Volltextsuche über das Angebot:

13 ° / 6 ° wolkig

Navigation:
Kommunen sollen Daten ihrer Bürger verkaufen

Rostock Kommunen sollen Daten ihrer Bürger verkaufen

Experten warnen vor Gefahren und Missbrauch. In MV ist Verkauf von Geodaten Praxis.

Voriger Artikel
Festmacher: Die stärksten Kerle im Rostocker Hafen
Nächster Artikel
Frau auf Gehweg von Auto tödlich erfasst

Symbolfoto: Bürgerdaten als Ware? Der Vorschlag stößt in MV auf wenig Gegenliebe.

Quelle: Volkmar Schulz

Rostock. Verkaufen Kommunen bald Adressen, Telefonnummern oder Informationen über Grundstücke von Bürgern, um ihre eigenen Kassen zu füllen? Darauf läuft ein Vorschlag von Gerd Landsberg, Hauptgeschäftsführer des Städte- und Gemeindebundes, hinaus. Datenschützer schlagen Alarm. Auch Kommunen in Mecklenburg-Vorpommern verweisen auf rechtliche Hürden.

Lärmbelastung, Straßenführung, Verkehrsaufkommen: Kommunen verfügen über viele Daten, die auch für Unternehmen interessant sein können. Doch sollen sie dafür Geld verlangen dürfen? „Die Städte und Gemeinden müssen sich noch mehr klarmachen, dass Daten das Öl des 21. Jahrhunderts sind und sich damit wichtige Einnahmen erzielen lassen“, sagt Landsberg. Er schlägt ein „Konzessionsmodell“ vor, wonach private Unternehmen mit den Daten der Kommunen arbeiten könnten, aber dafür bezahlen müssten.

In Mecklenburg-Vorpommern stößt der Vorschlag auf wenig Gegenliebe. Andreas Wellmann, Geschäftsführer des Städte- und Gemeindetages MV, fordert „besonderes Fingerspitzengefühl, um Missbrauch zu vermeiden“. Der aktuelle Fall weitergereichter Daten von Millionen Facebook-Nutzern an eine Firma verdeutliche das Problem. Es müsse auch im Nordosten beim Verkauf sichergestellt sein, dass anonymisierte Daten nicht wieder personalisiert, Bürger also für Firmen quasi durchsichtig werden könnten.

„Ich habe große Bedenken, auch rechtliche“, reagiert Heinz Müller, oberster Datenschützer in Mecklenburg-Vorpommern. Die neue EU-Datenschutzgrundverordnung sehe eine Zweckbindung für erhobene Daten vor. Kommunen könnten damit also nicht einfach Geld machen. Informationen, wie der Gesundheitszustand von Bürgern, seien sowieso besonders geschützt. Aus Müllers Sicht gilt dies auch für Adressen oder Telefonnummern. Ausnahme: Bei Wahlen können Parteien bereits legal an diese Daten kommen.

Der Verkauf allgemeiner Informationen ist längst Praxis. Im Angebot sind vielerorts sogenannte Geodaten, also Wissen über Gebäude oder Straßenverläufe. Dies gilt etwa für die Hansestädte Rostock und Greifswald, allerdings nicht für Persönliches. Rostock stelle viele Daten öffentlich kostenlos zur Verfügung. „Wir gehen davon aus, dass unsere Daten ja letztlich Eigentum der Rostocker sind“, so Sprecher Ulrich Kunze. Greifswald gebe kostenlos Daten an Studenten für wissenschaftliche Zwecke aus, so Sprecherin Andreas Reimann. Den Verkauf personengebundener Informationen sehe man in Wismar „grundsätzlich kritisch“, sagt Marco Trunk. Im Kreis Vorpommern-Rügen klingt das ähnlich: Geodaten ja, Persönliches nein. Dafür fehle die gesetzliche Grundlage, so Sprecher Olaf Manzke.

Bundesweit sorgt das Thema für Diskussionen. Grüne, Linke und der Deutsche Städtetag sind gegen mehr Daten-Verkauf. Die Bundesdatenschutzbeauftragte Andrea Voßhoff warnt: „Die allein ökonomische Betrachtung personenbezogener Daten als ,Öl des 21. Jahrhunderts’ degradiert den Menschen zur Ware.“

Pubantz Frank

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Parow
Die Bauarbeiten im Ferienhausgebiet Parow gehen weiter. Bauarbeiter haben die nächsten drei Fundamente in Angriff genommen. Von den geplanten 53 Häusern sind bislang 14 gebaut

Bagger legen in Parow „Am Rügenblick“ wieder los / Aushub der Fundamente für die nächsten Urlaubsdomizile

Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Rostock

Vor 25 Jahren wütete vor dem Sonnenblumenhaus der Mob. Vier Tage lang flogen Steine und Brandsätze gegen Flüchtlinge, Vietnamesen und Polizeibeamte. Die Anwohner applaudierten. Der Ausnahmezustand überforderte alle – Politik, Polizei und auch die Presse.

Hier finden Sie eine Multimedia-Reportage zum Thema. mehr

Verlagshaus Rostock

Richard-Wagner-Straße 1a
18055 Rostock

Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag
9.00 bis 18.00 Uhr

Leiter Lokalredaktion: Andreas Meyer
Telefon: 03 81 / 36 54 10
E-Mail: rostock@ostsee-zeitung.de

Beilagen
Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
RSS-Feeds

Wissen, was in Rostock und der Welt los ist

DCX-Bild
Frau auf Gehweg von Auto tödlich erfasst

Am Dienstagmorgen wich ein Autofahrer einem entgegenkommenden Wagen auf einer Kreuzung in Rostock Lütten Klein aus, verlor die Kontrolle und erfasste eine Fußgängerin auf dem Gehweg.