherzahlen versprachen“, erläuterte C. die Produktauswahl. Eine Dummerstorferin entschied sich am 9. März 2016 zum Beispiel für den Kauf eines Thermomixes TM5 auf der Webseite „www.vorwerk-deutschland.com“. Preis: 845 Euro. Die Frau ging in Vorkasse und zahlte das Geld auf ein Konto bei der Sparkasse Göttingen ein.

Ob die Geschädigten ihr Geld nun vom Angeklagten zurückbekommen? C. sagt, seine finanzielle Situation sehe ziemlich düster aus. Auch wenn er durch die Internetseite „kino.to“ zwischenzeitlich sechsstellige Beträge verdient habe. Zurzeit laufe ein Insolvenzverfahren gegen ihn am Amtsgericht Delmenhorst. „Es ist alles beschlagnahmt worden“, sagt er. Am 27. Oktober soll der Prozess fortgesetzt werden.

André Wornowski

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