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Rostock Kleingärtner sagen sich vom Land los
Mecklenburg Rostock Kleingärtner sagen sich vom Land los
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09:01 10.03.2018
Kröpeliner-Tor-Vorstadt

Mit mehr als 20 000 Kleingärtnern ist der Verband der Gartenfreunde eine Macht – nicht nur in der Hansestadt: Die Hälfte aller Mitglieder im Landesverband kommt aus der Hansestadt. Doch genau die könnte die Dachorganisation nun verlieren. Denn Rostocks Kleingärtner fühlen sich in Schwerin nicht mehr richtig vertreten, wollen jetzt einen Austritt aus dem Landesverband prüfen. Am 11. November sollen die Delegierten offiziell den ersten Schritt zur Selbstständigkeit beschließen. Für jeden Rostocker Kleingärtner könnte der Austritt am Ende aber richtig teuer werden, warnt Landeschef Peter Heinemann.

Rostock wollte schon 2005

Die Unzufriedenheit mit der Arbeit des Dachverbandes ist in Rostock schon seit Jahren groß. Bereits 2005 gab es den ersten Vorstoß, sich von der Landesgruppe loszusagen. Die Initiative wurde damals überraschend abgebrochen. Viele Kleingärtner mutmaßen bis heute, dass dies mit der plötzlichen „Beförderung“ des damaligen Rostocker Verbandsvorsitzenden zum neuen Landeschef zu tun hatte. Beweisen können sie das aber nicht. Nun jedenfalls scheint das Maß aber erneut voll zu sein. Der erneute Vorstoß, den Landesverband zu verlassen, stammt offiziell von acht Kleingarten-Vorsitzenden aus der gesamten Stadt.

Einer von ihnen ist Peter Kolz, Vereinschef der mehrfach ausgezeichneten Anlage „Dahlie“ in der Südstadt. „Wir bezahlen jedes Jahr viel Geld an den Landesverband. Und was bekommen wir? Nichts“, schimpft er. Seit Monaten kämpfe der Rostocker Stadtverband dagegen, dass Hunderte Parzellen in der Stadt dem Wohnungsbau geopfert werden. „Vom Landesverband kommt keine Unterstützung.“ Das sieht Marko Diekmann, Vorsitzender der Anlage „An’n schewen Barg“, genauso: „Auch unsere Anlage sollte viele Gärten verlieren – zugunsten neuer Wohnungen am Pulverturm. Uns hat allein der Stadtverband gerettet.“

Abfallgebühren für Gärtner?

Dass die Rostocker ihre „stadtinternen“ Kämpfe allein austragen, wäre für die Vereinschefs sogar noch nachvollziehbar. „Aber auch bei den Themen, die uns landesweit betreffen und bei denen der Landesverband uns allen helfen muss, passiert nichts“, so Kolz. Den Kleingärtnern droht nämlich gleich an mehreren Fronten finanzieller Ungemach: Da wären zum Beispiel die Themen „Zweitwohnungssteuer“ und „Kurabgabe“. Gleich mehrere Kommunen wollen die Schrebergärtner zur Kasse bitten. Ungeklärt ist ebenfalls, ob die Kleingärtner zudem Müll- und GEZ-Gebühren für ihre Lauben zahlen müssen. „Der Landesverband hatte sich Anfang des Jahres mit dem Innenminister getroffen, um das zu klären. Das ging nach hinten los“, so „An’n schewen Barg“-Chef Diekmann. Denn Minister Lorenz Caffier (CDU) stellte wenige Tage nach dem Treffen in einem Brief fest, dass rein rechtlich alle Kleingärtner Müllgebühren zu zahlen haben – wenn ihre Lauben zum Wohnen geeignet seien. Gleiches gelte für Steuern und Kurabgaben. Der „Dahlie“-Vorsitzende Kolz sagt dazu: „Unser Stadtverband klemmt sich hinter solche Themen, spricht mit dem Oberbürgermeister und den Senatoren. Der Landesverband verkriecht sich.“ Und Diekmann ergänzt: „Unsere Interessen werden nicht mehr vertreten. Wir können unseren Mitgliedsbeitrag selbst besser nutzen.“

Stadtverband will Geld sparen

Immerhin geht es um rund 60000 Euro pro Jahr, die Rostocks Kleingärtner an die Landeszentrale in Stäbelow überweisen. Christian Seifert, Vorsitzender des Stadtverbandes, dementiert das Gerücht, er wolle selbst Landeschef werden und deshalb den Austritt als Druckmittel nutzen. Nur so viel sagt er zum eigentlichen Thema: „Ja, juristisch könnten wir auch eigenständig werden. Wir müssen hinterfragen, welche Bedeutung der Landesverband für uns hat.“ Seiferts Sicht: „Der Landeschef lebt auf Rügen. Da haben die Kleingärtner andere Probleme als wir.“

Landeschef: Austritt wird teuer

Peter Heinemann, besagter Landeschef, kennt die Rostocker Gedankenspiele und sieht der Entscheidung gelassen entgegen. Bestimmte Kreise in Rostock würden ein unehrliches Spiel mit den Kleingärtnern spielen. „Wir sitzen regelmäßig zusammen mit dem Rostocker Vorstand. Da gab es nie Kritik“, sagt Heinemann. Ja, das Gespräch im Innenministerium sei nicht gut gelaufen, räumt er ein.

„Aber wir haben eine ganze Masse an Themen, die wir mit der Landesregierung klären müssen. Wir sind weiter im Gespräch.“

Und das Austrittsargument, die Rostocker könnten 60 000 Euro sparen und sich damit eine neue Geschäftsstelle bauen – „das ist doch zu kurz gegriffen“. Über den Landesverband könnten die Gartenfreunde ein Vielfaches an Fördermittel für den Bau bekommen. „Aber Fördermittel gibt es nur über uns.“ Auch jeder einzelne Kleingärtner dürfte einen Austritt teuer bezahlen, sagt Heinemann: „Da wären zum Beispiel die Versicherungen. Der vergünstigte Gruppentarif gilt für Mitglieder des Landesverbandes. Wenn Rostock austritt, könnten die Policen bis zu 150 Euro im Jahr teurer werden.“ Ähnlich sehe es bei den Abwassergebühren aus.

Andreas Meyer

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