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Rostock Kapitän Schröders abenteuerliche Fahrten
Mecklenburg Rostock Kapitän Schröders abenteuerliche Fahrten
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22:45 03.11.2017
Dieter Hauptmann übergibt den Nachlass seines Urgroßvaters, Robert Schröder, an die Leiterin des Schifffahrtsmuseums, Kathrin Möller. Schröder war im 19. Jahrhundert Kapitän auf Frachtsegelschiffen und unternahm Salpeterfahrten nach Chile. Quelle: Antje Bernstein
Rostock

Robert Schröder hat die Weltmeere bereist und Frachtsegler durch die gefährlichsten Passagen der Erde manövriert. Dabei wäre die Seemannskarriere des Rostocker Kapitäns um ein Haar ins Wasser gefallen: Er ist kaum 17 Jahre alt, hat gerade als Jungmann auf der Brigg „Schultze Müsselmow“ angeheuert, da erleidet Schröder Schiffbruch und strandet an Spaniens Costa Blanca – im Jahr 1861.

Im 19. Jahrhundert hat Robert Schröder Frachtsegler durch die gefährlichsten Passagen manövriert. Schriftstücke erzählen von den Abenteuern des Rostockers. Dieses Erbe hat Schröders Urenkel, Dieter Hauptmann, dem Schiffbaumuseum geschenkt.

Schriftstücke, die von dieser und weiteren abenteuerlichen Fahrten Schröders berichten, haben lange Jahre unbeachtet im Keller von Dieter Hauptmann (72) gelegen. Jetzt hat der Dierkower diesen Schatz gehoben. Liebevoll blättert der Rentner durch hauchzarte Pergamente, Mastenpläne und Fotos in Sepia. Sie zeigen Kapitän Robert Schröder, seinen Urgroßvater.Die Bilder will er behalten, den Großteil des Papiernachlasses aber, den schenkt Hauptmann her. Seefahrtsbuch, Schifferpatent, Mitschriften von der Navigationsschule – das alles gehört nun dem Schiffbau- und Schifffahrtsmuseum. „Wär doch schade, wenn die Sachen wegkämen“, sagt Hauptmann. „Meine Kinder haben daran nämlich kein Interesse.“

Kathrin Möller dafür umso mehr. „Das ist ein unglaublich toller Fund. In unserem Archiv haben wir bislang nichts Vergleichbares. Mit Schröders Dokumenten lässt sich wunderbar das Leben eines Kapitäns im 19. Jahrhundert nachvollziehen“, freut sich die Museumsleiterin. Damit das möglichst viele können, will sie die Schriften bald an Bord des Traditionsschiffs ausstellen.

Zunächst aber muss Kathrin Möller Manuskripte entschlüsseln. Die Aufzeichnungen, die Schröder während seiner Zeit auf der Navigationsschule machte, gleichen einem Kunstwerk. Schnörkelige Buchstaben und geometrische Zeichnungen füllen Hunderte Seiten. Auch seine Schiffsbriefe hat Schröder in Sütterlin verfasst. Lesen kann Dieter Hauptmann sie deshalb nicht. Fast alles, was er über seinen Urgroßvater weiß, hat ihm sein Opa einst erzählt.Besonders fesselnd: die Salpeterfahrten nach Chile. Für einen belgischen Reeder holt Robert Schröder Ende des 19. Jahrhunderts das „weiße Gold“ der Atacama-Wüste nach Europa, wo es als Dünger heiß begehrt ist. Mehr als zehn Mal hat der Kapitän dafür die gefürchtete Schiffspassage um Kap Hoorn besegelt. „Und er ist immer wieder heil nach Haus’ gekommen. Das war wohl Können und Glück“, sagt Hauptmann. Er ist selbst seit Kindesbeinen an gesegelt, fuhr früher als Maschinist zur See, wollte sogar Nautiker werden. Stattdessen machte er sich als Schlosser selbstständig. Heute genießt er den Ruhestand, fährt noch ab und zu mit seinem Motorboot raus.

Robert Schröder unternimmt seine letzte große Fahrt mit der Bark „Theodore Engels“. Ende der 1880er-Jahre geht er endgültig von Bord. „Er hätte damals einen Dampfer übernehmen sollen. Das war ihm zu modern. Er soll gesagt haben ,Ich bin doch kein Kutscher’“, erzählt Dieter Hauptmann und lacht.Die Schröders werden in Rostock sesshaft, kaufen die ehemalige Amidam-Fabrik am Fischerbruch. Die bauen sie zu einer Kalkbrennerei um, gründen später eine Baustoff- und Kohlenhandlung.Jahrzehnte später wird Dieter Hauptmann an gleicher Stelle Zäune und Eisentreppen fertigen. Noch heute ist die Metallbau-Firma fest in Familienhand.

An seine Kinder will Dieter Hauptmann die wenigen Fotos vererben, die er von seinem Urgroßvater hat. Schröders restlicher Nachlass geht „ins maritime Erbe der Stadt über“, sagt Kathrin Möller: „Für die Ewigkeit.“ Die Museumschefin hofft, dass noch mehr Zeitzeugen Rostocker Seefahrtsgeschichte wiederentdeckt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. „Es schlummern bestimmt noch viele Schätze auf Dachböden und in Kellern.“

AB

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