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Rostock Kleines Meer, große Probleme
Mecklenburg Rostock Kleines Meer, große Probleme
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01:01 24.02.2018

An der Warnemünder Seestraße – das Meer stets im Blick – hat eine der angesehensten Forschungseinrichtungen Nordeuropas ihren Sitz: das Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde (IOW). Die 260 Mitarbeiter erforschen von hier aus aber nicht „nur“ ihr Hausmeer – nein, sie arbeiten an Lösungen für einige der großen Probleme der Menschheit. Im Interview mit der OSTSEE-ZEITUNG gibt Direktor und Meeresbiologe Prof. Dr. Ulrich Bathmann (63) einen Einblick in die Themen und Ziele des IOW.

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Forscher des Warnemünder IOW gehen in der Ostsee dem weltweiten Klimawandel auf den Grund

Leitet das IOW: Der

Meeresbiologe Prof.

Dr. Ulrich Bathmann.

Unterwegs auf allen Weltmeeren

260 Mitarbeiter sind am IOW in Warnemünde aktiv. Das Institut wurde 1992 gegründet – als Nachfolger des DDR-Instituts für Meereskunde.

2 Schiffe gehören zum IOW: die „Maria S. Merian“ und „Elisabeth Mann Borgese

Herr Bathmann, die Ostsee ist mit einer Fläche von 412000 Quadratkilometern ein vergleichsweise kleines Meer. Warum ist Ihre Arbeit dennoch nicht nur für die Anrainer von Bedeutung?

Prof. Dr. Ulrich Bathmann: Die Kernaufgabe des IOW ist die Küstenmeerforschung. Und in der Ostsee spielen sich diesbezüglich Phänomene von weltweiter Bedeutung ab.

Welche Phänomene sind das?

Allen voran die Effekte des Klimawandels – der Anstieg der Wassertemperaturen, die Zunahme der Kohlenstoffdioxid-Konzentration im Wasser, der zu erwartende Meeresspiegelanstieg. Aber auch die Überdüngung, Veränderungen in der Artenvielfalt sowie die Verschmutzung mit Plastik, Mikroplastik und Chemikalien können Wissenschaftler in der Ostsee besonders gut beobachten und erforschen.

Warum „besonders gut“?

Wie Sie schon sagten: Die Ostsee ist räumlich sehr begrenzt. Deshalb wirken sich viele der großen weltweiten Veränderungen in ihr schon jetzt besonders intensiv aus. In den großen Ozeanen ist es deutlich schwerer, die Effekte zu beobachten und nachzuweisen. In der Ostsee aber kommt Vieles auf engem Raum zusammen.

Was denn noch?

Die Ostsee wird touristisch stark genutzt, aus ihr werden Rohstoffe – Kies zum Beispiel – gefördert und sie wird industriell genutzt – etwa für die Energie-Erzeugung. Die Folgen und die Schlüsse, die Wissenschaft daraus ziehen, sind auch für andere Küstenmeere auf der ganzen Welt relevant.

Was genau untersucht das IOW?

Wir haben aus all den „Stressfaktoren“ für das Ökosystem „Meer“ mehrere Schwerpunktthemen ausgewählt. An denen arbeitet rund die Hälfte all unserer Mitarbeiter. Zum Beispiel leiten wir für die Europäische Union ein Forschungsprojekt zur Belastung der Meere mit Mikroplastik. Wir untersuchen die mechanischen, virologischen und chemischen Beeinträchtigungen des Ökosystems durch diese Abfälle.

Welches Ziel haben Sie?

Zunächst geht es darum, das Ausmaß der Belastung unserer Meere zu erfassen. Und dann wollen wir Gegenmaßnahmen identifizieren. Wir wollen herausfinden, was getan werden muss, um diese Beeinträchtigungen zu minimieren. Das IOW berät deshalb die Industrie, aber auch die nationalen und internationalen wissenschaftspolitischen Gremien. Wir wollen Antworten auf globale Probleme geben.

Mikroplastik ist nur ein großes Thema. Woran arbeitet das IOW noch?

Ein weiteres Großprojekt beschäftigt sich zum Beispiel mit der Überdüngung der Meere mit Phosphor. Der Nährstoff wird im großen Stil in der Tier-, aber auch in der Pflanzenproduktion eingesetzt.

Das Problem ist dabei, dass die Phosphat-Ressourcen begrenzt sind und bislang keine „Wiederverwertung“ stattfindet.

Stattdessen gelangt Phosphor am Ende ins Meer. Die Überdüngung ruft vielfältige Probleme hervor. Massenhafte Algenentwicklungen beispielsweise können nicht nur den Tourismus beeinträchtigen, sondern auch in letzter Konsequenz zur Vergrößerung der sogenannten sauerstoffarmen Todeszonen am Meeresgrund führen. Das ist schlecht für die Gemeinschaften der dortigen Bodenlebewesen, die nicht nur Nahrungsquelle für viele Fische sind, sondern auch als riesiger biologischer „Filter“ zur Reinhaltung der Ostsee beitragen und somit eine für uns Menschen wichtige Ökosystemleistungen übernehmen.

Und wie gehen Sie dabei vor?

Wir arbeiten mit der Universität Rostock und vier weiteren Leibniz-Instituten aus MV zusammen: Unser Part ist es, herauszufinden, wie sich die Überdüngung auf die Entwicklung von Cyanobakterien - also die „Blaualgen“ - in der Ostsee auswirkt. Die Kollegen vom Leibniz-Institut für Nutztierbiologie in Dummerstorf arbeiten an neuen Zuchtlinien von Schweinen, die Phosphor aus Futtermitteln effektiver aufnehmen und weniger ausscheiden, und das Institut für Kulturpflanzenforschung in Groß Lüsewitz entwickelt neue Kartoffelsorten, die mit weniger Phosphor auskommen. Die Forscher am Leibniz-Institut für Katalyse in Rostock untersuchen die chemischen Prozesse und das Leibniz-Institut für Plasmaforschung untersucht, wie Phosphor im medizinischen Bereich eingesetzt werden kann. Die Uni entwickelt Wege, Phosphor zum Beispiel aus Böden und aus Klärschlamm zurückzugewinnen.

Wie müssen sich Außenstehende die Arbeit der Ostseeforscher konkret vorstellen?

Wir sammeln zum Beispiel mit unserem eigenen Forschungsschiff „Elisabeth Mann Borgese“ Daten im Meer. Diese Daten werden dann im Labor in Warnemünde für Experimente genutzt: Wir spielen die Prozesse in der Natur nach – und können sie ganz genau unter die Lupe nehmen. Aus den Ergebnissen und Analysen errechnen unsere Physiker dann Vorhersagemodelle. Wir wollen so 100 bis 200 Jahre in die Zukunft schauen, mögliche Konsequenzen und Entwicklungen schon jetzt aufzeigen.

Sind Sie denn nur auf der Ostsee unterwegs?

Nein, wir sammeln weltweit Daten – zum Beispiel auch im Südchinesischen Meer, vor der Küste Namibias oder im Golf von St. Lorenz in Kanada.

Was treibt Sie ganz persönlich an?

Unser generelles Ziel am IOW ist, die Ostsee in einen guten Umwelt- Zustand zu versetzen. Wir wollen unser Meer schützen.

Interview: Andreas Meyer

Die OZ sucht Ihre Werftbilder

. Ob in Rostock, Bad Doberan, Wismar oder Grevesmühlen – viele Menschen haben eine Verbindung zu den Werften in Mecklenburg. Ihr Geschichte erzählt vom Schiffbau, von der Werftenkrise, bei der Tausende Menschen ihren Job verloren, bis hin zum Neubeginn mit der Windkraftbranche und dem Erfolg der Kreuzfahrtbranche. Die OZ sucht Bilder und Geschichten über das Leben und die Arbeit auf den Werften in Wismar und Rostock. Wie sah die Arbeit damals im Vergleich zu heute aus? Wir freuen uns, wenn Sie, liebe Leser, uns Ihre Fotos und Geschichten zukommen lassen.

Per Mail: mecklenburg@ostsee-

zeitung.de; per Post: OSTSEE-

ZEITUNG, Redaktion Sekretariat, Richard-Wagner-Straße 1a, 18055 Rostock.

Thünen-Forscher: Mehr Fisch auf den Tisch!

Der Heißhunger der Menschheit auf Fleisch wächst – mit dramatischen Folgen: Nährstoffe wie Phosphor gehen zu Neige, riesige Waldflächen werden abgeholzt und zu Weideland. „Wir müssen unseren Fleischkonsum senken. Und wenn wir nicht alle Vegetarier werden wollen, dann ist Fisch die sinnvollste Alternative“, sagt Dr. Christopher Zimmermann. Der Biologe leitet das Thünen-Institut für Ostseefischerei in Rostock. Die wichtigste Aufgabe der Forscher: „Wir wollen dafür sorgen, dass die Ressource Fisch in der Ostsee nachhaltig genutzt wird und genutzt werden kann.“

Der Sitz des Institutes ist im Fischereihafen. Das ist nicht nur passend, sondern auch sinnvoll: Denn die Thünen-Forscher sind bis zu 260 Tage pro Jahr mit ihren drei eigenen Schiffen auf See – und fischen. „Wir überwachen die wilden Fischbestände“, sagt Zimmermann. In den Hauptfangzeiten landen bis zu 300 Kilogramm an Dorschen und anderen heimischen Fischarten auf den Labor-Tischen der Wissenschaftler. „Die Tiere werden vermessen und gewogen. Wir analysieren die Mageninhalte und die Leberwerte“, sagt Zimmermann. „Aus diesen Daten wollen wir Rückschlüsse auf die Bestände und ihre Entwicklung ziehen.“ Bei Fischern sind die Fachleute, die im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung arbeiten, nicht nur beliebt: Die Ergebnisse der ThünenForscher fließen unter anderem in die Fangquoten ein, die von der Europäischen Union festgelegt werden. „Wilder Meeresfisch ist das perfekte Nahrungsmittel“, erklärt Zimmermann. „Unsere Aufgabe ist es, zu ermitteln, wie viel Fisch wir fangen können, ohne die Population zu gefährden.“

Die rund 70 Mitarbeiter des Thünen-Institutes untersuchen aber nicht nur die Bestände, ihren Zustand und die Einflüsse der Menschen auf das Ökosystem. Zimmermann: „Wir arbeiten auch an neuen, schonenden Fangmethoden.“ So entwickelt das Rostocker Institut mit der Industrie Schleppnetze, die den Meeresgrund schonen, und Vorrichtungen, die verhindern sollen, dass Schweinswale in die Netze geraten.

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