Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Rostock Kleingärtner hoffen auf saubere Lösung
Mecklenburg Rostock Kleingärtner hoffen auf saubere Lösung
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:03 30.09.2016
Klare Botschaft am Zaun: Die Gartenfreunde wollen die beste Lösung im Abwasserstreit. Quelle: Klaus Walter

Die Gartenfreunde der Anlage „Am Radelsee“ erwarten den Oktober mit Spannung. Nicht, weil dieses Jahreszwölftel gemeinhin als Erntemonat für Äpfel, Birnen oder Kürbisse gilt, sondern weil ein Gerichtsurteil ansteht: Es geht um den Anschluss ihrer Gärten ans öffentliche Abwassernetz. Darüber und über die Entwicklung des Kleingartenwesens in Rostock informierte der Vorsitzende des Verbandes der Gartenfreunde, Christian Seifert, jetzt den Ortsbeirat „Heide“.

Gartenwesen mit Historie

40 000 Gartenfreunde bewirtschaften rund 649 Hektar Land in und um Rostock.

153 Mitgliedsvereine mit über 15 000 Parzellen sind im Verband der Gartenfreunde der Hansestadt organisiert. Mehr als 120 Jahre lang gehören Kleingärten zum Rostocker Stadtbild.

Dass Stadtentwicklung und die Förderung des Kleingartenwesens eng zusammengehören müssen, daran lässt Seifert keinen Zweifel. „Egal, wo und wie schnell unsere Stadt wächst: Auch neue Mieter und Einwohner werden immer auch Kleingärten bewirtschaften wollen“, sagte Seifert. „Es geht also nur gemeinsam.“

Dass gerade die Gartenfreunde in Markgrafenheide Grund zum Zweifeln haben, ob Seiferts These auch in der Rostocker Stadtverwaltung Anklang findet, hat zwei Gründe: Zum einen führt die Hansestadt Rostock derzeit einen „Musterprozess“ zur Räumung von 14 Kleingärten der Anlage „Erlengrund“. Zum anderen kämpfen die Gartenfreunde der Anlage „Am Radelsee“ um den Anschluss ihrer Gärten ans öffentliche Abwassernetz – ihrer Ansicht nach die sauberste und beste Lösung des Abwasserproblems für ihre Anlage.

Der Prozess zur Räumung der Erlengrund-Parzellen läuft bereits in der zweiten Instanz. Grund für die Hartnäckigkeit der kommunalen Bestrebungen ist die Stadtentwicklung: Rostock braucht Wohnungen, und die sollen vielfach auf Land entstehen, das jetzt an den Verband der Gartenfreunde verpachtet ist. Die Stadt möchte „Rechtssicherheit“ im künftigen Umgang mit den Gartenfreunden bei den anstehenden Räumungen erlangen.

In Sachen „Erlengrund“ hatte das Landgericht aber bereits festgestellt, dass ein geplanter Flächenverkauf allein die Kündigung der Parzellen nicht rechtfertige, und dass diese zudem noch nach dem Wiedervereinigungsgesetz geschützt seien, da die Gärten schon vor 1990 als solche genutzt wurden. „Wir waren froh, dass das Landgericht unserer Argumentation gefolgt ist“, sagte Erlengrund-Vorsitzender Norbert Jeschke. Trotzdem: Mit knapper Mehrheit beschloss die Bürgerschaft den Weg vor das Oberlandesgericht. „Die Verhandlung dort ist für März 2017 angesetzt“, sagte Seifert.

In Sachen Abwasseranschluss soll das Urteil der obersten Landesrichter nun im Oktober fallen. Seitdem per Landesgesetz Kleinkläranlagen in den Gärten verboten sind und die Gärtner ihr Abwasser meist in abflusslosen Gruben sammeln und per Lkw abfahren lassen sollen, bemühen sich die Markgrafenheider um die aus ihrer Sicht einfachste und sauberste Lösung: den Anschluss ans zentrale Abwassernetz.

Abflusslose Gruben hätten sich nicht bewährt, bei Hochwasser oder hohem Grundwasserstand würden die Behälter überflutet oder aus dem Boden gedrückt. Trotzdem: Ein Nein zum Vorschlag kam ausgerechnet vom alten Vorstand des Verbandes der Gartenfreunde, fürchtete dieser doch um die Gemeinnützigkeit des Gartenwesens. Der neue Vorsitzende, Christian Seifert, sieht das anders, und hofft nun rechtliche Klarheit.

Klaus Walter

In der Kleingartenanlage „Mooskuhle“ bewirtschaften Mädchen und Jungen der Jenaplanschule wöchentlich einen Schulgarten / Hilfe von den „alten“ Nachbarn

02.03.2018

Anlässlich des Welt-Brettspiele-Tags stellt Carsten Opitz einen Teil seiner Sammlung kostenlos zur Verfügung / Mehr als 70 Interessierte sind ins Peter-Weiss-Haus gekommen

08.02.2018

Die Stadt Rostock verteidigt den Fernwärme-Zwang aus ökologischen Gründen. Kritiker bemängeln das Monopol der Stadtwerke und den höheren Preis.

07.03.2018
Anzeige