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Politiker im Sprühnebel

Stadthafen Politiker im Sprühnebel

Reiner Kröhnert bietet Kabarett der Extraklasse.

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Stadthafen. Erst zum zweiten Mal gastierte Reiner Kröhnert in Rostock. Sein Empfang? Stürmisch!

Ronald Pofalla erzählt stolz, ihn habe im Gespräch mit der Kanzlerin deren angespeichelter Sprühnebel getroffen. Darauf erwidert der entzückte Peter Hintze: „Du bist ein Begünstigter des Schicksals!“

Was so beginnt, das hat in Kröhnerts Programmen eine lange Tradition, folglich auch in der aktuellen, soeben zur Premiere gereiften Nummer „Mutti reloaded“: Der Mann kennt keine Kompromisse im Umgang mit den Politikern von gestern, heute und mit denen von morgen ganz sicher auch nicht.

Kröhnerts Faustpfand? Erstens seine Stimmenimitationen, dazu die entsprechenden Mimiken. Zweitens sagenhaft gute Texte mit einer unbegreiflichen Logik. Der reinste Wahnsinn. „Vier Monate Vorbereitung“, verrät der Mann, dem Politiker aller Coleur hinter vorgehaltener Hand oder wenigstens vorgeschobenen Fernsehintendanten den kabarettistischen Niedergang wünschen. „Außer die SPD-Legende Hans-Jochen Vogel“, weiß Kröhnert seit seiner Begegnung mit ihm in München.

„In Muttis Universum gibt es viele Trabanten, aber nur eine Sonne“, säuselt Kröhnerts Angie. Vom Balkon herab blickt sie auf ihre gemeuchelten Vasallen: Hintze, Merz, Pofalla. Sie gibt ihrem Getreuen Wolfgang Schäuble („Isch werbe für Chlorhühnle, denn Chlor isch unser Freund“) das Wort.

Und weil Kröhnert sich auch dem Arm und Reich im geistigen Sinne verpflichtet fühlt, geht es auch bergab bei ihm von Michel Friedman bis hinunter zu Bohlen („Zotenbrutstätte des Privatfernsehens“) und Katzenberger („Gibt es Silikon für den Kopf?“) Reiner Kröhnerts Auslassungen sind bitterbös satirisch. Dass sich in einer Zelle der Vorhölle Gerhard Stoltenberg und Erich Honecker zum Bruderkuss nähern und Gerhard „Acker“ Schröder dem Lafontaine die Sarah ausspannen will, gibt es nur bei Kröhnert.

Zweifellos ein Begünstigter des Schicksals! Andreas Golz

 



OZ

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