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Rostock Junger Fuhrunternehmer bringt sein Geschäft ins Rollen
Mecklenburg Rostock Junger Fuhrunternehmer bringt sein Geschäft ins Rollen
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00:00 16.04.2013
Tessin

Lastwagen sieht man selten vor dem kleinen Betriebsgebäude von Juliane und André Fahning in Tessin, denn so muss es sein in einem Fuhrbetrieb. „Die Wagen müssen unterwegs sein“, sagt der 34-jährige Jungunternehmer, „wenn sie stehen, kosten sie bares Geld.“ Drei Zugmaschinen und zwei Auflieger gehören zum Fuhrpark des Familienunternehmens in Klein Tessin. Der Chef fährt einen Wagen selbst, zwei Fahrer hat er angestellt. Erst vor drei Jahren hat das Ehepaar begonnen, den Betrieb aufzubauen.

„Leicht ist das nicht gewesen“, sagt Juliane Fahning (27): „Wir hatten ein ganz tolles Konzept, das wir bei den Banken vorgelegt haben, aber Kredite haben wir keine bekommen.“ Sie hätten ihr gesamtes Kapital zusammengekratzt, ergänzt ihr Mann, „aber keiner wollte uns einen Lastwagen geben“. Nach längeren Verhandlungen bekam Fahning eine gebrauchte Zugmaschine. „Und einen Kredit von der Bank des Herstellers.“

70 000 Euro legten sie für den Wagen auf Tisch, und die Unternehmensgeschichte konnte beginnen. „Ich habe dann drei Monate mit einem gemieteten Auflieger Schüttgut gefahren“, erzählt André

Fahning. Das ging gut, bis zu seinem Unfall. „Ein Pkw hat mich von der Straße abgedrängt, der Fahrer flüchtete“, sagt Fahning, und auch, was er damals gedacht hat: „Das ist mein Ruin.“ Schließlich sollte der Lkw für den ehemals arbeitslosen Tischler die Grundlage für eine Existenz sein. So schlimm kam es dann aber nicht: „Die Versicherung hat anstandslos bezahlt.“ Bald konnten die Fahnings den zweiten Lastwagen anschaffen.

Heute ist der Tessiner gut am Markt vertreten. „Ich bin bestrebt, dass wir gute Aufträge bekommen“, sagt André Fahning. „Man muss sich bekannt machen und flexibel sein. Das schätzen die Kunden.“

Saubere und gepflegte Fahrzeuge muss ein Fuhrbetrieb auch haben. „Da achte ich auch drauf.“ Und darauf, „dass wir Direktkunden haben und möglichst wenig Spediteure dazwischengeschaltet sind“, sagt der Fuhrunternehmer.

Ein Auftragsschwerpunkt liege für den Klein Tessiner in der Landwirtschaft. „Im Sommer transportieren wir Getreide für die Landhändler und für die Landwirte“, sagt André Fahning. Im Frühjahr liegt Dünger auf seinen Ladeflächen. Ein neues Geschäft sind die Biogasanlagen in den Städten. „Es hat noch einmal einen richtigen Auftragsschub gebracht, dass wir für die Biogasanlagen Mais bewegen — beispielsweise für Güstrow.“ Dafür hat er einen Auflieger mit Schubboden angeschafft. „Bis Dezember sind wir dann im Zückerrübengeschäft“, sagt Fahning, der aber auch einen Wagen im Trailerverkehr laufen lässt. Fahning fährt auch Altmetall durch Europa.

Bei all dem muss gerechnet werden. „Wir sind abhängig vom Dieselpreis“, sagt der Tessiner, „und die Frachtpreise gehen in den Keller“. Vor allem die osteuropäischen Mitbewerber machen es ihm schwer:

„Sie zahlen niedrigere Löhne und werden von der Europäischen Union gestützt.“

Für die Zukunft ist das Ehepaar aber optimistisch. „Noch sind wir ja in der Wirtschaftskrise“, sagt André Fahning. Die wird irgendwann vorbei sein, dann soll der Betrieb noch wachsen. Und dabei sind die Fahnings vorsichtig, ihre Büroräume bescheiden in einem isolierten Gartenhaus untergebracht. „Hier sind wir sieben Tagen in der Woche im Einsatz“, sagt Fahning. Seine Frau, die hauptberuflich als Krankenpflegerin arbeitet, kümmert sich in ihrer Freizeit um die Verwaltung des Unternehmens. Aber hinter ihrem Gartenhaus haben sie schon ein Betriebsgrundstück gekauft.

Michael Schißler