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Rostock Friseurin ist mit XL-Mode dick im Geschäft
Mecklenburg Rostock Friseurin ist mit XL-Mode dick im Geschäft
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20:00 12.02.2019
Friseurmeisterin, Boutiquenchefin, zweifache Mama: Janine Böttcher (34) bringt alles unter einen Hut. Quelle: ANTJE BERNSTEIN
Stadtmitte

Wer mit dieser Geschäftsfrau Schritt halten will, muss auf Zack sein. Janine Böttcher (34) redet ohne Punkt und Komma. Fast genauso viel Tempo legt die quirlige Brünette mit dem sympathischen Zahnspangen-Lächeln bei Geschäftseröffnungen vor: Seit sie 2012 die ersten Kunden in ihrem eigenen Salon begrüßte, ist jedes Jahr ein weiterer Laden hinzugekommen. Inzwischen führt sie in Rostock vier Friseursalons unter dem Titel „Kluge Köpfe“ und ist mit zwei Boutiquen in die Modebranche eingestiegen. „Das ist alles so passiert, ich bin da irgendwie reingeschlittert“, erzählt Janine Böttcher und lacht.

So ganz stimmt das nicht. Ihr Unternehmen hat die Rostockerin geschickt angefahren – im wahrsten Sinne des Wortes. Zunächst ist Janine Böttcher als mobile Friseurin nonstop auf Achse. In Wohnzimmern und Küchen hübscht sie die Häupter etlicher Frauen auf und schneidet dabei so gut ab, dass sie bald jede Menge Stammkunden hat. Die Entscheidung, einen Salon zu eröffnen, fällt ihr leicht, denn Sorgen, dass ihr Frisierstuhl leerbleiben könnte, braucht sie sich nicht zu machen. Ehe sie es sich versieht, werden aus einem Laden vier. Nummer drei bringt sie ins Rollen, obwohl sie zu dem Zeitpunkt hochschwanger ist.

Mode für große Größen

Weil die Friseurmeisterin nicht nur weiß, was Frau auf dem Kopf, sondern auch am Leib tagen sollte, um en vogue zu sein, wird sie von ihren Kundinnen bald zum Modevorbild. Viele wollen ihre Outfits („Ich kleide mich gern außergewöhnlich.“) nachshoppen. Das bringt Janine Böttcher auf die Idee, eine eigene Boutique zu eröffnen. Mit dem „Antlitz“ in der Padägogienstraße erfüllt sie sich einen Traum. „Ich bin meine beste Kundin“, scherzt Janine Böttcher. Ihr fällt es dank Top-Figur leicht, sich hier einzukleiden. Wer etwas mehr auf den Hüften hat und Klamotten jenseits Größe 44 trägt, geht dagegen leer aus. Das darf nicht sein, denkt sich Janine Böttcher. Ermutigt von ihrer Mutter („Meine beste Freundin, auch wenn es klingt wie ein Klischee.“) mietet sie gleich neben dem „Antlitz“ einen ehemaligen Lampenladen an und stylt ihn zur Übergrößen-Boutique um. Ob Abendkleid oder Jeanshose: Seit einem halben Jahr finden Frauen im „Rundum schön“ das Passende, um Kurven bis Konvektion 58 stylish in Szene zu setzen.

Friseurmeisterin Janine Böttcher hat vor einem halben Jahr die Boutique „Rundum schön“ eröffnet – ihr zweiter Modeladen nach dem „Antlitz“. Quelle: ANTJE BERNSTEIN

Neben ihren sechs Läden managed Janine Böttcher auch den Alltag mit zwei Kleinkindern: Ihre Tochter ist sieben, ihr Sohn drei Jahre alt. Familie, Freunde und Karriere unter einen Hut zu bekommen, ist für sie kein Problem. „Dafür braucht man gute Mitarbeiter und einen starken Partner an seiner Seite.“ Neben einem 18-köpfigen Team stärkt ihr ihr Lebensgefährte den Rücken. Der ist als Außendienstler eines namhaften Zigarettenherstellers beruflich selbst stark eingespannt, packt aber, wenn Not am Mann ist, auch in den Läden seiner Liebsten mit an. „Bei mir verschwimmen die Grenzen zwischen Job und Freizeit“, sagt Janine Böttcher. Zu Modemessen nimmt sie gern Freundinnen mit und krönt nach stressigen Stunden am Stand den Tag mit einem geselligen Abendessen. „Das alles ist keine Arbeit für mich, sondern gelebtes Hobby.“ Eines, dass ihr mit den Jahren immer leichter von der Hand geht. „Am Anfang hab’ ich ganz schön geknüppelt. Aber da wächst man rein.“

Chefin nutzt jede Chance

Angst, sich zu übernehmen, hat Janine Böttcher nicht. Zwar hat ihr Unternehmen inzwischen eine Größe erreicht, bei der andere längst einen Geschäftsführer angeheuert hätten. Sie aber hält die Fäden lieber selbst in der Hand. Dafür muss sie auf das verzichten, was ihr beruflich am liebsten ist: Zum Frisieren kommt sie nur noch zwei mal pro Woche. „Wenn ich Haare mache, habe ich keine Kontrolle übers Geschäft“, erklärt sie. Damit alle Läden laufen, setze sie auf ein gutes Betriebsklima. „Aber wenn es nötig ist, mach’ ich auch mal eine Ansage. Ich bin ein Mix aus Laissez faire und autoritär“, erklärt sie.

Ihre Läden sind Janine Böttchers Babys. Es sei wie mit dem Mutterwerden. „Erst glaubt man, man schafft das nie und dann geht’s wie von selbst.“ Die Strapazen, die mit jeder Shoperöffnung verbunden sind, vergisst sie genauso schnell wie die, die sie bei den Geburten ihrer Kinder erlebte. Im Gedächtnis bleibt dagegen, wenn etwas nicht so läuft, wie sie es sich wünscht. „Ich mach’ keinen Fehler zwei Mal.“ Was dagegen ihre Laden-Kollektion angeht, ist eine Wiederholung ganz und gar nicht ausgeschlossen.„Chancen kommen im Leben nicht, wann du sie gern haben möchtest. Sie tauchen plötzlich auf und dann musst du zugreifen.“

Antje Bernstein

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