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Rostock Mit der Kamera auf die Theaterbühne
Mecklenburg Rostock Mit der Kamera auf die Theaterbühne
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02:05 01.08.2014
Im Volkstheater wurde über zwei Tage der Kurzfilm „Aureole“ gedreht. Die Hauptdarstellerin ist Kinga Schmidt (l.). Quelle: Nele Reiber
Kröpeliner-Tor-Vorstadt

Eine schöne Frau steht auf der Bühne im Großen Saal des Volkstheaters. Plötzlich nimmt sie einen Stuhl und schleudert ihn in die Kulisse. Dann geht sie langsam bis an den Bühnenrand und flüstert: „Manchmal...“. Diese Szene wird einen kleinen Bruchteil des Kurzfilms „Aureole“ ausmachen, der seit zwei Tagen im Volkstheater Rostock gedreht wird.

Hinter dem ganzen Projekt steht die Filmemachergruppe „Rostocker Schule“. Als Kooperationsarbeit zwischen der Hochschule für Musik und Theater (HMT) und dem Institut für neue Medien (IFNM) gibt dieses Filmprojekt den Studenten der HMT die Möglichkeit, direkt an einem professionellen Set erste Erfahrungen zu sammeln. „Unser Anspruch an das Projekt ergibt sich schon aus dem Namensbestandteil Schule. Wir wollen Leuten, die noch nicht so viel Erfahrung haben, dabei helfen zu Lernen“, erklärt Andre Spilker, festes Mitglied der „Rostocker Schule“ und Produktionsleiter beim Dreh von Aureole.

In den letzten Semestern des HMT-Kurses FilmSpiel werden die Studenten unter die Fittiche der Rostocker Schule genommen und können an den Produktionen mitwirken. 16 ständige Mitglieder, drei Produktionsfirmen und ein Netz aus circa 50 Filmschaffenden produzieren so seit 2011 pro Jahr vier Kurzfilme. Im vergangenen Jahr stand für die Filmemacher das Thema „Krank“ als Leitmotiv über allen Drehbüchern. „Wir haben die Filme in einem Trakt der Universitätsmedizin gedreht“, berichtet Spilker. So entstanden im Jahr 2012 das düstere Psychodrama „Wassermann“, die Komödie „Wachraum“, der Horrorthriller „Maschine“ und Dystopie „Nexus“. Im aktuellen Produktionsjahr werden jedoch nur drei Kurzfilme gedreht. „Das Drehbuch für den vierten Film war einfach nicht rechtzeitig fertig“, sagt Spilker, fügt aber hinzu, dass der Dreh nachgeholt werde. Neben einer Groteske und einem Improvisationsfilm zum Thema Überwachung entsteht in diesem Jahr auch ein experimentelles Drama unter der Regie von Thomas Wüstemann. „Bei Aureole geht es um Asa, eine Schauspielerin, die früher schlechte Erfahrungen gemacht hat. Nun hat sie große Probleme damit, Nähe zuzulassen“, verrät Wüstemann. Um mit sich selbst zurechtzukommen, flüchtet Asa sich in die Vorstellung, eine Gottheit zu sein, erzählt der Regisseur weiter. Weil Asa Schauspielerin sei, brauchte es für den Film eine Szene mit Theaterbühnen. „Wir haben uns in Rostock einige Bühnen angeschaut. Dabei wuchs immer mehr der Traum, im Volkstheater zu drehen“, sagt Wüstemann. Und trotz sehr kurzfristiger Anfrage und Sommerpause im Theaterbetrieb machten der Intendant Sewan Latchinian und seine Mitarbeiter den Dreh möglich. „Das ist der neue Rhythmus des Volkstheaters: Schnell“, sagt Sewan Latchinian, der ab September die Leitung des Volkstheaters übernimmt. Zur Eröffnung des Festivals im Stadthafen (FiSH) im kommenden Jahr werden die Filme im Katharinensaal der HMT Premiere feiern.

Kulturelle Kooperation
Die Rostocker Schule lebt zum einen vom Enthusiasmus der Autoren und Filmemacher, wird aber aus finanzieller Sicht durch mehrere kulturelle und wirtschaftliche Förderer ermöglicht.
Ihr Budget erhält die Rostocker Schule zum einen von den Kooperationspartnern Institut für neue Medien und Hochschule für Musik und Theater, aber auch von staatlichen Einrichtungen, wie dem Filmbüro MV und Sponsoren aus der Rostocker Wirtschaft und Industrie. Neben dem schulischen Filmdreh produziert die Rostocker Schule auch Auftragsarbeiten, wie im vergangenen Jahr die Internet-Seifenoper „Stürme des Wissens“.



Nele Reiber

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