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Kein Vollzeit-Platz in Kita: Mütter bangen um Jobs

Dummerstorf Kein Vollzeit-Platz in Kita: Mütter bangen um Jobs

Die Gemeinde Dummerstorf genehmigt nur Teilzeit-Betreuung. Jetzt soll der Landkreis die Fälle prüfen. Die Betroffenen hoffen auf schnelle Lösung.

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Stefanie Schiemann (l.) mit Tochter Anni und Bianka Hennig mit Tochter Mia Sophie hoffen auf einen Vollzeit-Kitaplatz.

Quelle: Ove Arscholl

Dummerstorf. Stefanie Schiemann ist verzweifelt. Die 32-Jährige ist vor neun Monaten Mutter geworden und sucht seitdem nach einem Betreuungsplatz für ihre Tochter.

Den hat sie nun endlich bei einer Tagesmutter gefunden. Doch die Gemeinde Dummerstorf stellt sich quer, ihr einen Vollzeitplatz zu genehmigen. „Das ist eine Katastrophe. Ich weiß gar nicht, wie es weitergehen soll“, sagt Schiemann frustriert.

Das Problem: Die junge Frau hat bei dem Discounter Lidl einen Arbeitsvertrag über 80 Stunden im Monat. „Ich fahre aber gut eine halbe Stunde bis nach Rostock-Schmarl und arbeite in der Zeit von 6 Uhr bis 21.15 Uhr. Hinzu kommt, dass wir oft Überstunden machen müssen“, erklärt Schiemann. Einen Anspruch auf einen Vollzeitplatz hätte sie ab 20 Arbeitsstunden pro Woche.

„Wir sind Dienstleister für den Landkreis Rostock“, sagt Bürgermeister Axel Wiechmann (52). Alles, was außerhalb der Regel ist, müsse vom Landkreis abgesegnet werden. „Einzelfallentscheidungen werden dort gefällt“, betont das Gemeindeoberhaupt.

Bianka Hennig hat dasselbe Problem. „Wir kämpfen darum, einen Vollzeitplatz zu bekommen“, sagt die 35-Jährige. Sie arbeitet ebenfalls bei Lidl und hat den gleichen Vertrag wie ihre Freundin Stefanie.

Die Zusage für einen Kita-Platz in Kavelstorf hat sie bereits. „Wir haben bei der Gemeinde einen Antrag auf einen Vollzeitplatz gestellt, doch der wurde abgelehnt“, sagt sie enttäuscht und fragt sich nun, wie es beruflich weitergehen soll. Auch sie fürchtet jetzt um ihren Arbeitsplatz. Eine Kollegin musste deshalb bereits kündigen und arbeitet nun in der Haushaltsreinigung. Das möchte sie nicht.

Die beiden Fälle der jungen Frauen sind nun auch beim Jugendamt in Güstrow bekannt. „Die Berechnungsformel für die wöchentliche Arbeitszeit im Antragsverfahren von Frau Schiemann lautet: Die monatlichen Stunden geteilt durch 4,33. Der Divisor 4,33 ist angesetzt, weil nicht jeder Monat vier Wochen hat“, sagt Landkreis-Sprecher Michael Fengler. Dies ergibt dann eine wöchentliche Arbeitszeit von 18,475 Stunden. Da ihr rein rechtlich aber erst ein Vollzeitplatz ab 20 Wochenstunden zusteht, genehmigt das Amt nur einen Teilzeitplatz. Und was ist mit dem 30-minütigen Anfahrtsweg und den Überstunden? „Wenn Frau Schiemann ihre tatsächlichen Arbeitsstunden für drei Monate vollständig nachweist, könne gegebenenfalls Abhilfe geschaffen werden“, heißt es vom Kreis.

Im Kindertagesförderungsgesetz des Landes MV heißt es in Paragraph 4 Absatz 2, dass Kinder einen Anspruch auf eine ganztägige Förderung haben, wenn dies für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf notwendig ist.

„Arbeitszeiten im Einzelhandel sind bekanntermaßen nicht familienfreundlich. Wir appellieren an die Gemeinde und das Jugendamt, eine Lösung im Sinne der berufstätigen Mütter zu finden“, sagt Alexander Kujat, Pressesprecher des Sozialministeriums in Schwerin. Bürgermeister Wiechmann betont: „Wir sind grundsätzlich immer daran interessiert, eine einvernehmliche Lösung zu finden.“ Er sieht aber nicht nur die Kommune in der Pflicht, sondern auch den Arbeitgeber: „Wenn die Frauen sowieso oft Überstunden machen müssen, kann ihnen der Arbeitgeber auch zwei Wochenarbeitsstunden mehr geben und schon wäre das Problem für alle gelöst.“

Das sagt das Gesetz

Kinder mit gewöhnlichem Aufenthalt in MV haben ab Vollendung des ersten Lebensjahres bis zur Vollendung des dritten Lebensjahres Anspruch auf frühkindliche Förderung in einer Kindertageseinrichtung oder in Kindertagespflege.

Kinder, die einen Anspruch auf Förderung haben, können eine ganztägige Förderung in einer Kindertageseinrichtung oder in Kindertagespflege beanspruchen, wenn dies zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie notwendig ist oder die Personensorgeberechtigten an der Ausübung des Personensorgerechts ganz oder teilweise gehindert sind.

Stefanie Adomeit

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