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Rostock Neue Gastführer sind auf Kurs
Mecklenburg Rostock Neue Gastführer sind auf Kurs
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00:00 13.03.2014
Geben bald ihre ersten Führungen (von hinten links): Gerd Sobotka, Barbara Klüver, Katrin Gärtner, Bieny von Maltzan, Vorsitzender Klaus Armbröster und Stellvertreterin Helmtraud Spielmann sowie (vorne) Marian Löbler, Monika Schweniger und Gundula Pensky. Quelle: Fotos: Ove Arscholl/Anja Levien
Stadthafen

Ein Stadthafen ohne Schiffe — für die Stadtführer von Rostock eine Katastrophe. Sie wollen das Traditionsschiff im Stadthafen sehen. Das hat Klaus Armbröster, Vorsitzender des Rostocker Stadtführervereins, auf der gestrigen Hafenrundfahrt deutlich gemacht. Auf dieser wurden sieben neue Gastführer in den Verein aufgenommen.

Eine von ihnen ist Gundula Pensky. Die 62 Jahre alte Rentnerin hat nach Ende des Berufslebens nach einer Beschäftigung gesucht. Mehrere Monate stellte sie sich der theoretischen und praktischen Ausbildung, ließ sich in Rhetorik schulen und in die Geschichte der Stadt einweisen. „Ich musste erst mal lernen, wieder zu lernen“, sagt sie und lacht. Vor Leuten zu sprechen, fällt ihr nicht schwer. „Ich bin selbst von mir überrascht“, sagt die Warnemünderin, die jetzt zertifizierte Gastführerin ist — nicht nur für Rostock, auch fürs Umland. Ob auf Fischland-Darß-Zingst, in Stralsund oder Bad Doberan, auch als Reiseleitung sind die Führer gefragt.

Seit 2008 ist Constanze Stuchly Stadtführerin, aus „Lust an der Freude“, wie sie sagt. Zwischen 30 und 50 Führungen gibt sie im Jahr neben ihrer Arbeit. „Ich liebe meine Stadt, aber manchmal ist man traurig über Entscheidungen, die getroffen werden“, sagt die 48-Jährige. Gerade solche, die negative Auswirkungen auf Rostock haben — wie der Weggang der „Georg Büchner“ und des Eisbrechers „Stephan Jantzen“. „Das ist eine Katastrophe. Was soll ich da über den Stadthafen noch erzählen.“ Eine der häufigsten Fragen, die Besucher stellen: Warum liegen keine Schiffe im Stadthafen?. „Die Leute sind enttäuscht“, weiß Vorsitzender Klaus Armbröster. „Für die Masse wäre es besser, wenn das Traditionsschiff im Stadthafen liegt“, fügt Gastführer Volker Kreutzfeldt hinzu. „Die Besucher kommen mit dem Bus bisher nicht direkt zum Schiff. Sie müssen durch den Iga-Park laufen. Da machen Gruppen im Alter von 60 plus nicht mehr mit“, sagt er.

Neben öffentlichen Führungen bietet der Verein in Zusammenarbeit mit der Tourismuszentrale auch spezielle Führungen zu Themen wie beispielsweise Backsteingotik oder zur Hanse an. „Ich führe gerne in Warnemünde. Ich mag das Flair und man kann so viele Geschichten erzählen“, sagt Stuchly. Stadtführerin ist sie unter anderem geworden, weil sie ein schlechtes Erlebnis mit einem Führer auf Lanzarote hatte. „Mir macht es Spaß, die Stadt zu zeigen.“ Ein Höhepunkt ist für die Evershägerin immer noch, wenn sie in der Marienkirche die astronomische Uhr vorstellt. „Die wenigsten wissen, dass die Uhr das älteste gangbare Uhrwerk der Welt hat“, erzählt sie.

Als Stadtführerin lernt sie auch immer was dazu. Rostock verändert sich — und somit auch die Führungen. In diesem Jahr wird beispielsweise der neu gestaltete Eingangsbereich des Uni-Hauptgebäudes mit der Plastik der Göttin Metis sowie die Schatzkammer und der umgestaltete Hof in das Programm mit aufgenommen, informiert Armbröster. Zudem arbeitet der Verein zusammen mit der Universität zurzeit an einer Führung, bei der alle Unigebäude am Uniplatz besichtigt werden können.

Führung für guten Zweck
Seit 1999 gibt es in Deutschland den Weltgästeführertag, der im Februar gefeiert wird. In Anlehnung an diesen findet am Sonnabend, 22. März, der Hansegästeführertag unter dem Motto „Rostock — Stadt am Meer“ statt. Zehn Gastführer vom Rostocker Städteführerverein führen kostenlos für einen guten Zweck durch Rostock und Warnemünde. Die Spenden, die während der Rundgänge eingenommen werden, gehen in diesem Jahr an die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger. Start ist jeweils 11 und 14 Uhr bei den Tourismuszentralen — in Rostock am Uniplatz, in Warnemünde in der Kirchstraße.



Anja Levien