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Rostock Stürme spülten tonnenweise Müll an den Strand
Mecklenburg Rostock Stürme spülten tonnenweise Müll an den Strand
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19:03 10.01.2019
Die Unwetter zum Jahresanfang 2019 haben tonnenweise Müll an die Strände des Rostocker Stadtwalds gespült. Quelle: Gerald Kleine Wördemann
Rostock

Am Strand der Rostocker Heide haben „Benjamin“ und „Zeetje“ ganze Arbeit geleistet. Die beiden Januarstürme rissen Bäume mit sich und knabberten an der Küstenkante. „An manchen Stellen fehlen 20 Meter“, sagt Jörg Harmuth, Leiter des Forstamts. Dass sich die Küstenlinie auf diese Weise ändert, ist normal. Eisiger Wind stürmt im Revier Torfbrücke vom Meer aufs Land, Schaum aus der aufgewühlten See wird wie aus einer übervollen Badewanne auf den Weg geschleudert. Mittendrin steht Harmuth und macht Fotos von den Sturmschäden. Der Uferweg ist jetzt nur noch zwei, drei Meter vom Strand entfernt. In zwei, drei Jahren ist er weg und ein neuer muss angelegt werden, sagt Harmuth.

Die Küstenabbrüche sind kein Problem, dafür etwas anderes: Jeder Sturm verteilt tonnenweise Müll über die Landschaft. Das Hochwasser bringt jede Menge Treibgut und Plastikabfall mit sich. Wenn das Wasser zurückgeht, bleibt der Dreck da. Die größten Stücke sind nicht zu übersehen. Ein altes Ruderboot schaukelt, eingekeilt zwischen umgekippten Baumstämmen, an der Küste des Schutzgebiets hin und her. Zwei weitere sollen noch an anderen Stellen liegen. Paletten und Holzplatten schwimmen im Wasser. Auf seinem Handy hat Harmuth ein Foto von einem grünen Plastikmülleimer, wie sie in allen Städten tausendfach an der Straße stehen. Dieser wurde mitsamt Haltestange ans Ufer gespült, vermutlich aus Graal-Müritz, schätzt der Forst-Chef.

Millionen Styropor-Kügelchen im Waldboden

Das eigentliche Problem ist nicht der große Abfall, sondern viele Millionen kleine Stücke. „Alles ist voll von winzigen Styropor-Kügelchen, Folienfetzen, alten Ohrreinigern und Lollistäbchen“, sagt Stefan Schlüter, Revierförster in Torfbrücke. An vielen Stellen im Uferbereich ist der Kleinstmüll mit dem Waldboden vermischt, in jedem Quadratdezimeter stecken Dutzende Stückchen. Und mit jedem Sturm werden es mehr.

Damit die atemberaubend schöne Landschaft nicht völlig im Plastik versinkt, haben mehrere Initiativen für den Sonnabend zum Müllsammeln am Strand Heide aufgerufen. De Strandlöpers, eine vor drei Jahren privat entstandene Initiative aus Rostock, sammeln ab 10 Uhr in Torfbrücke. Die Umweltschutzorganisation BUND beginnt zur gleichen Zeit in Markgrafenheide. Wer länger ausschlafen möchten, kann später noch einsteigen, meint Jörg Harmuth. Logistisch unterstützt wird das Ganze durch das Forstamt, das die Mülltüten bereitstellt und sich um die spätere Entsorgung kümmert. Ab 12 Uhr soll die Sammelei mit Grill und Feuer in Rosenort, 700 Meter südlich vom Startpunkt der Strandlöpers, ausklingen.

Beim ersten Sammeln machten 35 Leute mit

Die Gruppe, die sich bei Facebook austauscht, wurde 2017 von Klaus Teumer gegründet. Der Rostocker ärgerte sich bei einem Spaziergang im Küstenwald nach einem Sturm über den vielen Müll. „Dann mach’ doch was dagegen“, sagten seine Frau und Freunde, als er immer wieder damit anfing. Dreimal liefen die Strandmüllsammler bereits. Beim ersten Mal kamen 35, beim zweiten Mal 50, zuletzt waren es 80 Helfer. Teumer kann sich vorstellen, dass Sonnabend mehr als 100 Leute kommen. Eigentlich sei er kein besonders eifriger Kämpfer für den Umweltschutz. „Ich bin kein Heiliger“, sagt der 50-Jährige. Der frühere Berliner kann sich für Autos und Oldtimer begeistern, ärgerte sich aber schon als Kind darüber, wenn andere achtlos etwas wegwerfen.

Komplett müllfrei werde der Wald auch diesmal nicht. „Was wir machen, ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein“, sagt Initiator. Aber man muss ja schließlich irgendwann anfangen. „Coastal-Clean-Up“ ist seit ein paar Jahren ein weltweiter Trend. An nahezu allen Stränden lesen Freiwillige in ihrer Freizeit Abfall auf. In MV wird diesen Sonnabend auch noch im Darßwald gesammelt. Förster Harmuth freut sich über diese Unterstützung. Für eine Waldreinigung aus eigener Kraft fehlen seinem Amt Personal und Mittel. „Die Rostocker Heide ist der Wald der Rostocker“. Saubermachen gehört eben auch dazu.

Müllsammler gesucht

Das Müllsammeln der Strandlöper in der Rostocker Heide beginnt am Sonnabend, 12. Januar, um 10 Uhr. Treffpunkt ist der Parkplatz am Zeltplatz Ostsee-Camp Graal-Müritz (Einfahrt Torfbrücke). Von dort geht es über die Wietortschneise an den Strand. Tüten werden gestellt, warme Kleidung ist ratsam.

Die Sammelgruppe des BUND sammelt ebenfalls ab 10 Uhr, Treffpunkt ist Markgrafenheide, Parkplatz Strandressort. Beide Gruppen treffen sich mittags in Rosenort.

Gerald Kleine Wördemann