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Rostock Ist der Star vom Aussterben bedroht?
Mecklenburg Rostock Ist der Star vom Aussterben bedroht?
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00:00 13.07.2018
Rövershagen/Broderstorf

Beim Naturschutzbund (Nabu) Mecklenburg-Vorpommern laufen derzeit die Telefone heiß. Grund dafür ist die gute Kirschenernte in dieser Saison. Denn für viele ist die reiche Ausbeute nur kurz ein Grund zur Freude, viel dominanter ist die Frage: Was ist mit den Staren passiert? „Es ist extrem, wie viele Leute sich dieses Jahr bei uns gemeldet haben, weil sie sich Sorgen machen, dass die Stare aussterben“, berichtet Ulf Bähker, Naturschutzreferent beim Nabu MV. „Ein Mann rief uns zum Beispiel an und sagte, er hätte sich zuerst noch ziemlich gefreut, aber habe er Angst, es gebe gar keine Stare mehr.“

Die Bäume tragen viele Kirschen. Ingo Oppermann weiß, dass das auch mit Sorge verbunden ist. Quelle: Foto: Milbrandt
Der Bestand der Stare fällt seit Jahrzehnten. Ulf Bähker, Naturschutzreferent

Auch Ingo Oppermann, Vorsitzender des Kleingartenvereins „Moorgrund“ in Broderstorf hat in den vergangenen Wochen viel dergleichen gehört. Nicht nur in seiner Anlage, sondern im gesamten Rostocker Umland. Denn Oppermann ist im Kreisverband der Gartenfreunde Rostock Land als Fachberater Bau zuständig und deswegen regelmäßig in allen 69 Mitgliedsvereinen unterwegs. Egal, in welche Anlage er gehe, es sei immer dasselbe. Überall seien die Kirschbäume proppenvoll und die Kleingärtner, die sonst immer mit den Staren kämpften, irritiert.

Das ist, zumindest im Zusammenhang mit der guten Kirschenernte, aber nicht nötig, sagt Ulf Bähker. „Wir hatten in diesem Jahr einen späten Winter und dann war es sehr früh sehr warm und sonnig. Das tut nicht nur den Obstbäumen gut, sondern auch den Insekten. Und die brauchen die Stare für ihre Jungvögel“, sagt Bähker. Wegen des guten Nahrungsangebotes hätten sich die Stare einfach mehr verteilt, seien viel in den Wiesen und Feldern unterwegs gewesen. Weil die Bäume vollhängen, müsse man sich also keine Sorgen machen.

Viel schlimmer ist laut Bähker jedoch die langfristige Entwicklung: „Der Bestand fällt seit Jahrzehnten.“ Das liege seiner Schätzung nach vor allem an der Nahrung. Denn andere nötige Bedingungen wie Baumhöhlen und Nistkästen seien im Grunde genügend vorhanden. Um die Jungvögel erfolgreich aufzuziehen sei aber vor allem ein ausreichendes Angebot an Insekten nötig. Denn auch wenn man den Star immer mit dem Kirschbaum in Verbindung bringt, sind diese für die Tiere viel gehaltvoller. „Der Rückgang der Starenpopulation geht also zusammen mit den Meldungen, dass immer mehr Insekten sterben“, betont Bähker. Das wiederum hänge mit dem Rückgang von Weidevieh zusammen, was daran liege, dass es kaum noch extensiv genutzte Weideflächen gebe.

Laut Bähker müssen sich erst die Bedingungen in der Landwirtschaft ändern, damit diese Entwicklung aufgehalten werden kann. „Es ist klar, dass die Bauern so produzieren müssen, dass sie davon auch leben können. Aber das meiste Geld fließt nunmal auch in die industrielle Landwirtschaft, da bleibt für Artenvielfalt nicht viel Raum“, sagt Bähker. Die Auswirkungen beträfen zudem nicht nur die Stare, sondern es gebe viele Parallelen zu anderen Vogelarten. „Am Ende ist die Politik gefragt, betont der Naturschützer.

Dass die Stare den Gärten in diesem Jahr aber gänzlich fernbleiben, ist auszuschließen. Die ersten Schwärme hat der Nabu schon gesichtet. „Und vielleicht sieht es im nächsten Jahr ja auch schon wieder ganz anders aus“, sagt Bähker. „Also sollte man sich über seine Kirschen freuen und sich überlegen, wie man langfristig einen Beitrag leisten kann.“

Christina Milbrandt

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