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Rostock Klinikum: Jetzt geht’s rund
Mecklenburg Rostock Klinikum: Jetzt geht’s rund
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00:00 25.09.2018
Planen die Zukunft des kommunalen Krankenhauses: Chefarzt Prof. Dr. Hans-Christof Schober und Verwaltungsdirektor Steffen Vollrath wollen die Südstadt-Klinik neu aufstellen. Quelle: Foto: Andreas Meyer
Südstadt

Die SüdstadtKlinik in Rostock zählt nicht nur zu den besten, sondern auch zu den erfolgreichsten in Deutschland: Um die zwei Millionen Euro Gewinn hat das kommunale Krankenhaus in der Vergangenheit pro Jahr an die Stadtkasse überwiesen. Doch damit soll nun Schluss sein: „Wir brauchen das Geld künftig selbst – für große Investitionen“, sagt Verwaltungsdirektor Steffen Vollrath. Denn er und der Ärztliche Direktor Prof. Dr. Hans-Christof Schober haben in den kommenden Jahren Großes vor: Für bis zu 80 Millionen Euro soll die Klinik modernisiert, um- und vor allem ausgebaut werden. „Wir machen uns fit für die kommenden Jahrzehnte“, so Schober.

Das größte Investitions- programm seit dem Bau vor 53 Jahren: 80 Millionen Euro will das Klinikum Südstadt in neue Bettenhäuser, die Notaufnahme und die Küche investieren.

53 Jahre ist das

Krankenhaus Südstadt

bereits alt. Es wurde im

Jahr 1965 offiziell

eröffnet und galt

damals als modernste

Klinik der DDR

und als eine der

modernsten weltweit.

Am Anbau waren

auch Fachleute aus

Skandinavien beteiligt.

Jährlich werden

27000 Patienten

in der Klinik stationär

behandelt.

Immer mehr Patienten, zu wenig Betten

Gleich mehrere Entwicklungen im Gesundheitswesen sind es, die das Führungsteam der Klinik derzeit beschäftigen. Ein „Problem“ ist zum Beispiel hausgemacht: „Unser Krankenhaus hat sich toll entwickelt. Wir gehören zu den wenigen Häusern, die seit Jahren beständig steigende Patientenzahlen haben“, sagt Vollrath. Allein 2017 wurden 27000 Menschen in der Südstadt-Klinik vollstationär behandelt. „Und wir rechnen mit einer weiteren Zunahme – um bis zu zehn Prozent“, ergänzt Chefarzt Schober. Vor allem in der Inneren Medizin und der Chirurgie sei das Plus besonders deutlich.

Und dann wäre da auch noch die demografische Entwicklung. Vollrath beschreibt das Szenario bis 2030 so: „Während anderenorts Menschen wegziehen, wächst die Region Rostock. In ländlichen Gegenden werden Krankenhäuser in Zukunft nicht mehr alle Leistungen anbieten können. Es wird sich mehr und mehr auf Zentren konzentrieren.“ Eines dieser Zentren in MV müsse die Südstadt-Klinik werden. „Wir wollen medizinische Leuchttürme schaffen.“ Im Bereich der Onkologie, der Rheuma- und der Adipositas-Therapien sowie der Chirurgie wolle das kommunale Krankenhaus führend sein. Ebenfalls mit steigenden Patientenzahlen rechnen die Klinik-Chefs im Kreißsaal: Nach dem sogenannten Nachwende-Knick stieg Ende der 1990er Jahre die Geburtenzahl wieder an. „Und diese Generation ist nun in dem Alter, in dem sie selbst Eltern werden“, so Schober.

Vier Neubauten

bis 2025

Das Wachstum könne zum echten Problem werden – wenn die Klinik nicht rechtzeitig Voraussetzungen schafft: „Wir sind, was unsere Kapazitäten angeht, seit geraumer Zeit am Limit. Das Krankenhaus hat seine Be- und Auslastungsgrenze erreicht“, sagt Schober. Deshalb soll gebaut werden, die Zahl der Betten im Klinikum soll von derzeit genehmigten 464 auf 529 steigen. Insgesamt vier Bauprojekte bis zum Jahr 2025 hat die Klinik in Planung. Dem zuständigen Gesundheitsministerium in Schwerin habe Vollrath die Ideen schon vorgestellt, Verhandlungen über Fördermittel laufen bereits.

Los gehen soll es dann 2020 – mit der ersten Maßnahme, einer neuen Notaufnahme. Schober: „In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Zahl der Patienten in der Notaufnahme fast verdoppelt – von 30

000 auf 50000 Notfälle im Jahr.“ Und auch hier rechnen die Manager mit einem weiteren Plus. „Also brauchen wir mehr Platz, mehr Behandlungsräume, neue Technik.“ Im Untergeschoss des Notaufnahmen-Anbaus soll zudem eine neue Klinikküche entstehen. Gesamtkosten – nur für den Bau: rund acht Millionen Euro.

Nur ein Jahr später will die Klinik dann mit dem Bau des ersten neuen Betthauses starten. „Drei neue Stationen mit 120 Betten sollen dort einziehen“, verrät Vollrath. „Diese zusätzlichen Betten werden uns schon mal weiterhelfen“, sagt auch Schober. „In den Spitzenzeiten – etwa während der alljährlichen Grippe-Wellen im Januar und Februar – fehlen uns jetzt schon Krankenzimmer.“

2025 soll dann das zweite Bettenhaus folgen – mit fast 400 neuen Betten. „Platz haben wir auf unserem Gelände noch genug“, sagt Vollrath. „Wir brauchen auch kein Land von unseren Nachbarn.“ In der Zwischenzeit – im Jahr 2023 – soll zudem Baustart für ein Gemeinschaftsprojekt von Uni-Medizin und Südstadt-Klinik sein: Dann soll das neue Eltern-Kind-Zentrum gebaut werden. Die Landesregierung will in dieses Vorhaben – in die modernste Kinderklinik Deutschlands – weitere 55 Millionen Euro investieren. In das Gebäude soll unter anderem die Geburtenstation mit ihren Kreißsälen ziehen.

Neue Nutzung für das alte Bettenhaus

Das alte Betten-Hochhaus – noch das Herzstück der Südstadt-Klinik – bekommt nach dem Ende der Baumaßnahmen eine neue Nutzung: „Die Stationen ziehen in die Neubauten. Der alte Bau entspricht nicht mehr den Anforderungen“, so Vollrath. Um effizient arbeiten zu können, müssen die Stationen größer werden. Und, dass sich zwei Krankenzimmer ein Bad teilen müssen – das sei ebenso nicht mehr zeitgemäß. Ursprünglich hatte die Klinik angedacht, den Altbau zu erweitern. Das aber sei nicht effizient. Stattdessen soll der Bau für die Tageskliniken genutzt werden. „Wir behandeln mehrere zehntausend Menschen pro Jahr ambulant. Die Patienten kommen morgens, erhalten ihre Rheuma- oder auch Krebstherapie und dürfen abends nach Hause“, erklärt Schober.

„Wir wollen kein Geld

von der Stadt“

Das Führungsduo der Klinik wirbt um Unterstützung für seine Pläne: „Wir haben viel mehr Möglichkeiten, wenn wir erstmal investiert haben. Investieren wir aber nicht, wird das Thema Krankenversorgung irgendwann auch für die Stadt zum Problem“, so Chefarzt Schober. Vollrath geht davon aus, dass ein Großteil der Baukosten von zusammen 80 Millionen Euro gefördert wird. „Aber zehn Prozent Eigenanteil und die Kosten für die neue Ausstattung müssen wir in jedem Fall selbst aufbringen.“ Deshalb hoffe er, dass die Bürgerschaft der Klinik ihre Millionen-Gewinne überlasst: „Wir wollen kein Geld aus dem Stadthaushalt. Wir wollen lediglich die Überschüsse behalten. Dann kriegen wir alles hin.“

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