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Krimi-Autor lässt den Machetenmann auf Rostock los

Lütten Klein Krimi-Autor lässt den Machetenmann auf Rostock los

Eine Familie im Plattenbau an der Rigaer Straße: auf dem Tisch Chips, Reste von Kartoffelsalat, eine Limo-Flasche, der Kristallascher voll mit Kippen. Davor zwei Kinder, ruhiggestellt mit einem Zeichentrickfilm.

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Die Wohnung in einem der Hochh�user an der Rigaer Stra�e ist Tatort im Ostsee-Krimi.

Quelle: Fotos: Ove Arscholl, Enrico Eisert

Lütten Klein. Die Eltern, Anfang 20. Sie verfettet und träge, er ein Muskelmann, Wikingerkreuz und tiefrotes Herz mit dem Schriftzug „Vanessa“ auf die Arme tätowiert.

Ein Szenario, wie es sich Krimi-Autor Frank Goyke ausmalt, wenn er zum Stichwort „bildungsfern und sozialschwach“ fabulieren soll. Goykes Figuren Vanessa und Pascal, ein „Leistungsempfänger-Ehepaar“

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Mit 18 wollte ich nur weg aus Rostock und in der größten Stadt der Welt leben. Das ist vorbei.“Autor Frank Goyke (51)

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aus Lütten Klein, feiern ihren Auftritt im aktuell dritten Ostsee-Krimi des 51-Jährigen. Nur als Randfiguren in „Mörder im Chat“, in dem eine Rostockerin vor den Augen ihrer in Basel vor dem Monitor sitzenden Chat-Bekanntschaft per Machete geköpft wird.

„Klar, das Plattenbau-Pärchen wird einigen hart als Klischee aufstoßen“, sagt Goyke. „Vielleicht auch die an der Flasche hängende Kriminalistin, die mit dem Entzug kämpft. Davon lasse ich mich nicht beeindrucken.“ Der gebürtige Rostocker, seit Jahrzehnten im Berliner Wedding zu Hause, beruft sich auf eigene Erfahrungen. „Ich betreue ehrenamtlich psychisch Kranke.“ Abgründe sehe er dabei täglich.

„Letztlich gibt es solche Familien überall — im Osten wie im Westen.“ Trotzdem, nicht dem großen Ganzen widmet sich Goyke. Das Regionale hat der Autor im Visier.

Spürbar bei den ausführlichen lokalen Beschreibungen. „Nicht-Rostocker ärgern sich oft darüber.“ Anders die Bücherwürmer in der Hansestadt. Details aber müssen stimmen. Wikipedia und Google Maps reichen da nicht aus. Immer wieder macht sich Goyke von Berlin auf den Weg nach Rostock. Stoppt am Stadthafen, vor den Neubauten an der St. Petersburger Straße oder macht einen Abstecher nach Evershagen — Schauplätze der Handlung. Abgase in der Luft will er schnuppern, will die Laster zählen, die Stadtreiniger beim Putzen sehen. Recherche vor Ort? Für Goyke ein Heimspiel. Fünf-, sechsmal im Jahr sei er sowieso in Rostock. „Um Verwandte und meine Mutter zu besuchen.“ Die unterstütze ihren seit 1991 in der gedruckten Fiktion mordenden Sohn leidenschaftlich. „Sie archiviert für mich die Regionalzeitungen. Die OSTSEE-ZEITUNG.“

Welches Thema die Menschen an der Warnow bewege, wisse er genau, sagt Goyke. Wenn auch zeitversetzt. Stichwort Volkstheater. „Ein unsäglicher Streit.“ Goyke spuckt die Worte im Sekundentakt aus: „Da schwillt mir der Hals.“ Gefühlt diskutierten die Würdenträger das Problem ja schon seit 25 Jahren. „Eine Stadt mit 200 000 Einwohnern und kein Theater? Unmöglich.“ Die Kultur ist nach Goykes Einschätzung die Achillesferse Rostocks. „Obwohl die Stadt einiges zu bieten hätte, verstaubt vieles im Depot.“ Die Enge im Kulturhistorischen Museum schrecke ihn ab. Auch, was gezeigt werde. „Die Zahl der Leute, die beim Anblick der dort gezeigten Pokale und Schalen entflammt sind, dürfte relativ gering sein.“ Stiefmütterlich werde auch das Schifffahrtsmuseum behandelt — von der Stadt.

„Bitter, weil so viel Ehrenamt und Engagement drinsteckt“, sagt er.

Und sinnt über den Folgekrimi. „Wieder mit den Kommissaren Jonas Uplegger und Barbara Riedbiester.“ Dem Witwer wolle er endlich zum Liebesabenteuer verhelfen. Schuld sei das viele Material, mit dem ihn Gerald Tuschner, Chef des Schulcampus Evershagen, versorgt habe. „Konnte ich im aktuellen Band alles gar nicht verwerten. Da gibt es einen Nachschlag.“ Und den von Herzen: „Ich bin hier zur Schule gegangen. Damals hieß die noch 2. EOS, später wurde sie nach Richard Sorge benannt.“

Lesung in Warnemünde
Zur Lesung „Mörder im Chat“ mit Autor Frank Goyke wird am 18. April um 19 Uhr in der Buchhandlung „Krakow Nachfolger“, Kirchplatz 11, eingeladen. Der Eintritt kostet neun Euro.

In der Reihe „Ostseekrimi“ des Verlags Hinstorff sind von Frank Goyke bereits „Mörder im Zug“ und „Mörder im Gespensterwald“ erschienen.

Infos unter www.hinstorff.de

Katrin Starke

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