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Nach DDR-Doku: Wieder vor der Kamera

Warnemünde Nach DDR-Doku: Wieder vor der Kamera

Britta Kitzerow-Klakow hat als 20-Jährige im Film „From Marks and Spencer to Marx und Engels“ mitgewirkt.

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Die ehemalige Fischverarbeiterin Britta Kitzerow-Klakow ist heute Tagesmutter. An die Dreharbeiten 1986 für die DDR-Doku kann sie sich noch gut erinnern.

Quelle: Ove Arscholl

Warnemünde. Mehr als 25 Jahre ist es her, dass Britta Kitzerow-Klakow in einem Film zu sehen war. Jetzt tritt sie wieder vor die Kamera. Für die Fortsetzung der 1986 gedrehten Dokumentation „From Marks and Spencer to Marx und Engels“. Der Film bildet den Alltag in der DDR ab, zeigt die Arbeit der Kranführerinnen und Mitarbeiter der Fischereiproduktionsgenossenschaft in Warnemünde.

Damals wurde er als zu drastisch empfunden — die Dokumentation wurde zensiert und nicht mehr gezeigt (die OZ berichtete). Anfang September kehren die Filmemacher nun für Probeaufnahmen ins Ostseebad zurück. Neben Kitzerow-Klakow suchen sie weitere Protagonisten vom ersten Anlauf.

Mit Zigarette in der Hand erzählt die 20 Jahre alte Britta in einer Szene, warum sie in der Genossenschaft ist: kurze Wege zur Arbeit, Nähe zur Familie. Im Hintergrund läuft deutscher Schlager. Die Frauen nehmen Fische aus, spießen sie auf. „Es war aufregend, im Film mitzuwirken, eine totale Abwechslung“, sagt Kitzerow-Klakow. Doch die Angst, etwas Falsches zu sagen, war während der Dreharbeiten ihr ständiger Begleiter. Angst davor, Nachteile zu erleiden, wenn man zu kritisch ist. „Man wusste, man musste im Land bleiben, sein Leben hier gestalten“, sagt die heute 47-Jährige. „An die Wende hat man nicht gedacht.“ Der Film gibt Einblicke in Kitzerow-Klakows Leben. Tochter Anna ist ein Jahr alt. Mit ihrem Mann und dessen Vater wohnt sie in einer Fünfzimmerwohnung in Lichtenhagen.

Die Dreharbeiten brachten Abwechslung vom Alltag: Arbeit, Einkaufen, Kindererziehung, Haushalt. „Das Filmteam hat uns, glaube ich, auch bewundert, weil wir als junge Frauen so einen harten Tag hatten“, so die Tagesmutter.

Wenn sie sich heute den Film anschaut, kommt sie aus dem Lachen gar nicht mehr heraus, amüsiert sich über die Tapeten an der Wand und die rosafarbenen Kittel der Krippenerzieherinnen in den 80er Jahren. An die Einkaufsszene kann sich die 47-Jährige noch gut erinnern. Gedreht wurde in der HO-Kaufhalle. „Dafür hat der Filialleiter extra Blumenkohl anfahren lassen. Das Fleisch haben sie mit Petersilie dekoriert“, erinnert sie sich und lacht. Das Filmteam kam zu spät, die Kunden griffen zu. Der Filialleiter musste alles wieder ins Lager schaffen, damit für den Dreh noch genügend in der Auslage liegt. „Das war so herrlich“, erinnert sie sich.

Warum das Material zensiert wurde, kann die vierfache Mutter nicht sagen. „Ich fand den Film nicht kritisch“, sagt sie und freut sich, bald einige aus dem Team von damals wiederzutreffen. Unter dem Titel „Unzensiert“ soll jetzt die Fortsetzung gedreht werden.

„Wir haben bis auf zwei oder drei Leute eine ganze Menge ehemaliger Protagonisten gefunden“, sagt Beatrix Wuppermann, Kooperationspartnerin von Amber Films. Zusammen mit den englischen Filmemachern kommt sie Anfang September nach Warnemünde. „Wir wollen erste Probeaufnahmen machen, passende Drehorte suchen und die Stoffentwicklung vorantreiben“, sagt Wuppermann. Die ehemaligen Darsteller sollen von ihrem Leben seit der Wende erzählen. Mit Zigarette in der Hand wird sich Britta Kitzerow-Klakow nicht mehr filmen lassen. „Ich rauche nicht mehr“, sagt sie. „Damals war das Mode, da gab es noch keine Prävention.“ Ihren Kaffee trinkt sie aber noch wie damals: türkisch.

Mitwirkende von 1986 gesucht
Ehemalige Darsteller der Dokumentation „From Marks and Spencer to Marx und Engels“ sucht noch Beatrix Wuppermann, Kooperationspartnerin von Amber Films. Vor allem aus der

Fischereiproduktionsgenossenschaft (FPG) fehlen noch Mitwirkende, die sich unter ☎ 0179/209 45 79 melden können. Die FPG war ein Zusammenschluss aus Fischern und wurde 1955 in Warnemünde gegründet. Darin

arbeiteten bis zu 120 Fischer.

 

Anja Levien

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