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Rostock Wenn alles Kult ist, ist nichts mehr Kult
Mecklenburg Rostock Wenn alles Kult ist, ist nichts mehr Kult
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12:48 04.04.2014
Marcel Loko hat die Hirschen Group GmbH mitgegründet und erzählt, dass Kult Spaß mache und man sich den Status „durch Glaubwürdigkeit erarbeiten“ müsse. Quelle: Hirschen Group
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Rostock

Justin Bieber war 16, als ihn der Boulevard „Kult-Bubi“ nannte. Da hatte er gerade seine erste Platte veröffentlicht. Er stand am Anfang, es sollte erst richtig losgehen mit dieser so bizarr explodierten Karriere als Popfigur. Aber immerhin: Er war schon mal Kult.

Kult ist heute schnell etwas. Man wirft mit dem Begriff um sich, als wären die Reserven unerschöpflich. Filme sind Kult, Fußballer, Autos, Kneipen, Sänger, Festivals, Regisseure, Krimis, Erdbeeren mit Senf, Masseure, Partys, Serien – es hört nicht auf.

Und wenn man nicht aufpasst, sind bald auch Gallensteine und Atomunfälle Kult, Drogentherapien und Blutspendedienste. Es ist eine Flut, die Dämme sind gebrochen. Es gibt kein Halten mehr.

Da treibt eine große Gedankenlosigkeit ihr Unwesen, die nur eine Inflation ist und eine Gleichmacherei. Wenn alles Kult ist, ist nichts Kult. Dann hat es sich erledigt. Wo man die Dinge zu etwas Besonderem machen will, raubt man ihnen den Wert und macht sie beliebig. Kult braucht eine gewisse Dauer. Es reicht ja nicht, etwas kurz aufscheinen zu sehen und es mit dem Begriff „Kult“ zu behängen, weil man der Erste sein will. „Das lässt sich nicht planen“, sagte der Schauspieler Bjarne Mädel, der als „Tatortreiniger“ im Fernsehen „Kult-Tatortreiniger“ ist. Und der „Tatort“ am Sonntag ist auch Kult, wie das Grimme-Institut erklärte.

Marcel Loko hat erzählt, dass Kult Spaß mache und man sich den Status „durch Glaubwürdigkeit erarbeiten“ müsse, und irgendwann ist man so klug wie zuvor. Zumal Kult ja aus der Religion kommt oder einen spirituellen Hintergrund hat. Spätestens wenn im Internet die „10 kultigsten Promigräber“ aufgelistet werden – von Elvis Presley über Che Guevara bis Moshammer – wird es vollends absurd.



Peter Intelmann

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