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Rostock Kleine Feuerwehr, große Hoffnungen
Mecklenburg Rostock Kleine Feuerwehr, große Hoffnungen
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00:12 14.05.2018
Früh übt sich: Der fünfjährige Maximilian aus Schwerin löscht die „Flammen“ des Papphauses. Mit solchen Aktionen will die Feuerwehr schon Kinder für ihre Arbeit sensibilisieren. Denn der Verein hat wie so viele andere große Nachwuchssorgen. Quelle: Fotos: Johanna Hegermann

Feierstimmung in Groß Lüsewitz. Die Ortsfeuerwehr hat am Sonnabend gleich zwei Jubiläen begangen: 100 Jahre Freiwillige Feuerwehr und 25 Jahre Jugendfeuerwehr. „Wir sind stolz darauf, dass wir die Feuerwehr seit 100 Jahren aufrechterhalten konnten, und wir wollen weitermachen“, sagt der Wehrführer Ralph Millahn. Selbst Landesinnenminister Lorenz Caffier (CDU) kommt eigens dafür auf einen Besuch vorbei. Offiziell hat er sich hier für die Arbeit der Ehrenamtlichen bedankt und die Wichtigkeit ihrer Arbeit betont.

„„Wir leihen uns gegenseitig Feuerwehrleute. Dadurch ergänzen wir uns hervorragend. Es ist toll, ein Teil des Ganzen zu sein.“Jan Nienberg Wehrführer Broderstorf
„„Es ist nicht selbstverständlich, was die Kameraden machen. Es ist eine Pflichtaufgabe der Gemeinde, die sie freiwillig erfüllen.“Mayk Tessin Kreiswehrführer
„„Man kann an der Jugendfeuerwehr sehen, wie lange die Tore der Feuer- wehr noch ge- öffnet sind. Wir bemühen uns daher um Nachwuchs.“Ralph Millahn Wehrführer Groß Lüsewitz

Doch es gibt nicht nur Jubelrufe an diesem Tag. Denn die Freiwilligen in Groß Lüsewitz bangen um die Zukunft. Momentan besteht die Mannschaft aus 19 Mitgliedern. Sechs davon sind zu alt, um auszurücken. „Ich bekomme das Fahrzeug voll, aber wir könnten mehr Mitglieder gebrauchen“, sagt Millahn. Besonders bitter sieht es beim Nachwuchs aus. In der Jugendfeuerwehr des Ortsteils gibt es momentan nur ein Mitglied. „Man kann an der Jugendfeuerwehr sehen, wie lange die Tore der Freiwilligen Feuerwehr noch geöffnet sind.“ Damit sich die Tore in dem Sanitzer Ortsteil nicht schließen, bemühe sich die Feuerwehr mit verschiedenen Aktionen, Nachwuchs zu gewinnen. Auch das Jubiläumsfest sei eine Möglichkeit.

Und tatsächlich laufen viele kleine Kinder auf der Festwiese herum. Selbst der Kindergarten ist aktiv und führt ein Programm auf. Der sechsjährige Moritz aus Groß Lüsewitz staunt über die großen Autos, setzt sich dann aber auf einen alten Traktor. „Ich mag auch die Feuerwehrautos, die löschen Feuer, und das ist wichtig“, erzählt er. Seine Mutter Claudia Wiedeman erklärt, dass Moritz auch schon zu den Löschzwergen in Sanitz gehört. „Sie lernen dort spielerisch, wie sie sich zu verhalten haben.“ Sie findet es gut, dass ihr Kleiner bei den Löschzwergen mitmacht. „Wenn er Interesse hat, kann er das gern später fortführen.“ Denn auch sie weiß, wie wichtig Nachwuchs ist. „Natürlich hat man Bedenken. Was sollen wir machen, wenn es keine Freiwilligen mehr gibt?“ Mit der Frage steht sie nicht allein da.

Damit immer genügend Freiwillige solch eine wichtige Arbeit abdecken, fehle den Interessierten vielleicht auch ein Anreiz, meint Millahn. „Es ist auch die Politik gefordert, das Ehrenamt mehr zu fördern“, betont der Wehrführer. Andere Kommunen Deutschlands würden zum Beispiel für die Leistungen der Ehrenamtler etwas in die Rentenkasse einzahlen. Solch eine Maßnahme wünscht man sich auch in Groß Lüsewitz. „Die Feuerwehr ist heute wichtiger denn je. Es geht längst nicht mehr darum, nur Brände zu löschen.“ Die Feuerwehrleute bieten auch technische Hilfe bei Unfällen, fahren Einsätze im Katastrophenfall – wie bei Hochwasser oder Sturmfluten – und sie sind sogar in der Tierrettung aktiv. „Es ist nicht selbstverständlich, was die Kameraden hier machen. Es ist eine Pflichtaufgabe der Gemeinde, die sie freiwillig erfüllen“, lobt auch der Kreiswehrführer, Mayk Tessin. Dabei würden sich die Feuerwehrleute schließlich unter Umständen auch selbst in Gefahr bringen. „Ohne Feuerwehr kann der Brandschutz nicht aufrechterhalten werden.“

Auch Jan Nienberg, der Wehrführer von Broderstorf, fehlt auf der Feier seiner Nachbarn nicht. „Für uns ist es wichtig, sich gegenseitig zu besuchen“, erzählt Nienberg. Schließlich würden die fünf Ortsfeuerwehren in Sanitz eng zusammenarbeiten. „Wir leihen uns gegenseitig Feuerwehrleute aus. Es gibt Erst- und Zweitmitgliedschaften.“ Auch dies sei eine Möglichkeit, die fehlenden Kräfte aufzufangen und den anfallenden Aufgaben gerecht zu werden. „Wir ergänzen uns wunderbar und sind gemeinsam kampfstark. Es ist toll, ein Teil des Ganzen zu sein.“

Johanna Hegermann

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