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Rostock Kartoffelzüchter hoffen auf drei neue Sorten
Mecklenburg Rostock Kartoffelzüchter hoffen auf drei neue Sorten
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07:54 30.11.2017
Zuchtleiter Martin Sloksnat (29) überprüft im Gewächshaus Kartoffelpflanzen auf Krankheiten. Bis eine neue Sorte auf den Markt kommt, dauert es rund 15 Jahre. Derzeit hat die Firma Norika um die 60 Sorten im Angebot. FOTOS (2): STEFANIE ADOMEIT
Groß Lüsewitz

Es riecht nach Frittierfett und auf einem langen Tisch stehen Teller mit Chips. Während Forschungsfacharbeiterin Anita Bockholt (61) die Kartoffelscheiben ins heiße Fett legt, schneidet ihre Kollegin Susann Junge (48) am Allesschneider die gelben Knollen. Heute werden die Chips nach ihrem Aussehen beurteilt. „Sind sie zu dunkel, enthalten sie zu viel Zucker und sind für die Herstellung von Chips ungeeignet“, sagt Zuchtleiter Martin Sloksnat (29).

Bei den neuen Kartoffelsorten aus Groß Lüsewitz handelt es sich um eine rotschalige Speisekartoffel, eine Kartoffel zur Herstellung von Pommes frites und einen Exoten mit violettfarbener Schale. Namen für die neuen Exemplare gibt es auch schon - aber die werden bis zur Zulassung nicht preisgegeben.

Bei der Nordring-Kartoffelzucht- und Vermehrungs GmbH – kurz Norika – in Groß Lüsewitz wird vor allem in den Herbst- und Wintermonaten gekocht, gebacken und frittiert. Neben dem Geschmack, spielen Aussehen und Konsistenz eine entscheidende Rolle, um ins Rennen für die nächste neue Sorte nominiert zu werden. „Aktuell haben wir drei Kandidaten, die mit großer Wahrscheinlichkeit im Februar oder März nächsten Jahres zugelassen werden“, freut sich Sloksnat. Bei den drei neuen Sorten handelt es sich um eine rotschalige Speisekartoffel, eine Kartoffel zur Herstellung von Pommes frites und einen Exoten mit violettfarbener Schale. Namen für die neuen Exemplare gibt es auch schon – aber die werden bis zur Zulassung nicht preisgegeben.

Jedes Jahr werden zwei bis drei neue Kartoffelsorten zugelassen. Doch der Weg von der Idee bis zur Zulassung ist lang – sehr lang. „Es dauert ungefähr 15 Jahre, bis die Verbraucher sie kaufen können“, sagt der Agrarwissenschaftler. Daher müssen sich die 14 Mitarbeiter um Martin Sloksnat jetzt schon Gedanken über die Anforderungen des Marktes und der Verbraucher Gedanken machen. Spielte vor 50 Jahren die Optik und die Fleischfarbe der Kartoffel eher eine untergeordnete Rolle, wird heute auf eine glatte Schale und eine satte gelbe Farbe großen Wert gelegt.

Das Institut hat eine lange Tradition. Seit 1948 werden hier Kartoffeln gezüchtet und bis zur Wende wurden 72 Sorten auf den Markt gebracht, darunter die bekannte und beliebte Sorte „Adretta“. In diesem Jahr hat es „Linus“ – eine Kartoffel für die Verarbeitung zu Pommes frites – auf den Markt geschafft und die Sorte „Triton“, die für die Stärkeproduktion genutzt wird. „Wir exportieren europa- und weltweit“, sagt Sloksnat. So werde unter anderem in den USA und Russland die „Gala“ angebaut. Insgesamt umfasst das Portfolio von Norika mehr als 60 Sorten. „Wir haben für jeden Verwendungszweck, für jeden Geschmack und für jede Region etwas im Angebot“, sagt Sloksnat.

Der Tessiner schwärmt von seinem Job als Kartoffelzüchter. „Ich arbeite drinnen und draußen und bin viel in Deutschland und der Welt unterwegs“, sagt er. Seit dem Jahr 2014 arbeitet er bei Norika.

Seit einem Jahr ist er Zuchtleiter. Als Student hat er seine Masterarbeit hier geschrieben. Sein Thema: Resistenzen gegen Krautfäule. Und er war erfolgreich: „Wir haben Wildformen der Kartoffel in unsere Kartoffel eingebracht und konnten das nachweisen.“ Aber bis zum endgültigen Ergebnis dauert es noch. In 15 Jahren lässt sich sagen, wie erfolgreich die Züchtung wirklich ist. Dafür stehen zwei Gewächshäuser und 30 Hektar Feld als Versuchsfläche zur Verfügung.

Insgesamt arbeiten am Standort Groß Lüsewitz 45 Menschen, darunter Biologen, Landwirte oder Laboranten. Weitere Kartoffelstandorte im Land befinden sich in Kröpelin, Lindenhof und Lanckensburg. Hier werden ebenfalls Kartoffeln angebaut und vermehrt.

Nummer zwei der deutschen Saatgutproduzenten

Kartoffeln made in Groß Lüsewitz werden in 42 Ländern der Welt angebaut. So werden Pflanzkartoffeln unter anderem nach Russland, Spanien, Ägypten, Israel, Polen, Tschechien oder Amerika geliefert.

Das Unternehmen arbeitet dabei zunehmend in den Ländern selbst. So in Amerika, wo Kartoffeln zu 80 Prozent zu Fertigprodukten verarbeitet werden.

In Polen werden rund 4000 Tonnen Pflanzgut produziert. Von denen gehen 1000 Tonnen nach Deutschland, der Rest wird in Polen verkauft. Nach der niedersächsischen Pflanzenzuchtfirma Europlant ist Norika die Nummer zwei der deutschen Saatgutproduzenten.

70000 Tonnen Pflanzkartoffeln kommen aus dem Lüsewitzer Unternehmen, produziert auf 3000 Hektar Vermehrungsfläche, davon 1200 Hektar in der Region. Auf Flächen in Kröpelin, Sanitz, auf Rügen, bei Greifswald, Demmin und Schwerin wird das Saatgut vermehrt.

Stefanie Adomeit

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