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Rostock Kühe lieben Luftdusche und Klauenbad
Mecklenburg Rostock Kühe lieben Luftdusche und Klauenbad
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00:00 28.07.2018
Dummerstorf

„Die Wohlfühltemperatur von Kühen liegt bei zehn bis 15 Grad“, sagt Olaf Tober von der Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei (LFA) in Dummerstorf. Daher würden sie in diesen heißen Tagen besonders leiden. Vor drei Jahren hat der wissenschaftliche Mitarbeiter der LFA in einem Praxisbetrieb entsprechende Untersuchungen gemacht und festgestellt: „Kühe mögen es weder nass noch heiß“.

Klaus Parr, Betriebsleiter im Gut Dummerstorf, bei den Milchkühen, die dank Ventilatoren ein angenehmes Klima im Stall vorfinden. Quelle: Foto: Ove Arscholl

In einem Milchviehbetrieb in Dummerstorf konnte eine Herde von Milchkühen einige Monate lang freiwillig und ganztägig einen Auslauf auf einer Wiese direkt am frei gelüfteten Stall nutzen. Jedes Tier hätte rund 50 Quadratmeter Auslauffläche zur Verfügung gehabt, allerdings ohne großen Sonnenschutz. Über Videoaufzeichnungen hat Tober festgestellt, dass die Kühe vor allem nachts im Auslauf waren, zum Schlafen. Bei Regen hatten sie indes gar keine Lust, den schützenden Stall zu verlassen und hinauszugehen. Im Ergebnis der Studie empfiehlt Tober: Schattenspender und eine Kuhdusche im Auslauf.

Von Duschen hält Klaus Parr, Betriebsleiter des Gutes Dummerstorf, wo die Untersuchung stattfand, gar nichts. „Das ist wie bei den Menschen“, erklärt er. „Bei dieser Hitze möchte man ewig unter der Dusche stehen, das würden die Kühe dann auch gern.“ Zudem möchte er verhindern, dass sich die Tiere nass in die Boxen legen und dann Euterprobleme bekommen.

470 Milchkühe leben im luftigen Offenstall des Dummerstorfer Gutes. Vier große Deckenlüfter laufen rund um die Uhr und verwirbeln die warme Luft. „Wenn Sie ein kühles Plätzchen suchen, müssen Sie in den Kuhstall gehen“, witzelt Parr. Schon ab fünf Grad plus würden die Ventilatoren eingeschaltet, sagt der Landwirt. Für ein angenehmes Klima im Stall.

Lüftungsanlagen würden in diesen heißen Tagen von den Bauern am häufigsten in Ställen eingesetzt, weiß Forscher Olaf Tober. Mit dem Luftzug der Ventilatoren würden den Kühen „die Wärmekissen am Körper“ weggerissen. Für Kühe, die auf der Weide stehen, sollten unbedingt Schattenmöglichkeiten geschaffen werden. „Wenn keine Bäume vorhanden sind, sollten Schutzdächer aufgestellt oder Sonnensegel gespannt werden“, rät Tober. Und die Tiere brauchen Wasser, Wasser, Wasser.

Zwischen 75 und 150 Liter saufen die Kühe im Schnitt. „Derzeit nehmen sie die Obergrenze“, stellt Klaus Parr bei seinen Schützlingen fest. Auch Milchbauer Harmen Jan Weijs aus Groß Stove bemerkt bei seinen Tieren: „Sie stehen fast nur an der Tränke.“ Die Hitze mache den Milchkühen arg zu schaffen. Zum Glück sei der Stall in Groß Stove sehr hoch und stehe frei. „Da weht es immer mal wieder durch“, ist Weijs froh, der 260 „Kühe in Milch“ hat. Die freuen sich dieser Tage auch über eine besondere Wellnesseinrichtung: „Das Klauenbad ist sehr beliebt, kühle Füße, das gefällt den Damen“, erzählt Weijs.

Im Agrarbetrieb Groß Grenz leben 450 Milchkühe am Standort Benitz in modernen, hellen Offenlaufställen. „Alle Jalousien sind auf, damit der Wind durchwehen kann“, sagt Chefin Kathrin Naumann. Lüfter oder Duschen stehen nicht zur Verfügung. Vom Melkstand würden die Kühe auf dem Weg zum Laufstall immer wieder an den Tränken vorbeigetrieben, damit sie sich hier ausreichend bedienen.

Der Agrarbetrieb hält auch Mastschweine und Zuchtsauen. „Die leiden noch mehr unter der Hitze“, betont Naumann. Hier würden die Tiere mit Wasser besprüht, ebenso die Böden im Stall, damit eine Verdunstungskälte aufsteigt. Besonders umsorgt werden die ferkelnden Sauen im Stall in Klein Grenz. „Eine Geburt bei 30 Grad und mehr ist unangenehm“, sagt Naumann, deshalb würden den Sauen derzeit nasse Badetücher auf den Leib gelegt, damit sie sich wohler fühlen.

Olaf Tober von der Landesforschungsanstalt ist froh: Die Viehhalter unternehmen viel in ihren Ställen, um das hitzebedingte Leiden der Tiere zu lindern.

Doris Deutsch

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