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Rostock Kaum noch Raps: Ölmühle kauft in Australien
Mecklenburg Rostock Kaum noch Raps: Ölmühle kauft in Australien
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11:56 02.08.2018
Die Ölmühle im Rostocker Seehafen zählt zu den größten Raps-Verarbeitungsbetrieben in ganz Deutschland. Quelle: Ove Arscholl
Rostock

Bestes Rapsöl – „made in MV“. Für die Kraftstoffindustrie, als Speiseöl und als Futtermittel. Damit wirbt Power Oil für Produkte aus der Ölmühle im Rostocker Seehafen. Doch mit dem „made in Germany“ ist es in der größten Raps-Verarbeitungsanlagen in ganz Deutschland leider nicht mehr so weit her wie gewünscht: „Der größte Teil des Raps, den wir verarbeiten kommt leider nicht mehr aus MV“, sagt Power Oil-Geschäftsführer Andreas Hammler. Weil die Landwirte rund um Rostock immer seltener das „gelbe Gold des Nordens“ anbauen, muss er den Rohstoff für seine Produkte rund um den Globus einkaufen – und per Schiff nach Rostock holen. „Das gefällt uns gar nicht“, so Hammler.

Nur noch ein Drittel heimischer Raps

Knapp eine Millionen Tonnen Raps kann die Ölmühle in Rostock pro Jahr verarbeiten, so Hammler. „Vor einigen Jahren entsprach das noch der Menge, die auch tatsächlich in MV angebaut wurde.“ Doch der Raps-Anbau im Land bricht seit Jahren ein. „Er hat sich fast halbiert. Mittlerweile liefern die Bauern im Land nicht mal mehr 600.000 Tonnen.“ Zwei Drittel muss Hammler deshalb mittlerweile importieren: „Wir kaufen Raps aus Rumänien ein, aus der Ukraine – und auch aus Australien.“ Mit riesigen Frachten wird die Ölfrucht dann einmal rund um die Welt verschifft. Hammler sieht das selbst kritisch: Als die Ölmühle im Jahr 2006 eröffnet wurde, war sie als „Mühle der kurzen Wege“ gedacht. Die Getreide AG, Mutterkonzern von Power Oil, wirbt damit bis heute auf der eigenen Internet-Seite: „An unserem Standort im Rostocker Überseehafen, profitieren wir von der guten Infrastruktur und kurzen Wegen vom Rapsfeld in unsere Lager.“ „Wir haben kein Interesse daran, unseren Raps von sonstwo herzuholen. Viele Bürger verstehen auch nicht, warum wir das Getreide rund um die Welt fahren. Unser wäre es lieber, wenn wir die Wertschöpfung komplett im Land hätten – vom Anbau bis zum Verkauf“, sagt Hammler.

EU macht Raps unattraktiv

Auch Detlef Kurreck, Präsident des Landesbauernverbandes und Landwirt im Bastorf bei Kühlungsborn, kennt die Sorgen der Ölmühle. Und er bestätigt, dass Raps für die Bauern kaum noch interessant ist: „Er lohnt sich aus diversen Gründen nicht mehr für uns.“ Eines der Hauptprobleme: Den Landwirten wurde vom Gesetzgeber das Beizen verboten. „Die ist aber nötig, damit der Raps in den Wintermonaten über vor Fressschädlingen geschützt ist.“ Derzeit gäbe es am Markt keinerlei Alternativen zur Beize mit so genannten Neonicotinoiden, die den Raps unter anderem vor dem Erdfloh schützen sollen. „Natürlich könnten wir öfter spritzen. Aber das hat erstens nicht die Wirkung und kostet zweitens entschieden mehr Geld.“ Allein im Zeitraum 2016/2017 sei daher der Ertrag um gut ein Drittel eingebrochen.„Und dann ist da noch die Politik der Europäischen Union“, so Kurreck. Brüssel habe Zollschranken für die Staaten Südamerikas – aus dem so genannten Mercursol- Raum – abgebaut. „Die Industrie kauft nun billigeres Palmöl aus Übersee statt Rapsöl aus Europa.“ Auch das habe zu erheblichen Einbußen beim Preis geführt. „Dass Raps aus Australien importiert wurde, ist nicht neu. Aber seit zwei Jahren geht es nicht mehr ohne für die Ölmühle“, so Kurreck. Für die Bauern sieht er nur die Chance, Qualitätsraps für regionale Produkte – für besondere Speiseöl etwa – zu erzeugen. „Aber der Markt ist natürlich beschränkt.“

Politik soll heimischen Raps-Anbau stärken

Ölmühlen-Chef Hammler sieht die Politik in der Pflicht: „Wir würden lieber Raps aus MV verarbeiten. Aber dafür brauchen die Landwirte Unterstützung aus Schwerin.“ Denn Raps-Öl aus MV sei auch für die Industrie unverzichtbar: „Palmöl können Sie im Winter keinem Treibstoff beimischen. Das flockt aus.“

Andreas Meyer

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