Volltextsuche über das Angebot:

1 ° / -4 ° wolkig

Navigation:
Kleine Bootsbauer groß im Kommen

Kleine Bootsbauer groß im Kommen

Branche verzeichnet Aufschwung / Mitte März findet Messe in Rostock statt

Voriger Artikel
Ärger über Autos und Radfahrer in Fußgängerzone

Lübseerhagen: Die alte Jolle soll bald wieder schwimmen, doch das ganze Deck muss vorher abgetragen werden.

Quelle: Foto: Michael Prochnow

Boots- und Schiffbau hat in Mecklenburg-Vorpommern Konjunktur: Insgesamt sind hier derzeit 83 Betriebe tätig. Im Jahr 2005 waren es noch 49 – was letztlich einen Anstieg um rund 60 Prozent bedeutet.

OZ-Bild

Branche verzeichnet Aufschwung / Mitte März findet Messe in Rostock statt

Zur Bildergalerie

Bootsbauer haben in MV aber vielerorts auch Tradition. Was zum Beispiel für die Bootswerft Schritt in Rostock gilt. Seit drei Generationen ist sie erfolgreich. Bis zur Wende hatte das Unternehmen am Mühlendamm vorrangig Boote und kleinere Motoryachten von der Kiellegung bis zum Deck komplett aus Holz hergestellt. Ab 1990 spezialisierte sich der Betrieb auf den Vertrieb hochwertiger Sport- und Angelboote und die entsprechenden Motoren. Hinzu kommen die Reparatur und Inspektion der Maschinen. Das Geschäft boomt: Insgesamt 28 Boote hat die Schritt-Werft 2017 verkauft und zusammengestellt.

„Die Boote werden zu uns geliefert und wir machen dann die restlichen Einbauten mit Navigatoren und allem, was dazugehört“, erklärt Bootsmechaniker Dirk Neun. Mit dem Verkauf der Boote sichert sich das Unternehmen weitere Aufträge. „Wir sorgen auch nach dem Verkauf für den Service. Inspektionen und Anstriche sind Arbeiten, die immer wiederkehren“, sagt Neun. Die Kundschaft kommt aus dem ganzen Norden, teilweise sogar aus ganz Deutschland.

Die Werft wurde 2016 von Saskia Schritt übernommen. Ihr Vater hatte das Unternehmen bis dahin geführt, mehr als 50 Jahre lang. Mit seinem Unternehmenskonzept ist das Team sehr erfolgreich: Im November 2017 wurde die Firma mit dem Nachfolgepreis der Industrie- und Handelskammer Rostock gewürdigt, der im Rahmen des OZ-Existenzgründerpreises vergeben wurde. Begründet wurde die Entscheidung mit dem ausgeklügelten Unternehmensplan. Bei der Messe Boot und Angeln Wassersport Rostock vom 16. bis 18. März präsentiert sich die Werft das nächste Mal einem großen Publikum.

Andreas Wuthenow hat seine Bootswerkstatt in Lübseerhagen, gelegen zwischen Schönberg und Grevesmühlen, direkt neben der Mosterei inmitten der Felder Nordwestmecklenburgs. Wer zu ihm kommt, den treibt vor allem eine Sache um. Leidenschaft. „Meistens hängen Erinnerungen an den Booten, ganze Geschichten. Und das ist es, was ich daran so liebe“, erzählt der Bootsbauer, der seit 1994 in Lübseerhagen lebt und arbeitet.

„Klar hätte ich lieber eine kleine Werft am Wasser gehabt, aber die Immobilie muss erst mal bezahlt werden“, erzählt er. Der 57-Jährige kommt ursprünglich aus Hamburg, hat nach Stationen in ganz Europa schließlich mit seiner Familie den Weg nach Nordwestmecklenburg gefunden.

In seiner Werkstatt erhält er jene Schiffe am Leben, die immer seltener auf den Gewässern zu finden sind. „Wenn man sich die Yachthäfen anschaut, dann muss man schon eine Weile suchen, bis man ein Holzboot findet“, so Andreas Wuthenow. „Zum Glück tauchen immer wieder ein paar Schätze auf. Ich hatte hier einen ,Pirat’ zum Restaurieren, der Eigentümer erzählte, dass er vor vielen Jahrzehnten in Güstrow darauf segeln gelernt habe. Sein Wunsch war, dass auch künftig wieder Kinder genau auf diesem Boot segeln.“

Billig ist die Umsetzung dieser Wünsche nicht. Die Restaurierung ist Handarbeit und eine Mischung aus Intuition und Erfahrung. Auf dem Hof von Andreas Wuthenow liegt eine alte H-Jolle. 60 Jahre alt ist das Boot, auf den ersten Blick sieht es aus, als wäre es noch gut in Schuss. Der Lack glänzt, die Planken sind dicht. Auf den zweiten offenbart sich der wahre Umfang der Arbeit. „Das Deck ist schon einmal repariert worden, aber leider mit minderwertigem Sperrholz. Jetzt muss alles runter.“ Wie lange dauert so etwas? Der 57-Jährige zuckt mit den Schultern. „Eine Weile, schwer zu sagen, was das am Ende genau kostet. Aber ein gebrauchter Kleinwagen geht schon mal drauf bei so einer Aktion.“

Bootsbau hat Konjunktur. Volle Auftragsbücher – die haben die Bootsbauer von Kirchdorf auf der Insel Poel im vergangenen Jahr gehabt. Zehn Schiffe sind repariert und umgebaut worden. Und auch 2018 hat das Team bestehend aus Meister Ralf Asmus und vier Gesellen wieder alle Hände voll mit Holzbooten zu tun. „Planken in Kraweel oder Klinkerbauweise sind unsere Lieblingsarbeiten“, berichtet Asmus.

Neuburg: Trimaran für Rollis

Viel zu tun hat Martin Zawadzinski in seiner Werkhalle in Neuburg östlich von Wismar. Zwei Angelboote wollen restauriert werden. Mitte März steht der nächste Neubau an. Ein Segelverein aus Bremerhaven hat Zawadzinskis „Combi Tri“ geordert – einen Trimaran für Rollstuhlfahrer. Ausgedacht hatte sich dieses bis dahin einmalige Boot ein Flugzeugingenieur. Mit ihm gemeinsam tüftelte Zawadzinski am Prototypen. Wenig später geht der „Combi Tri“ in Serie. Die beiden Männer erhalten dafür den Innovationspreis beim Landeswettbewerb „Barrierefreier Urlaub“.

Zawadzinski ist auf Boote aus glasfaserverstärktem Kunststoff spezialisiert. Beiboote für Yachten – und die sind in Kanada, Kenia, Österreich oder in den Niederlanden im Einsatz. Aber sie hängen auch in Supermärkten an der Decke, dienen als Requisite wie in der Krimiserie „Alarm für Cobra 11“. Boote bauen ist für den 38-Jährigen Leidenschaft. Und so eigen wie der Metal-Fan sind auch seine Kunden.

Die reisen dann auch schon mal aus Köln an, damit der gewünschte Farbton nach drei Fehlversuchen zustande kommt. 2011 hat Zawadzinski die Bootswerft übernommen.nb

Alte Fotos gesucht

Ob in Rostock, Bad Doberan, Wismar oder Grevesmühlen – viele Menschen haben eine Verbindung zu den Werften in Mecklenburg. Ihr Geschichte erzählt vom Schiffbau, von der Werftenkrise, bei der Tausende Menschen ihren Job verloren, bis hin zum Neubeginn mit der Windkraftbranche und dem Erfolg der Kreuzfahrtbranche. Die OZ sucht Bilder und Geschichten über das Leben und die Arbeit auf den Werften in Wismar und Rostock. Wie sah die Arbeit damals im Vergleich zu heute aus? Wir freuen uns, wenn Sie, liebe Leser, uns Ihre Fotos und Geschichten zukommen lassen.

Per Mail: mecklenburg@ostsee-

zeitung.de; per Post: OSTSEE-

ZEITUNG, Redaktion Sekretariat,

Richard-Wagner-Straße 1a in

18055 Rostock

Christina Milbrandt, Tatjana Krebs und Michael Pro

Voriger Artikel
Mehr aus Rostock

Vor 25 Jahren wütete vor dem Sonnenblumenhaus der Mob. Vier Tage lang flogen Steine und Brandsätze gegen Flüchtlinge, Vietnamesen und Polizeibeamte. Die Anwohner applaudierten. Der Ausnahmezustand überforderte alle – Politik, Polizei und auch die Presse.

Hier finden Sie eine Multimedia-Reportage zum Thema. mehr

Verlagshaus Rostock

Richard-Wagner-Straße 1a
18055 Rostock

Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag
9.00 bis 18.00 Uhr

Leiter Lokalredaktion: Andreas Meyer
Telefon: 03 81 / 36 54 10
E-Mail: rostock@ostsee-zeitung.de

Beilagen
Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
RSS-Feeds

Wissen, was in Rostock und der Welt los ist

OZ-Bild
Jugendliche bauen Kogge für Hansetag

Interessierte können das soziale Projekt mit symbolischen 800 Euro unterstützen / Kogge wird öffentlich ausgestellt