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Rostock Kleingärtnern fordern Geld von der Stadt
Mecklenburg Rostock Kleingärtnern fordern Geld von der Stadt
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08:30 10.11.2018
Roland Mehtling, Christian Seifert und Ute Fischer-Gäde gaben 2017 den Startschuss für den Bau der ersten neuen Kleingarten-Anlage in Rostock. Es wird wohl auch der einzige „Neubau“ bleiben. Quelle: Ove Arscholl
Rostock

Rostock ist eine Gartenstadt: Auf knapp vier Prozent der gesamten Stadtflächen wachsen Obstbäume und Blumen, Möhren, Kartoffeln und Tomaten. Denn: Rund 150 Kleingarten-Vereine und um die 15 000 Parzellen gibt es zwischen Warnemünde und Biestow. Noch. Denn ein Teil der Anlagen steht vor einer ungewissen Zukunft: Rostock braucht Bauland, will dafür auch Gärten opfern. Problem nur: Laut Gesetz müsste die Stadt dann „Ersatz“ schaffen. Der Verband der Gartenfreunde kommt dem Rathaus aber entgegen – und würde auf neue Anlagen verzichten. Bedingung: Dafür muss die Stadt zahlen. Verbandschef Christian Seifert fordert einen „Fonds für Kleingärten“.

Rostock braucht alle Parzellen

„Fakt ist, wir brauchen in Rostock um die 15 000 Parzellen – auch in Zukunft“, sagt Seifert. Die Leerstandsquote liege derzeit bei gerade mal 0,5 Prozent. Heißt: Nur rund 75 Parzellen stehen leer, werden nicht bewirtschaftet. Das Interesse an Gärten sei aber seit einigen Jahren in Rostock ungebrochen. Vor allem jüngere Familien ziehe es wieder in die Anlagen. Sie suchen „grüne Oasen“ mitten in der Stadt. „Natürlich sind wir unglücklich über jede Anlage und jeder Parzelle, die dem Wohnungsbau weichen soll. Aber wir sehen auch die Notwendigkeit ein“, sagt der Verbandsvorsitzende. Dem Verband stünde laut Paragraph 14 des Bundeskleingartengesetzes ein Ersatz für die Parzellen zu. Das räumt auch die Stadtverwaltung auf OZ-Nachfrage ein.

Doch sowohl im Rathaus als auch bei den Kleingärtner selbst wächst die Einsicht, dass komplette neue Anlagen auch neue Probleme mit sich bringen: „Angesichts des steigenden Flächenbedarfs für Wohnen und Gewerbe erscheint es nicht sinnvoll, neue Flächen für Kleingärten auszuweisen“, schreibt Stadtsprecher Ulrich Kunze. Und Garten-Chef Seifert sagt: „Eine neue Anlage braucht Jahre, bis sie funktioniert – sowohl unter sozialen Gesichtspunkten als auch unter biologischen. Bis die Bäume Früchte tragen, die Gärten angelegt sind: Das dauert!“

Verdichten statt neu bauen

Die Lösung aus Sicht des Verbandschefs: „Wir wollen innerhalb bestehender Anlagen verdichten“, so Seifert. Zwar sei die Leerstandsquote gering, der Zustand vieler Parzellen aber „schlecht“. Und: „Wir haben im Bestand auch sehr viel sehr große Parzellen. Das ist heute nicht mehr zeitgemäß.“ Gärten mit bis zu 700 Quadratmetern Fläche seien in der Hansestadt keine Seltenheit. „Viele dieser Gärten gehören älteren Gärtnern, die gar nicht mehr in der Lage sind, so viel Land zu bewirtschaften.“ Seifert will deshalb große Parzellen teilen – aus einer großen Parzelle könnten zwei in Standgröße werden. „Und wir könnten Gärten, die in einem schlechten Zustand sind und kaum mehr zu verpachten sind, wieder herrichten.“ Doch genau das koste Geld. Geld, dass der Verband und die Vereine nicht haben. „Deshalb wollen wir einen Kleingartenfonds von der Stadt.“

Seiferts Idee ist einfach: Das Rathaus stellt Geld zur Verfügung, mit dem die Vereine arbeiten können. „Wir können dann innerhalb bestehender Anlagen neue Parzellen schaffen. Statt neue Anlagen zu erschließen wollen wir auf eine Verdichtung setzen. Damit wäre vielen Vereine in der Stadt geholfen – und vielen Gärtnern ebenfalls.“ Vorteil für das Rathaus: Es muss keine neuen Flächen für Gärten suchen, kaufen und herrichten. „Dieser Fonds hilft der Stadt, sich zu entwickeln.“

Entscheidung im Dezember?

In der Bürgerschaft kommt Seiferts Vorstoß gut an. Die SPD hat bereits für Dezember-Sitzung einen Antrag gestellt und will den Oberbürgermeister beauftragen, die Rahmenbedingungen für einen solchen Kleingartenfonds prüfen zu lassen. „In einigen Anlagen gibt es ungenutzte Gärten, die durch die Vereine wieder aktiviert und nutzbar gemacht werden sollten – mit städtischer Unterstützung“, schreibt SPD-Fraktionschef Steffen Wandschneider-Kastell. Die Sozialdemokraten haben Rostocks mehr als 30 000 Kleingärtner in den vergangenen Wochen als Thema für sich entdeckt: So fordert die SPD beispielsweise auch, dass bei den Planungen für Rostocks neue Bau- und Gewerbegebiete sichergestellt werden soll, dass die Zahl der Gärten in der Hansestadt stabil bleibt. Und solange der „Zukunftsplan“, die neue Flächennutzungsplan der Stadt, nicht fertig ist, sollen keine weiteren Anlagen aufgegeben werden.

Kaum Interesse an Neu-Anlage

Auch innerhalb der Stadtverwaltung ist der „Kleingartenfonds“ bereits Thema: Bis Ende März 2019 will das Amt für Stadtgrün sein Kleingartenkonzept vorlegen. Schon jetzt heißt es aber aus dem Amt: Ein solcher Fonds könne Sinn machen – möglicherweise auch, um bestehende Anlagen nicht zu „reaktivieren“ und zu verdichten, sondern auch um sie sogar noch zu erweitern. Wie viele Gärten den Wohn- und Gewerbeplänen der Stadtplaner zum Opfer fallen sollen, könne derzeit aber noch nicht abgeschätzt werden.

An der Nobelstraße haben OB Roland Methling (UFR), Christian Seifert und Grünamtschefin Ute Fischer-Gäde übrigens auf den Tag genau vor einem Jahr den ersten Spatenstich für Rostocks erste neue Kleingarten-Anlage seit der Wende ausgeführt. 23 Parzellen sollen auf einer alten Wiese entstehen. Nach Angaben von Stadtsprecher Ulrich Kunze gibt es bisher aber erst fünf feste Interessenten für die neuen Gärten. Seifert sagt: „Wir haben die Parzellen noch nicht beworben. Gärtner aus Anlagen an der Satower Straße und am Pütterweg, deren Parzellen Bauvorhaben weichen müssen, haben dort ein Vorgriffsrecht.“ Spätestens 2019 soll die neue Anlage übergeben werden.

Andreas Meyer

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