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Rostock Kleines Ding von großer Bedeutung
Mecklenburg Rostock Kleines Ding von großer Bedeutung
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12:36 24.03.2014

Einen kleinen Anstecker trägt Gerlinde Illinger über ihrem Namensschild an der Weste. Von dem Anstecker lächeln ein Dutzend Menschen. Manche von ihnen haben Mandelaugen, manche dunkle Haut, manche die hohen Wangenknochen, die slawischen Frauen als Merkmal ihrer Schönheit nachgesagt werden. Darüber steht „We like Ausländer“ „Wir mögen Ausländer“. Gerlinde Illinger ist Restaurantfachfrau im Hotel Neptun und trägt wie alle ihre Kollegen mit Gästekontakt den Anstecker. Das Neptun ist neben dem Landhaus Dierkow das einzige Rostocker Hotel, das sich an der bundesweiten Aktion des Hotelverbands IHA gegen Ausländerfeindlichkeit beteiligt.

„In der Hotel-Branche ist der Umgang mit ausländischen Gästen selbstverständlich. Und ohne ausländische Mitarbeiter könnten manche zumachen“, sagt IHA-Geschäftsführer Stefan Dinnendahl. Berichte über ausländerfeindliche Straftaten hätten seinen Verband veranlasst, ein positives Zeichen zu setzen. Alle Mitglieder können Anstecker und Plakate bestellen. Auch Nicht-Mitglieder können sich anschließen (Infos im Internet unter www.iha-hotelverband.de).

Bei den Gästen komme die Aktion sehr gut an, stimmen Neptun-Personalchef Hans-Jürgen Ziemeck und Restaurantfachfrau Illinger überein. „Es kommen immer wieder Fragen zu den Ereignissen von Lichtenhagen 1992. Wir wollen etwas gegen das schlechte Image Rostocks tun“, sagt Ziemeck. Er erwähnt auch den erzieherischen Wert der Aktion für die Auszubildenden. Er könne nicht ausschließen, dass es auch in der Hotellerie „schwarze Schafe“ gibt, so Dinnendahl.

Zehn Prozent der 1,2 Millionen Gäste, die 2000 in Rostocks Hotels und Pensionen übernachteten, waren Ausländer, sagt Ebba Sass von der Tourismuszentrale. Nach Schweden und Dänen stehen Amerikaner an dritter Stelle. Dazu kommen die Kreuzfahrt-Touristen und -Crews der unterschiedlichsten Nationalitäten.

„Manche Hotels wollen nicht auf etwas aufmerksam machen, was für sie selbstverständlich ist“, begründet Dinnendahl, dass sich nicht alle beteiligen. Holger Rademacher hat einen anderen Grund. Der Chef des Intercity-Hotels und Sprecher der Erfahrungsaustausch-Gruppe (Erfa) der Hoteliers bedauert: „Wir haben davon nichts gewusst.“ Die Aktion sei offenbar nicht bis zu allen IHA-Mitgliedern durchgedrungen. Beim nächsten Treffen der Erfa wolle er das Thema ins Gespräch bringen.



RENATE SCHUMANN

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