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Rostock Mecklenburger Schlachtrufe mit Tradition
Mecklenburg Rostock Mecklenburger Schlachtrufe mit Tradition
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05:36 06.11.2018
In wenigen Tagen beginnt die Faschingssaison. Quelle: Federico Gambarini/dpa
Satow/Neukloster/Grevesmühlen/Rostock

 „Ahu!“ Wer kennt ihn nicht, den Schlachtruf der isländischen Fußballnationalmannschaft?! Nicht nur in Stadien sind solche Schreie zu hören, auch auf Karnevalsfeiern wird lautstark gerufen, um den Gemeinschaftssinn zu stärken. Wer also zum ersten Mal an einer Karnevalssitzung teilnimmt oder einen Umzug besucht, der sollte sich nicht wundern, wenn dort regelmäßig jemand zum Beispiel „Rostock …!" ruft und das Publikum „Alaaf!" zurückschreit. Denn die „fünfte Jahreszeit“ wäre nicht komplett ohne ihre Narrenrufe.

Von neuen Vereinen und langen Traditionen

„Alaaf!“ und „Helau“ haben sich auch über die Karnevalshochburgen hinaus verbreitet. Doch gibt es noch viele andere Schlachtrufe – deutschlandweit vermutlich Hunderte, denn jeder Karnevalclub hat meist seinen eigenen Schlachtruf. Auch die Mecklenburger zeigen sich in dieser Sache kreativ und traditionell – viele Schlachtrufe haben eine lange Geschichte: In Satow laufen im Jahr 1969 die Vorbereitungen für den allerersten Karneval am Rosenmontag. In der Konsum-Gaststätte „Fortschritt“ (heutiges Auktionshaus) beratschlagen die Gründungsväter Dr. Eberhard Arnold, Josef Hickl und Klaus Hagemann über einen Schlachtruf für den gerade ins Leben gerufenen Satower Karneval-Verein: Beratend mit am Tisch sitzt der Lehrer Hildebrand Schwerin. „Irgendwann landeten wir über ,Satowiten Oho' und ,Satowiten Ahoi' bei ,Satow Helau'“, erinnert sich Klaus Hagemann. „Helau“ und „Alaaf“ seien aber ausgeschieden, da sie ins Rheinland gehörten. Da es ein lautstarker Ruf sein sollte, habe Hildebrand Schwerin die zündende Idee gehabt, das Wort Radau ins Spiel zu bringen, was auf Zustimmung am Tisch stieß. Und so ist „Satow Radau“ mit den Gästen einstudiert worden, bis es klappte.

„Klaasbach – sauft aus!“ heißt es in Neukloster. Die Karnevalisten der Stadt gehen in ihre 43. Saison. Ob ihr Schlachtruf schon genauso alt ist, weiß der Vorsitzende Wolfgang Krebs nicht. Aber: „Es gibt ihn schon sehr lange“, sagt der Präsident des Uneigennützigen Neuklosteraner Carneval Clubs. Früher sei der Fasching im Waldhotel gefeiert worden – nahe des Klaasbachtals mit dem Klaasbach. Und weil der immer einen Schluck zu trinken biete, auch wenn das Wirtshaus nichts mehr hat, könnte dort nach den Partys jeder hingehen, der noch Durst hat – deshalb: „Klaasbach – sauft aus!“

Eine Sage als Grundlage

Grevesmühlen verfügt mit dem Kreihnsdörper Carnevalsverein (KCV, Markenzeichen rote Kostüme) und dem Grevesmühlener Carnevalsclub (GCC, Markenzeichen grüne Kostüme) über zwei Vereine, die auch verschiedene Schlachtrufe haben. Ihr Ursprung basiert auf einer Sage. Der KCV mit „Kreihnsdörp Helau“ und der GCC mit „Kreihnsdörp – Scharp vör!“ greifen beide auf die Geschichte zurück, nach der eine Krähe den Bauern verrät, wie sie mit ihren beladenen Heuwagen am einfachsten durch das Stadttor kommen. Daher hat Grevesmühlen seinen Namen als Kreihnsdörp – plattdeutsch für Krähendorf. Und „Scharp vör“ ist nichts anderes als der Rat der Krähe aus der Sage, das Holz, das Heu auf dem Wagen hält (Scharp) nicht quer auf den Wagen zu legen sondern längs – also „vör“. Insofern haben beide Vereine zwar eine unterschiedliche Geschichte, aber die Schlachtrufe stammen aus derselben Quelle.

Identität mit dem Ostseebad

Als vor nunmehr 40 Jahren der Faschingsklub Kühlungsborn aus der Taufe gehoben wurde, wollten die Gründer einen Schlachtruf haben, der große Identität zum Ostseebad zeigt. „Und maritim sollte er sein“, sagt Raffael Kroll vom Elferrat. Herausgekommen ist: „Dreifach klingt der Möwenschrei – Kübo ahoi!“. Grund: Kühlungsborn hat drei Möwen im Stadt-Wappen. Sie verkörpern die historischen Ortsteile. „Beim Wappen haben wir uns auch bedient, als wir unser Logo entwickelten. Nur, dass es etwas realitätsnäher als das Stadt-Wappen ist. Denn unsere Möwen produzieren auch ein wenig Möwenschiss“, sagt Kroll und kann dabei ein Grinsen nicht unterdrücken. Maritim sei es dann auch weitergegangen, als für die großen Umzüge der erste Kübo-Kahn gebastelt wurde. Der Ur-Kahn stehe seit vielen Jahren als Spielgerät auf dem Molli-Spielplatz an der Strand-Promenade. „Er ist mit seinen Aufgaben gewachsen“, ergänzt Kroll.

Auch im Norden wird Fasching gefeiert

Der typische Karnevalsruf ist zweiteilig. Zuerst ruft einer, etwa der Sitzungspräsident, der Moderator oder Büttenredner den ersten Teil. Die Antwort der Versammelten ist der zweite Teil. So begrüßen sie sich gegenseitig. In Neuburg rufen die Jecken „„Nieborg hol fast!“ Der Vereinspräsident fängt mit „Nieborg“ an, die Gäste rufen den Rest. Der Schlachtruf spiegelt die lange Faschingstradition im Ort wider, an der festgehalten wird: Der Neuburger Karnevalclub existiert seit 1960. Viele Schlachtrufe beziehen sich wie bei Neuburg auf die Orte, in denen man sie ruft.

Erweiterung des Rufes durch jeweiliges Motto

Beim Rostocker Karneval Club setzt man auf Originalität. Mit „RKC olé“ „wollten wir uns von anderen Vereinen abgrenzen. Der Ruf soll etwas Besonderes sein“, erklärt Club-Präsident Sebastian Tippelt. Das Konzept scheint aufzugehen. Mit knapp 150 Mitgliedern ist der Verein der größte seiner Art in der Hansestadt. „Wir sind eine ziemlich große Familie. Gemeinsam haben wir immer ein Ziel vor Augen“, sagt Tippelt. Bereits seit 1990 ist der Ruf mit Wiedererkennungswert in der Satzung des Clubs verankert. Wenn am 11. November wieder die närrische Zeit beginnt und der symbolische Rathausschlüssel beim Oberbürgermeister abholt wird, wird er in aller Munde sein.

In Sanitz wiederum wird zu selben Zeit „Dreifach donnerndes Sanitz Helau“ gerufen. Ein Spruch, den sich der Sanitzer Narren-Club bereits zu Gründungszeiten ausgedacht hat. „Der Schlachtruf ist lange vor meinem Beitritt entstanden“, sagt Vereinspräsident Reno Zirnsak. Seit mehr als sieben Jahren ist er im Club tätig, was es mit dem Spruch auf sich hat, weiß er nicht so genau. „Ich habe das leider nie hinterfragt. Vermutlich, weil der Ausruf „Helau“ in den meisten Karnevalsvereinen gängig ist. Zusätzlich zum allgemeinen Schlachtruf, gibt es jedes Jahr einen weiteren Spruch, der zum jeweiligen Motto passt. In diesem Jahr ist das Thema „Maritim“. Der Ruf dazu lautet „Ob Über- oder Untersee, KarneWal beim SNC“ und erinnert an die tierischen Bewohner des Meeres.

Mehr lesen: Multimedia-Reportage zum Karneval an der Ostsee

Kerstin Schröder, Michael Prochnow, Lennart Plottke und Susanne Gidzinski

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