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Rostock Komiker belebt Boybands neu
Mecklenburg Rostock Komiker belebt Boybands neu
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06:56 13.12.2017
Darsteller des Musicals „Boybands Forever“ auf der Bühne. Foto: Holger Fichtner Quelle: Holger Fichtner
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Rostock

Mit „Boybands Forever“ macht am 7. Februar ein Musical in der Rostocker Stadthalle Station, das die größten Boygroups der 90er Jahre und ihre Musik aufleben lässt. Ideengeber ist der Moderator, Autor und Entertainer Thomas Hermanns. Im Interview verrät er, was das Geheimnis des Erfolgs von Boygroups ist und wie seine eigene Band aussehen würde. Mit Thomas Hermanns sprach Ove Arscholl.

Nach dem Quatsch-Comedy-Club und anderen lustigen Formaten kommen Sie nun mit einem Boygroup-Musical um die Ecke. Finden Sie das komisch?

Thomas Hermanns: Ja, denn ich finde Boygroups nicht nur gut, sondern auch lustig. Gerade jetzt, nachdem ich mich mit den Styles und Looks der 90er beschäftigt habe, stelle ich fest, dass es eben nicht nur tolle Songs und hübsche Jungs sind, sondern auch sehr viele witzige Situationen, die wir da nacharbeiten.

Wie kamen Sie auf die Idee?

Ich habe ja eine große Liebe zu Pop-Phänomenen der verschiedensten Richtungen und in meinem Kopf viel zu viel unnützes Pop-Wissen und suche auch immer nach Outlets dafür. In diesem Fall habe ich ein bestimmtes Lied auf dem Laufband gehört, nämlich „Breathe easy“ von Blue. Eigentlich sind diese Songs viel besser, als man sie in Erinnerung hat. Wir lachen oft über die Videos aus der Zeit, aber die Lieder sind eigentlich richtig gute Pop-Songs. Die sollte man in neuem Gewand und mit neuen Arrangements mal wieder auf die Bühne bringen, um dieses Phänomen Boyband nicht nur zu feiern, sondern auch vom schlechten Ruf zu befreien, den diese Gruppen ja nach wie vor haben. Und das ist auch passiert. Wir haben herausgefunden, dass, wenn man die Sachen auch mal nur zur Gitarre singt, ein „Back for good“ genauso gut ist wie jeder Beatles-Song.

Der Erfolg der Boygroups basiert ja aber neben der Musik auch auf den Boys selbst. Kann das denn ohne die Originale überhaupt funktionieren?

Ja. Und das Lustige ist, dass am Ende unserer Show die Damen im Publikum eigentlich unsere Darsteller behandeln wie eine echte Gruppe. Es ist fast wie so ein Warhol-Effekt. Die Fiktion ist ersetzt worden. Sie behandeln sie wie eine Pop-Gruppe. Dadurch, dass wir ihnen erlauben, sich in einem sicheren Raum zu benehmen wie 16-jährige Teenager, sind die Grenzen am Schluss völlig verschwommen. Wir haben inzwischen Frauen, die unseren Darstellern folgen, Bleistiftzeichnungen von denen anfertigen – also alles das, was die echten Gruppen auch haben. Aber ich glaube, bei uns ist es vielleicht noch ein bisschen spielerischer und fröhlicher als bei den Originalen.

Was hat Sie denn bei der Premiere am meisten überrascht?

Dass die alle so schnell von ihren Sitzen hochgekommen sind. Normalerweise ist es ja bei Musicals so, dass die Leute sich das den ganzen Abend ansehen und zur Zugabe aufstehen. Aber hier standen sie schon ab Minute acht, ab der ersten Up-Tempo-Nummer. Und ab da ging es rauf und runter – gesessen wurde bei Balladen, bei Up-Tempo ging es wieder hoch. Also, diese Mischung aus Konzert, Revue und Show hatte ich vorher nicht erwartet.

Welche Bands und Hits kommen denn im Programm vor?

Es gibt natürlich die Hits, die man machen muss. Ohne „Everybody“ oder „Babe“ geht es nicht. Aber ich habe auch versucht, ein paar Orchideen mit reinzunehmen – Lieder, die ich selbst besonders gut finde, die aber gar nicht auf dem obersten Hit-Sektor sind, zum Beispiel „Je te donne“ von Worlds Apart oder „It’s alright“ von East 17. Und von den Backstreet Boys nicht nur die Klassiker, sondern auch „Larger than Life“. Manches haben wir auch anders instrumentiert, so dass auch vieles neu entdeckt werden kann.

Wo fängt die Geschichte zeitlich an? Und wo hört sie auf?

Wir fangen bei den New Kids on the Block an und enden bei One Direction, weil es am Schluss natürlich so ist, dass es nach den 90ern irgendwann vorbei war. In England gab es zwar weitere Boybands, aber die große Zeit war zu Ende. One Direction hatten aber nach dem Rezept derselben fünf sogar noch mehr Platten verkauft als Take That und Backstreet Boys zusammen.

Rezept der fünf?

Das wird an dem Abend von unseren Moderatoren ausführlich erklärt. Diese Bands bestanden immer aus fünf Leuten: Da ist der Schwiegersohn, der Leadsänger. Dann gibt’s den Brudertyp, der ein bisschen mehr der Brother ist als Lover. Dann ist da der Niedliche, das sogenannte Sweetheart. Und Du hast immer einen Bad Boy, der auch gleichzeitig immer der Beliebteste der Gruppe ist. Ich war auch wirklich fassungslos, dass selbst meine intelligenten Freundinnen bei der Premierenfeier alle um den Bad Boy rumstanden. Ich habe dann gesagt: „Geheiratet habt ihr den aber nicht – oder?“ Und dann hieß es „Nee, aber so mal für einen Abend?“ Und dann habe ich gesagt, ihr wollt doch nicht wirklich mit Robbie Williams auf 'nem Motorrad Drogen nehmen? Naja – und dann gibt es immer noch den Fünften, den man vergessen hat. Da weiß niemand mehr, wie der heißt, aber er war eben auch immer dabei. Und das wird bei uns der heimliche Held des Abends, für den wir auch eine Lanze brechen wollen, auch wenn wir nicht mehr wissen, wie er heißt.

Haben Sie selbst auf der Bühne eine aktive Rolle?

Nein, bei den Aufführungen sitze ich im Publikum und benehme mich wie ein alberner Fan, stehe auf, setze mich wieder und schmeiße Kuscheltiere, wie der Rest im Saal.

Sind Sie in Rostock auch dabei?

Vielleicht, denn es kann sein, dass wir einen Quatsch-Comedy-Betriebsausflug machen, das ist aber noch in Planung.

Was war Ihre erste Erfahrung mit Boybands? Wie fanden Sie die?

Ich fand die erst mal ein bisschen albern, wie ich jetzt weiß, vor allem wegen des Looks. Diese ersten Take-That-Videos sind ja wirklich furchtbar. Das war alles Bubble-Gum-Pop für mich, ich habe aber inzwischen gemerkt, dass die Lieder sich bei mir subkutan eingegroovt haben und habe dann mitgemacht. Aber über die Videos musste ich erstmal hinwegkommen.

Welche ist Ihre Lieblingsband?

Im Moment East 17, weil wir die auch zweimal drin haben, mit „It's alright“ als dunklem Partykracher und „Stay another Day“ als Weihnachtsballade. Die haben ein großes Spektrum und waren auch wirklich nicht hübsch. Bei denen kann man nicht sagen, dass es an der Attraktivität lag. Und im Nachhinein finde ich, dass das welche sind, die man ein bisschen nach vorn holen kann.

Wenn Sie selbst eine Boyband gründen müssten, sagen wir mit deutschen Komikern...?

Oh, das gehen wir mal durch. Also der Schwiegersohn und Leadsänger wäre wahrscheinlich Dieter Nuhr, würde ich sagen, jenseits von allen Altersfragen. Der Brother und Lover-Typ ist vermutlich Michael Mittermeier. Sweetheart müsste Oliver Pocher machen oder – auf eine schräge Weise – Johann König. Für den Bad Boy würde ich mal Atze Schröder besetzen. Und den fünften habe ich natürlich schon wieder vergessen, wer das war.

Das müssten Sie dann machen.

Nee, der fünfte will ich nicht sein. Ich bin ja dann der Macher und Manager der Band.

Und die Frauen drehen dann alle mit Atze durch?

Ja, das habe ich auch schon persönlich erlebt. Aber bei ihm ist das ja so praktisch: Wenn er die Perücke abzieht, kann er einfach so aus dem Backstage rausgehen. Aber es ist so. Die Frauen wollen alle mit Atze aufs Motorrad.

Haben Sie eine Verbindung zur Ostsee?

Na ja, als Naherholungsziel. Also, wenn es uns hier in Berlin zu düster wird, gerade jetzt in der Jahreszeit, dann ist die Ostsee natürlich unser nächster Erholungsraum. Meistens geht’s dann auf den Darß oder nach Binz.

Was wünschen Sie sich für 2018?

Dass aus dieser Show vielleicht sogar eine echte Band wird. Irgendwie schreit es danach. Ich glaube, wir müssen den Jungs jetzt einen Hit komponieren, der dann auch in die Charts kommt – und dann heben wir die Grenze zwischen Fiktion und Realität endgültig auf.

Ove Arscholl

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