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Rostock Knappe Entscheidung: Grafe bleibt Brandmeister
Mecklenburg Rostock Knappe Entscheidung: Grafe bleibt Brandmeister
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00:00 24.03.2014
Die neue Verbandsspitze: Vorsitzender Steffen Grafe, sein Stellvertreter Uwe Eberhardt und Schriftführer David Eberhardt (v. l.). Quelle: Ove Arscholl

Es war ein denkbar knappes Ergebnis Sonnabendabend in Warnemünde: Bei der Jahreshauptversammlung des Stadtfeuerwehrverbands ist Steffen Grafe mit gerade einmal 52 Prozent der Stimmen erneut als Stadtbrandmeister gewählt worden. „Ich habe mir gedacht, dass es knapp werden wird“, sagt Grafe nach der Wahl. Für die kommenden sechs Jahre wird er die knapp 300 Männer und Frauen anführen.

Gleich zu Beginn gab es Diskussionen. Der Grund: die Frage nach der ausreichenden Mehrheit und das laufende Ermittlungsverfahren gegen die Feuerwehr. Ralf Mucha von der Wehr Groß Klein beantragte deshalb eine Verschiebung der Wahl, um „weiteren Schaden von der Hansestadt abzuwenden“. Dies sei nicht nötig, die einfache Mehrheit sei ausreichend, informierte Wahlleiter Lutz Kalkschies-Diezel.

Zudem gebe es Wahlfristen. Glück für Grafe, denn am Ende stimmen 22 der insgesamt 42 Wahlberechtigten für den 32-Jährigen. Er war als Einziger zur Wahl angetreten. „Ich weiß, dass ich es nicht allen recht machen kann. Aber ich hoffe in der nächsten Zeit auch meine Kritiker überzeugen zu können“, so Grafe. Eine Kritikerin ist Simone Melchert von der freiwilligen Feuerwehr Groß Klein. Sie hätte sich eine andere Spitze für den Stadtfeuerwehrverband gewünscht. Zu vieles sei bei Grafe vom Tisch gefallen, zu viele Versprechen nicht eingehalten worden. „Es gibt noch viele andere kluge Köpfe bei uns. Leider fehlt ihnen die nötige Ausbildung, um den Verband anzuführen.“

Dass die Ereignisse des vergangenen Sommers Grund für das knappe Wahlergebnis sein könnten, glaubt Grafe nicht. „Das konnten wir bereits klären.“ Nach einer Razzia wegen des Verdachts des Datenmissbrauchs legten die Mitglieder für zwei Wochen ihren Dienst nieder. Als daraufhin niemand der Freiwilligen zum Ehrenamtstag der Hansestadt geladen wurde, äußerte sich Grafe in einem offenen Brief kritisch gegenüber Oberbürgermeister Roland Methling (UFR). Es folgte eine kurzzeitige Suspendierung des Stadtbrandmeisters. „Sicherlich habe ich den einen oder anderen Fehler begangen“, so Grafe. Doch er habe dazugelernt. Das Verhältnis zur Stadt habe sich mittlerweile entspannt.

Für Diskussionen sorgte am Sonnabend auch der vorgelegte Haushaltsplan für 2014. Zu wenig Geld stünde für die Jugendarbeit bereit, erklang es aus den Reihen. Gerade die will Grafe aber in den kommenden Jahren intensivieren. „Es fehlen uns die kleinsten Mittel. Wir haben nicht mal Geld, unseren Kindern Spiele zu bieten“, sagt Melchert. Immer wieder habe sie Grafe deswegen in der Vergangenheit angerufen, zu oft sei sie vertröstet worden. „Wir müssen als Verband zahlungsfähig bleiben und bestimmte Rücklagen vorweisen“, weist Grafe die Kritik zurück. Auf der kommenden Delegiertenversammlung soll nun ein Nachtrag zum Haushalt erstellt werden.

Weiteres Ziel sei laut Grafe die Verbesserung der Ausstattung der Feuerwehrleute. Grafes Stellvertreter ist ab sofort Uwe Eberhardt, ebenfalls von der Wehr Stadtmitte. Dessen Sohn David wurde in das Amt des Schriftführers gewählt.

Verband hofft auf junge Menschen
310 Mitglieder zählen die fünf Wehren im Stadtfeuerwehrverband aktuell. Damit konnte die Mitgliederzahl im vergangenen Jahr gehalten werden. Bei den aktiven Feuerwehrleuten sank die Zahl jedoch von 217 auf 207. Der Altersdurchschnitt liegt derzeit bei knapp 58 Jahren.
69 Jugendliche sind derzeit aktiv. Vier der fünf Jugendfeuerwehren kämpfen laut Jahresbericht mit einem sehr starken Mitgliederrückgang. Einzig die Jugendwehr Groß Klein könne sich nicht über Nachwuchsmangel beklagen, dort gebe es aktuell sogar eine Warteliste.



Sophie Pawelke

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