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Rostock Nachfrage nach frischem Fisch ist groß
Mecklenburg Rostock Nachfrage nach frischem Fisch ist groß
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11:00 19.01.2019
Das Gruppenfoto mit den Fischern aus Arendsee (heute Kühlungsborn West) entstand um 1900. Quelle: Sammlung Wolfgang Baade
Kühlungsborn

In Mecklenburg wurden im Jahre 1895 an der Ostseeküste insgesamt 314 Fischer und 107 Gehilfen registriert. Im Jahre 1907 war die Zahl der selbständigen Fischer auf 421 und die der Gehilfen auf 142 gestiegen. Um 1900 fischten in den beiden Dörfern Brunshaupten und Arendsee (ab 1938 Kühlungsborn) insgesamt 40 Personen. In Alt Gaarz (ab 1938 Rerik) waren es 28 Fischer, die je nach Wetterlage im Salzhaff oder in der Mecklenburger Bucht ihrem Gewerbe nachgingen. Sie besaßen 15 Zeesen (8 bis 9 Meter lang) und 4 Kieljollen (Strandboote von 5 bis 6 Meter Länge). Auf Wustrow fischten auf der gleichnamigen Halbinsel vier Personen mit zwei offenen Booten, die auch über eine Besegelung verfügten. Acht Jahre später wurden für Alt Gaarz 18 hauptberufliche und 7 nebenberufliche Fischer aufgeführt. Die Zahl ihrer Boote betrug 27, davon waren 16 Zeesen. Auf der Halbinsel Wustrow hatte sich im gleichen Zeitraum die Zahl der Fischer auf zwei verringert. In Meschendorf waren 6 Fischer tätig, die mit 3 offenen Booten fischten. Auch im Dorf Roggow am Salzhaff ist im Jahr 1901 ein Fischer vermerkt, der lediglich einen Kahn für seine Tätigkeit nutzte. Hauptgrund für das Anwachsen des Fischereigewerbes war die gestiegene Nachfrage nach Seefischen im Binnenland und in den Küstenorten. Die Fischerei bot eine Chance, sich eine eigene Existenz aufzubauen.

Die Küstenfischerei wurde mit kleinen, offenen Booten betrieben. Das Foto entstand um 1905 am Strand von Arendsee (heute Kühlungsborn West). Quelle: Sammlung Wolfgang Baade

Die Küstenfischer betrieben mit ihren kleinen Booten, den Halbjollen, auf der offenen See ihr Handwerk. Häfen für die Fischerei gab es kaum. Nach der Rückkehr vom Fang zogen die Fischer ihre Boote einfach auf den Strand. Die Fischerei wurde in der Familie von Generation zu Generation weitergegeben, wie beispielsweise bei den Arendseer Familien Wünsch und Westendorf. Gewöhnlich ging ein Sohn nach der Konfirmation beim Vater oder einem bekannten Fischer „in die Lehre“ – eine geregelte Ausbildung bestand bis Ende der 30er-Jahre des 20. Jahrhunderts nicht. Anschließend arbeitete der Junge als Gehilfe oder als Mitfischer des Vaters oder eines anderen Fischers. Selbstständig war er schließlich, wenn er ein eigenes Boot und eigenes Fanggerät erworben hatte, meist durch Übernahme des väterlichen Betriebes oder eines anderen Fischers. Der eigentliche Fischfang war Domäne der Männer. Die Ehefrauen halfen beim Verkauf des Fanges, bei seiner Weiterverarbeitung und beim Ausbessern der Netze. Fischer galten als Kleinunternehmer, bei denen hauptsächlich die Familienangehörigen mitarbeiteten.

Gefischt wurde nach dem Prinzip der Anteilfischerei. Danach erhielt der Gehilfe oder Mitfischer keinen festen Tageslohn, sondern war mit einem Drittel am Fang beteiligt. Ein Drittel des Erlöses legte man für Investitionen (Boot und Fanggerät) zurück. In den Küstendörfern nannte man es: „Fischen up `n Drüddel". Die Küstenstruktur der Mecklenburger Bucht bestimmte die Entwicklung und Art der Fischerei. An der Flachküste war die Strandfischerei unkompliziert. Dagegen gestaltete sich an der Steilküste vor Meschendorf, vor der Halbinsel Wustrow und auch vor Nienhagen die Fischerei ungleich schwieriger. West- und Nordweststürme sowie starke Strömungen an der Bukspitze beeinträchtigten die Fischerei in diesem Küstenabschnitt beträchtlich. Das beeinflusste den Bootsbau und die Art der Fischerei. Größere Boote waren hier unpraktisch, jedoch die kleinen, offenen mit einer zweiköpfigen Besatzung ließen vorrangig Stellnetz-, Korbreusen- und Angelfischerei zu. Schleppnetzfischerei war mit den kleinen Boote nicht möglich. Zum „Fanggut" der Fischer gehörten auch Wildenten. Sie wurden von den Fischern besonders im Winter erbeutet. Ihr Fang geschah meist mit Netzen, die an muschelreichen Stellen im flachen Wasser mit starker Beschwerung senkrecht aufgestellt wurden, so dass sich Enten beim Tauchen darin verfingen.

Die Anzahl der Fangtage und der Fang hingen stark vom Wetter ab. Hering und Aal gab es nur saisonbedingt. Oftmals musste im Winter, verursacht durch Sturm oder Eisgang, das Fischen mit Netzen ganz eingestellt werden. Fischer in Nienhagen konnten aufgrund widriger Wetterverhältnisse oft nur an 50 bis 100 Tagen pro Jahr Fischfang betreiben, während dies im Ribnitzer Binnengewässer an etwa 200 Tagen möglich war. Von Oktober bis März verwendete man Dorschnetze, wobei oft ein Gebiet mit Ledderingsnetzen abriegelt wurde, in dem die Fischer nachts „plumpten“, vorwiegend mit Holzknüppeln hineinschlugen, um die Dorsche in die Netze zu treiben, was eigentlich längst gesetzlich verboten war. Die Sommerfischerei galt als wenig ertragreich. Sie brachte zwar viel Fisch, doch dessen Vermarktung und Weiterverarbeitung waren wegen mangelnder Kühlmöglichkeiten Grenzen gesetzt. Absatzmärkte fanden die Fischer für ihre schnell verderbliche Ware im Sommer meist nur in der direkten Umgebung von Brunshaupten, Arendsee, Börgerende und Alt Gaarz – in Hotels, Pensionen oder Gastwirtschaften sowie bei Gutsbesitzern und Bauern. Die Wege zu den umliegenden Dörfern und den Städten Kröpelin und Neubukow waren beschwerlich, kaum verkehrstechnisch ausgebaut. In der kühlen Jahreszeit fuhren Fischer aus Arendsee und Brunshaupten oft mit Hundegespannen vor einem einrädrigen Fischerkarren weite Verkaufstouren in die umliegende Region. Mitunter sogar bis nach Rostock.

Jürgen Jahncke

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