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Rostock Kleingärtner kämpfen gegen Verödung
Mecklenburg Rostock Kleingärtner kämpfen gegen Verödung
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00:00 13.07.2013
Dierkow

Kleingärtner in Dierkow fürchten um ihre Parzellen. Die Anlage am nordwestlichen Rand des Stadtteils, unweit der Dierkower Moorwiesen, droht zu verwaisen. Die verbliebenen Pächter sind aufgebracht. „Das kann doch nicht sein, wie es hier aussieht“, schimpft Reinhard Erler. Der 62-Jährige hat seit der Wende eine Parzelle in der Anlage der „Siedlergemeinschaft Dierkow-West“. Er ist einer von vier Kleingärtnern, die noch einen Garten gepachtet haben. Früher waren es fünfzehn.

Das Interesse an den Parzellen sei aber da, sagt Erler: „Viele fragen nach den freien Gärten.“ Doch Pachtverträge für neue Laubenpieper gibt es nicht. Anders als bei den rund 150 Kleingartenvereinen in Rostock, die ihre Flächen vom „Verband der Gartenfreunde Rostock“ pachten, beziehen die Hobbygärtner der Siedlergemeinschaft ihre Parzellen direkt von der Stadt. Und die hat kein Interesse am Erhalt der Anlage in Dierkow.

„Entsprechend dem Flächennutzungsplan werden an diesem Standort keine Grundstücke als Gärten neu verpachtet“, heißt es aus dem Liegenschaftsamt. Zwar haben die verbliebenen Kleingärtner noch einen Anspruch auf ihre Parzelle, doch um sie herum ist es einsam geworden.

Grund fürs Ausbluten des Areals waren Unstimmigkeiten bei der Verpachtung. Denn von Anfang an war zwischen den Vertragsparteien vereinbart worden, dass die Parzellen nicht neu vergeben werden.

Allerdings vermieteten die Pächter die Gärten privat an ihre Nachfolger weiter. Die Stadt kam dem Treiben auf die Schliche — und kündigte daraufhin die Verträge.

Durch die vielen leeren Gärten seien dem Vandalismus Tür und Tor geöffnet, berichtet Erler: „Es gab auch schon Zeiten, in denen es hier oft gebrannt hat.“ Außerdem sei zuletzt vermehrt Bauschutt abgeladen worden. Erler erhebt auch Vorwürfe gegen Hans-Jürgen Schäfer, den Vorsitzenden der Siedlergemeinschaft: „Der Vorstand lässt sich abschütteln.“

Schäfer selbst sieht sich machtlos: „Was soll man machen, wenn das Interesse der Stadt nicht da ist?“ Der Vorsitzende räumt aber ein, dass der dauerhafte Leerstand den verbliebenen Gärten nicht gut tue. Es komme vermehrt zu Diebstählen. „Jeder nimmt sich, was er braucht. Man weiß ja, dass die Gärten beräumt werden“, sagt Schäfer.

Pächter Siegfried Grabow bedauert den Niedergang des Kleingartengeländes. „Das war früher so eine schöne Anlage“, sagt der 72-Jährige. Ihn störe zudem, dass aus dem Brachland nichts entwickelt werden solle: „Wenn die Stadt nichts mit dem Gelände vorhat, dann soll sie es doch uns geben.“

Doch nicht alle Parzellen der Siedlergemeinschaft müssen aufgegeben werden. Denn neben den fünfzehn Gärten nahe den Straßenbahngleisen verwaltet der Verein weitere 44 Parzellen in der Nähe des Hermann-Löns-Wegs. Diese verpachtet die Gemeinschaft aber selbst.

Reinhard Erler fordert indes, dass seine Anlage erhalten bleibt: „Man kann doch versuchen, das alles neu zu regeln.“ Dafür will er kämpfen. „Ich gehe notfalls auch bis zum Petitionsausschuss“, kündigt der 62-Jährige an.

Jens Barkhorn

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