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Rostock Klares Ja zu allen vier Sparten
Mecklenburg Rostock Klares Ja zu allen vier Sparten
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00:14 14.05.2018
Kröpeliner-Tor-Vorstadt

Der Schauspielchef und bisherige Vize-Intendant des Rostocker Volkstheaters, Ralph Reichel, soll neuer Intendant und damit 2019 Nachfolger von Joachim Kümmritz werden. Im Gespräch mit der OSTSEE-ZEITUNG bekannte Reichel sich ausdrücklich zum Erhalt des Mehrsparten-Theaters.

Ralph Reichel, designierter Intendant des Volkstheaters, spricht über seine Pläne ab 2019

Intendant Ralph Reichel lädt zur Eröffnung des neuen Theaters am Bussebart ein. Wie gefällt Ihnen dieser Satz?

Ralph Reichel: Natürlich ist das ein großes Ziel. Schöner wäre es, wenn er hieße: Intendant Reichel lädt mit seinem großen Ensemble zur Eröffnung des Theaters sein.

Heißt großes Ensemble auch vier Sparten?

Na klar.

Theaterintendant in Rostock ist sicher nicht der einfachste Job...

Das weiß man, aber man darf sich nicht beschweren. Ich habe in der Zeit, in der ich hier bin, erlebt, dass Zusagen auch eingehalten wurden. Es wächst auf beiden Seiten das Vertrauen.

In den vergangenen Jahren gab es oft Diskussionen ums Theater. Wie wichtig ist es, Ruhe reinzubekommen?

Ruhiges Fahrwasser ist ganz wichtig. Viele Leute haben mit dem Theater nur noch politische Streitereien verbunden. Wir müssen es schaffen, mit dem Gespräch über die künstlerische Arbeit von Orchester und Theater präsent zu sein. Auch mit Inszenierungen, die politische Themen behandeln. Darüber kann man dann streiten. Die permanente Diskussion der Rahmenbedingungen sollte irgendwann vorbei sei.

Wie sieht es aktuell in dieser Frage aus? Das Tanztheater steht ja noch zur Disposition, und es gibt eine Zielvereinbarung mit dem Land.

Das Tanztheater ist gefährdet. Das muss man ganz klar so sagen. Aber natürlich gibt es Gespräche und Entwicklungen. Wir versuchen, was wir können. Es gibt auch positive Signale, aber selbstverständlich ist das immer eine Sache von Stadt und Land. Klar wollen wir hier ein Vier-Sparten-Theater. Die Zielvereinbarung wird planmäßig ab 2019 verhandelt. Selbst der Bürgermeister hat jüngst beim Tanzflashmob auf dem Neuen Markt gesagt, er möchte nicht, dass der professionelle Tanz aus Rostock verschwindet.

War das für Sie ein Bekenntnis zum eigenen Tanztheater?

Ja.

Ihre Intendanz soll mit der Spielzeit 2019 beginnen. Planen Sie schon Ihre erste eigene Spielzeit?

Wir schließen jetzt die Planungen für 2018/2019 ab. Natürlich gibt es schon Dinge, die danach kommen. Insofern werden Joachim Kümmritz und ich Hand in Hand arbeiten, wie wir das jetzt schon tun. Wir haben ein gemeinsames Büro und es wird ein fließender Übergang. Es geht ja auch darum, einen Weg, der begonnen wurde zu gehen, nicht wieder völlig umzukehren. Koninuität ist wichtig.

Was ist das Charakteristische an diesem Weg?

Wir bekennen uns klar zum Stadttheater. Wir wollen Theater mit der Stadt für die Stadt machen. Wir wollen nicht nur Botschaften an die Stadt senden, sondern die Stadt reinholen. Wir wollen von der Stadt lernen und mit ganz vielen Partnern zusammenarbeiten.

Wird das Volkstheater sowohl Repertoire- als auch Ensemble-Theater sein?

Ja, und dann kann man in den Spielstätten variieren. In der kleinen Komödie in Warnemünde machen wir gehobenen Boulevard und Liederabende, also die leichte Abendunterhaltung. In der kleinen Komödie sind die Zahlen am schnellsten nach oben gegangen. Da gibt es kein Imageproblem wie im Großen Haus.

Wird noch einmal über das Theater im Stadthafen nachgedacht?

Wieder dort zu spielen ist unrealistisch. Als das Theater geschlossen wurde, ist nicht nur der Vertrag gekündigt, sondern auch das Personal abgebaut worden.

Wie sehen Sie die Zusammenarbeit mit der Hochschule für Musik und Theater?

Das ist vor einigen Jahren massiv gescheitert. Die Rektorin hat jetzt gesagt, dass sich die Zusammenarbeit positiv entwickelt hat.

Wäre es nicht fahrlässig, wenn ein Stadttheater nicht die Potenziale der Hochschule nutzt?

Richtig. Das ist uns natürlich ein ganz klassisches Anliegen, die Verbindung von Hochschulausbildung und Praxisarbeit. Da muss man natürlich aufpassen, dass es nicht zu Ausbeutung kommt. Es sind sinnvolle Projekte für beide Seiten zu definieren. Da sind wir in einem sehr offenen Austausch.

Sie sprechen oft von „spartenübergreifend“. Was bedeutet das?

Das ist etwas, was mir prinzipiell am Herzen liegt. Spartenübergreifend zu arbeiten ist die besondere Chance eines Mehrsparten-Theaters. Die finde ich toll. Da sind Projekte möglich, wo ich sage: Ich habe das Orchester, ich habe den Opernchor, ich habe die Schauspieler, ich habe die Tänzer und ich habe Gesangssolisten. Das ist eine Fülle, die ich ganz wichtig finde. Reine Schauspiel- oder Opernhäuser haben auch ihre Vorteile, aber ein Mehrspartentheater hat viele Möglichkeiten.

Wollen Sie so zeigen, dass die Sparten gebraucht werden?

Gar nicht für eine negative Demonstration, aber um zu zeigen: Bei großen Projekten lösen sich die Spartengrenzen auf. Das ist wunderbar. Wir können ganz andere Kunsterlebnisse schaffen.

Wo steht das Theater aktuell bei den Besucherzahlen?

Innerhalb einer laufenden Spielzeit lässt sich das an Zahlen schlecht belegen, aber man spürt, dass es aufwärtsgeht und die Zahlen für die abgeschlossene Spielzeit waren eindeutig positiv. Wir wünschen uns natürlich, dass die Schritte größer und schneller werden.

Sie bekommen sicher die klare Vorgabe, die Einnahmen zu steigern, das war in zurückliegenden Jahren im Vergleich zu Schwerin oft das Problem?

Klar müssen wir besser werden. Schwerin hat mit dem Gebäude Vorteile, die wir nicht haben. Wir werden hier nicht die Einnahmen aus Vermietung erzielen wie in Schwerin. Wir werden bestimmte Sachen mit dem Gebäude nicht machen können. Die Einnahmen zu steigern ist für uns jedoch auch Herzenssache, weil wir damit Arbeitsplätze sichern.

Wie lange ist denn das Große Haus noch bespielbar?

Das Große Haus ist bespielbar unter schlechter werdenden Bedingungen. Es wird nicht mehr investiert, es wird nur noch erhalten. Natürlich gibt es im Haus Dinge, die perspektivisch nicht mehr tragbar sind. Wir versuchen, improvisierend alles am Laufen zu halten. Da wäre es gut zu wissen, irgendwann kommen wir an einen gewissen Standard.

Zurück zum Ausgangspunkt: Wann lädt denn der Intendant zur Eröffnung des Neubaus?

2024, 2025 – das ist das realistische Ziel.

2016 kam Ralph Reichel (49) mit Intendant Joachim Kümmritz vom Mecklenburgischen Staatstheater in Schwerin nach Rostock, ist aktuell Vize-Intendant und Schauspieldirektor. Nach seinem Studium an der Leipziger Theaterhochschule war er als Regisseur und Dramaturg unter anderem in Schwerin, Leipzig, Halle, Kassel, Jena, Chemnitz und Gera tätig. Außerdem arbeitete er als Dozent an den Hochschulen für Musik und Theater in Rostock

und Leipzig.

Interview: Thomas Niebuhr

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