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Rostock Investoren aus dem Ausland schnappen sich den Glatten Aal
Mecklenburg Rostock Investoren aus dem Ausland schnappen sich den Glatten Aal
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00:00 18.04.2013
Viel mehr als der Glatte Aal: Das Areal liegt zwischen Rungestra�e, Rostocker Heide, Garbr�ter-, Kistenmacher- und Johannisstra�e. Quelle: OVE ARSCHOLL
Kröpeliner-Tor-Vorstadt

Der Glatte Aal hat einen neuen Eigentümer. Bei der gestrigen Zwangsversteigerung im Amtsgericht ging das Areal zwischen Rungestraße, Rostocker Heide, Garbräter-, Kistenmacher- und Johannisstraße für ein Gebot von sechs Millionen Euro weg. Den Zuschlag hat die Firma Randalswood Germany GmbH in Gründung aus Berlin erhalten.

Die Bieterfrist von 30 Minuten war fast verstrichen und Rechtspflegerin Kaatz erinnerte daran, dass die Zeit gleich ablaufe, da legte ihr Rechtsanwalt Klaus Beese von der Kanzlei Beese & Meyer aus Hannover das Sechs-Millionen-Angebot auf den Tisch. Es blieb das einzige Kaufbegehren.

Da Klaus Beese bei der Versteigerung die Gläubigerseite vertreten hat — seine Kanzlei ist auf Bank-, Vollstreckungs- und Insolvenzrecht spezialisiert —, sind die Gläubiger am Gebot beteiligt.

Hauptgläubiger ist die irische Finanzgruppe Patrick McGrath, die auch die Zwangsversteigerung beantragt hat. Die Iren haben einen Grundschuldeintrag von über zehn Millionen Euro und wollten schon mehrfach eine Versteigerung. Die wurden jedoch im Bemühen um einen freien Verkauf nicht zugelassen. Ein Verkauf an einen Investor ist nie zustandegekommen.

Der Ire Patrick J. McGrath war gestern, flankiert von mehreren Anwälten, im Amtsgericht dabei. 2009 hat er erstmals versucht, gemeinsam mit dem zweiten Hauptgläubiger, dem Österreicher Udo M.

Chistee, das Filetstück in der Rostocker City zu bekommen. Chistee ist Alleinaktionär und Vorstandsvorsitzender der AHC International Consulting AG. Zur AHC-Tochter Amedia Hotel gehört an der Sternberger Seenplatte die Luxusherberge Schlosshotel Wendorf mit Reitstall.

Ob Chistee neben McGrath zu den Gesellschaftern von Randalswood gehört, ist unklar. Rechtspflegerin Kaatz verweist darauf, dass der Gesellschaftervertrag dem Gericht vorliege, geprüft und als seriös eingestuft worden sei.

Eigentümer der Fläche war bis gestern die Erbengemeinschaft des verstorbenen Investors Jürgen Klechowitz mit Ehefrau Bärbel Klechowitz und ihren Kindern. Doch sie konnten das anspruchsvolle Projekt, den geplanten Wohn- und Geschäftskomplex, nicht umsetzen.

Im Vorfeld der Versteigerung war festgelegt worden, dass nur die Gesamtfläche ersteigert werden kann und Gebote unter 4,7 Millionen Euro keinen Zuschlag bekommen. Amtsgerichtsdirektor Peter Häfner hatte informiert, dass der Verkehrswert für die 6500 Quadratmeter große Fläche 9,4 Millionen Euro betrage. Es ist die letzte unbebaute Fläche im historischen Stadtzentrum.

Die Rostocker Hans-F. Gelpcke und Helmut Aude hätten gern gesehen, wenn die Stadt das Areal für ein neues Theater erworben hätte. Gemeinsam haben sie für die Idee mit einer Zeitungs-Anzeige geworben.

„Der Standort wäre ideal gewesen, es ist enttäuschend, dass diese Chance jetzt vorbei ist“, sagt Rechtsanwalt Gelpcke.

Idee Einkaufstempel
Investor Jürgen Klechowitz hatte die Grundstücke rund um den Glatten Aal für zwei Millionen Euro von der Stadt und für vier Millionen Euro vom Land 2007 gekauft. Weitere Millionen steckte er in Abriss und Planung. Die Rostocker Architekten Stephan Bastmann und Martin Zavracky haben den Wohn- und Geschäftskomplex mit Einkaufszentrum, Hotel und Casino, Tiefgaragen und Wohnhäusern entworfen. Kosten: rund 70 Millionen Euro. 2010 ist Klechowitz gestorben.
Rostock, sei wachsam
Damit hat wohl niemand gerechnet — der Hauptgläubiger, der Ire Patrick McGrath samt unbekannten Partnern, hat sechs Millionen Euro für die letzte unbebaute Fläche in der Innenstadt hingelegt. Völlig offen ist, wie es weitergeht. Werden die durchaus handfesten Planungen des verstorbenen Investors Klechowitz fortgesetzt, wird etwas völlig anderes gebaut oder verscherbelt der neue Eigentümer das Areal scheibchenweise? Alles ist vorstellbar. Stadtverwaltung und Rostocker müssen hellwach sein, damit dort etwas Gutes für die Stadt entsteht. Doch zum Lamentieren, dass nun eine ausländische Firma über die Zukunft am Glatten Aal entscheidet, besteht kein Grund. Andere Unternehmer waren einfach nicht bereit, dort etwas anzufassen. Eine Schweizer Investorengruppe hat im letzten Moment ebenfalls abgewunken. So kann man nur wünschen, dass heute der Auftakt einer wunderbaren Freundschaft mit den Iren war. Vielleicht erfüllt sich in Rostock doch mal eine Vision.

Thomas Sternberg

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