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Rostock Kreistag auf dem Rollfeld: Airport fliegt höhere Verluste ein
Mecklenburg Rostock Kreistag auf dem Rollfeld: Airport fliegt höhere Verluste ein
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00:00 28.03.2014
Kein alltägliches Bild: 2013 gab es 97 Tage, an denen keine Passagiermaschine in Rostock-Laage landete oder startete. Quelle: Lutz Bongarts

Als die Mitglieder des Kreistages auf das Rollfeld des Flughafens Rostock-Laage gehen, lassen sie ihre Blicke schweifen: Sie halten Ausschau nach einem Flugzeug — an diesem späten Nachmittag ist aber keine einzige Passagiermaschine zu erblicken. „Können Sie garantieren, dass sich das ändert und Sie die geforderten Passagierzahlen bis 2017 erreichen können“, fragt Helmut Precht (Freie Wähler). Flughafenchef Carsten Herget muss zugeben: „Ich kann keine Garantien abgeben — wenn ich das könnte, würde ich sofort Lotto spielen.“ 640 000 Euro schießt der Landkreis jährlich in den defizitären Flughafen. Viel Geld — angesichts der klammen Kassen.

„Es gab eine Anfrage aus dem Kreistag. Die Mitglieder wollten erfahren, wie es mit dem Flughafen weitergeht“, erläutert Herget den Hintergrund der Informationsveranstaltung. Knapp 20 der insgesamt 69 Abgeordneten folgten der Einladung. „Ich finde es schade, dass nur so wenige Kreistagsmitglieder das Angebot wahrgenommen haben, denn hier hat man die Möglichkeit, direkt nachzufragen und sich nicht Informationen über Dritte zu beschaffen.“

Was die Politiker erfahren, erstaunte nicht: Seit Jahren schreibt das Prestige-Objekt rote Zahlen — so auch für das vergangene Geschäftsjahr. „Wir rechnen für das Jahr 2013 mit rund 2,59 Millionen Euro Verlust“, erklärt Herget. Zum Vergleich: Im Jahr 2012 hatte der Flughafen noch 2,49 Millionen Euro Miese eingefahren. Herget betont zudem, dass in 2014 „kaum mit Wachstum zu rechnen ist“. Heißt:

Die Passagierzahlen werden nicht signifikant steigen.

Doch genau hier liegt das Problem: Das Land Mecklenburg-Vorpommern hat seine Zahlung von jährlich einer Million Euro an die Bedingung geknüpft, dass bis 2017 mindestens 250 000 Passagiere in Rostock-Laage abgefertigt werden. Im vergangenen Jahr reisten nach Hergets Worten 177 000 Fluggäste ab Rostock-Laage. „Durch die Insolvenz zweier Fluggesellschaften sind die Zahlen eingebrochen. „Uns fehlen 46 000 Passagiere, die wir ursprünglich eingeplant hatten“, meint der Flughafen-Chef, der jährlich mit insgesamt 2,8 Millionen Euro an Zuschüssen aus Steuermitteln rechnen kann.

Herget verweist in seinem Vortrag darauf, dass seit seinem Antritt vor 18 Monaten „viel erreicht“ worden sei. Kosten seien gesenkt, neue Einnahmefelder wie ein Crew-Shop erschlossen oder das Schulungsangebot vergrößert worden. „Das ist ja alles gut — doch das sind doch nur Peanuts“, hält Klaus-Michael Bull von Bündnis 90/die Grünen dagegen.

Seine Fraktion hatte zuletzt im Landtag eine Anfrage gestellt, an wie vielen Tagen keine Linien- oder Charterflüge auf dem Flughafen Rostock-Laage landeten oder starteten. Jetzt gab es die Antwort der Landesregierung: „Im Jahr 2013 starteten und landeten flugplanmäßig an 97 Tagen keine Linien- oder Charterflüge auf dem Flughafen Rostock-Laage.“

Herget blickt unterdessen voraus: „Im Mai sprechen wir in großer Runde mit der Lufthansa.“ Das Ziel: Eine Verbindung nach Frankfurt. „Das wird aber allein wegen der Kosten schwer“, sagt er. Zudem sei geplant, dass es kommendes Jahr wieder eine Verbindung nach Zürich geben soll. Der Flughafenchef hebt hervor: „Der Flughafen selbst kann nicht fliegen — es liegt an den Fluggesellschaften. Wir sind quasi nur der Bahnhof oder die Haltestelle.“

Langfristige Landesaufgabe
Vier Jahre hat sich das Land Mecklenburg-Vorpommern aus seiner Verantwortung gekauft — mit der Finanzspritze von jährlich einer Million Euro wird der Flughafen Rostock-Laage bis 2017 unterstützt. Die Finanzierung des defizitären Prestige-Objekts ist damit vorerst gesichert, zumal der Landkreis sowie Rostock und Laage zusammen noch einmal 1,8 Millionen Euro zuschießen. Eine Dauerlösung ist das nicht.
Will das Land solch einen großen Flughafen, muss es in Zukunft auch die Kosten tragen. Und zwar allein. Denn: Aus den freiwilligen Leistungen des Landkreises von drei Millionen Euro fließen 640 000 Euro in den Flughafen. Viel Geld, das beispielsweise in die Reparatur der Kreisstraßen fließen könnte. Das würde die Mobilität der Menschen deutlich mehr voranbringen.



Karsten Lehmann

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