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Rostock Crashkurs mit Star-Pianist Joja Wendt
Mecklenburg Rostock Crashkurs mit Star-Pianist Joja Wendt
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16:48 19.10.2018
Pianist Joja Wendt sitzt mit OZ-Redakteurin Johanna Hegermann am Flügel. Quelle: Ove Arscholl
Rostock

Jahrelang hat man versucht, mir das Klavierspielen beizubringen. Das Ergebnis: Null. Alles vergessen oder gar nicht erst gelernt. Heutzutage haue ich nur in die Tasten, wenn ich am Computer etwas schreiben will. Und dann kommt der Star-Pianist Joja Wendt an und behauptet, dass das jeder in einer halben Stunde lernen kann. Na gut. Dann will ich ihm mal das Gegenteil beweisen.

Treffpunkt für den ungewöhnlichen Termin ist das Pianohaus Möller am Rosengarten. Hier stehen schon die blank polierten Klaviere für das Experiment bereit. Mit kurzer Verspätung taucht dann auch Joja Wendt auf. In der Hand ein Eis mit Minzgeschmack. „Ich bin ein riesen Rostock-Fan“, sagt er gleich beim Betreten des Geschäfts. „Die Mentalität stimmt hier. Meine Vorfahren kommen übrigens aus Mecklenburg“, verrät der gebürtige Hamburger.

Zunächst wird geredet. Über Rostock und über seine neue Show: „Stars on 88“. Am 1. Dezember tritt er damit auf der Kulturbühne im Moya auf. „Bis jetzt habe ich eher Jazz und Klassik gespielt und nun kommen erstmals auch Popsongs hinzu“, erklärt er. „Ich spiele dieses Mal auch AC/DC auf dem Klavier“, erzählt er. Am großen Flügel gibt er dazu gleich mal ein Beispiel und spielt „Thunderstruck“. Mit seinem Unterarm trifft er mehrere Töne gleichzeitig: „Thunder“. Und imitiert dann mit seiner Rechten das hohe und schnelle Gitarrenspiel. „Das hat doch Energie. Das geht voll los. Ich fand das spannend, das mal auf dem Klavier zu spielen.“

Auch Michael Jackson oder Ed Sheeran nimmt er in sein Repertoire auf. „Es gibt Pop, Klassik, Jazz: Das alles verbindende Element ist das Klavier.“ Mit dem neuen Musikmix will der Jazz-Pianist ein breites Publikum ansprechen. „Ich würde mir wünschen, dass auch Leute kommen, die sonst kein Klavierkonzert besuchen.“

Er hat dabei auch schon vor ganz anderem Publikum gespielt – dort, wo man es nicht vermutet. Zum Beispiel beim Wacken Open-Air. Als der Festival-Chef ihn damals anrief, war er von der Idee erst nicht überzeugt. Seine erste Reaktion: „Wie stellst du dir das vor, vor 80 000 langhaarigen tätowierten Fans? Die fressen mich doch auf.“ Doch dann sagte er doch zu und Spaß hatte er obendrein. „War auch cool so nachts um 1 Uhr.“

Dann bin ich an der Reihe. Aber was kann man wirklich in einer halben Stunde lernen? „Ich möchte dich motivieren, dich mit dem Klavier zu beschäftigen.“ Also setze ich mich neben ihn an den Flügel. Während er mich musikalisch begleitet, soll ich einfach improvisieren. Unmöglich, denke ich. Schließlich gehört das doch zur höheren Kunst eines Pianisten. Doch er ist optimistisch. Er gibt mir einen Tonraum vor und spricht von Pentatonik. Dazu spielt er fünf Töne einer Tonart an. Für mich heißt das konkret: Ich soll nur die schwarzen Tasten spielen.

„Ich habe es erst einmal so einfach wie möglich gemacht, und farblich abgegrenzt“, erzählt Joja Wendt. Genau mit solch einem Tonraum habe er damals auch mit der Musik begonnen. „Dann habe ich mich nach der Schule immer hingesetzt und geübt.“ Schnell sind wir beim „Du“. Musik verbindet. „Ich heiße eigentlich Johannes, das weiß übrigens keiner“, erzählt er grinsend. „Du hast nur noch ein A“, sagt er und spielt die Note.

Er beginnt zu musizieren. Eine ruhige Begleitung. Noch etwas unbeholfen, drücke ich wahllos die schwarzen Tasten. Einzige Anforderung: Im Takt bleiben und munter weitermachen. Das läuft doch schon ganz gut. „Yeah“, ruft er in die Improvisation hinein. Er reagiert wider Erwarten begeistert. „Wahnsinn und wir haben nicht geübt“, sagt er und klatscht in die Hände. Ich werde rot und lächle nur noch verlegen. „Mission complete. Nach zwei Minuten.“

Es verschlägt mir sonst nicht so leicht die Sprache. Schließlich bezeugt mir gerade ein Weltklasse-Pianist musikalisches Gespür. Wenn mich jetzt meine Klavierlehrerin aus der zehnten Klasse sehen könnte. „War das ein Erfolgserlebnis oder nicht“, fragt er mich direkt. Auf alle Fälle. Als er dann vorschlägt, mich im Dezember auf die Bühne zu holen, kann ich nur ungläubig den Kopf schütteln. Zum Glück winkt er lächelnd ab. „Sonst kommst du ja bestimmt nicht zum Konzert.“ Recht hat er.

Dann zeigt er mir den nächsten Tonraum: c-moll. Die Anforderung ist deutlich höher. Er zeigt, auf welche fünf Töne ich achten muss. „Kannst du dir das merken?“ – Hoffentlich.

Erst gar nicht schlecht. Dann verspiele ich mich doch. Kein Problem: „Jetzt hast Du die Blue Note gefunden.“ Einen Ton, der eigentlich nicht zur Tonart gehört. „Den kannst du nehmen, aber man darf sich darauf nicht ausruhen.“ Wie er es vormacht, soll ich mit den Fingern also eher daran „abrutschen“. „Es ist wie bei der Gitarre, wenn man an den Saiten zieht.“ Der Misston gibt in seinem Beispiel der Musik ein wenig mehr Würze. Klingt bei mir nicht ganz so gekonnt.

Wir versuchen es noch einmal. Dieses Mal ist schon mehr Schwung drin. Sogar eine wiederkehrende Melodie.

Er ruft begeistert: „Ja, spürst du das auch! Das ist die Macht von Musik.“ Das Schöne ist, es ist alles improvisiert. „Du hast es eigentlich selbst entwickelt. Du hast nur das Tonmaterial von mir bekommen.“ Das habe einfach eine besondere Energie. Die merke ich auch. Die Motivation ist hoch. Noch am selben Abend setze ich mich an das Klavier in meiner Wohnung. In den vergangenen Jahren war es nur ein schönes Möbelstück. Nachhaltig ist das Experiment aber nicht. Da muss ich wohl noch ein bisschen üben. Das hat Joja Wendt schließlich auch vorgeschlagen.

Johanna Hegermann

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