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Rostock Kunden verteilen gute Noten an die RSAG
Mecklenburg Rostock Kunden verteilen gute Noten an die RSAG
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00:00 16.04.2013
Reutershagen

Die Fahrgäste möchten aus dem Fenster sehen und keine Werbefolie vor der Nase haben. Auch das ist für Jochen Bruhn, kaufmännischer Vorstand der Rostocker Straßenbahn AG, eine Erkenntnis. So umfangreich wie noch nie ließ das Unternehmen die Kunden befragen. Wie zufrieden sind die Fahrgäste? Warum nutzen sie den Nahverkehr oder eben nicht und was wünschen die Rostocker in Zukunft? Es gab gute Noten und wichtige Hinweise, wo die RSAG besser werden kann.

Die Ergebnisse seien schon ein Grund, sich mal auf die Schulter zu klopfen, sagt Marketingleiterin Catrin Dumrath in Richtung ihrer Vorstände Jochen Bruhn und Michael Schroeder, in der Chefetage zuständig für die Technik. Insgesamt geben die Fahrgäste der RSAG bei der Zufriedenheit die Schulnote 2,1 — bei der gleichen Befragung 2008 war das noch eine 2,24. Die Zahl der Fahrten am Tag, die Erreichbarkeit der Ziele, Pünktlichkeit, die Anschlussmöglichkeiten, die neuen Automaten oder die Freundlichkeit des Personals bewerteten die Befragten gut und alles besser als vor vier Jahren.

Die ganz großen Veränderungen, wie beispielsweise mit der Straßenbahnerweiterung in den Nordwesten und die Südstadt, stünden nicht mehr an, sagt Vorstand Jochen Bruhn. Er und seine Kollegen konnten durch die Untersuchung aber eine ganze Reihe von Stellschrauben ausgemacht, um die Fahrgäste noch zufriedener zu machen oder neue zu gewinnen — derzeit liegt der Nahverkehrsanteil in Rostock bei 23 Prozent.

Ein großes Thema der Zukunft werden neue Wege sein, um besser zu informieren. Die Abfahrtzeiten in Echtzeit aufs Mobiltelefon oder aufs Tablet genauso wie Hinweise zu Störungen bei Unfällen oder durch das Wetter soll es in absehbarer Zeit geben. Andere Städte hätten mit solchen Dingen bereits experimentiert, erläutert Jochen Bruhn. „Rostock ist dafür zu klein. Wir wollen lieber eine funktionierendes System einführen.“ Das könne noch dauern, aber es kommt, verspricht er.

Für Technikvorstand Michael Schroeder wird die Sauberkeit an den Haltestellen ein großes Thema sein. „In den Fahrzeugen haben wir das Vandalismus-Problem im Griff“, dank der eingesetzten Videotechnik. Auch bei den klimatischen Bedingungen im Fuhrpark erwarten die Kunden Verbesserungen, übrigens das einzige Kriterium, bei dem die Kunden unzufriedener waren als 2008, wo solche Dinge bereits abgefragt wurden. Angenehmere Temperaturen und bessere Luft gebe es bei neuen Bussen und auch von den neuen Bahnen, die ersten kommen in diesem Jahr, verspricht sich Schroeder Verbesserungen.

Für das Marketing nimmt Catrin Dumrath wichtige Erkenntnisse aus der Untersuchung mit, über die Fahrgewohnheiten in den Stadtteilen und in den verschiedenen Altersgruppen. So erstaunt sie beispielsweise, dass 60 Prozent der Fahrgäste in Busse und Bahnen steigen, obwohl sie Auto oder Fahrrad nutzen könnten. Zu langsam, zu umständlich oder schlechte Verbindungen nennen jene als Gründe, die nicht Kunden der RSAG sind. Lediglich zehn Prozent geben den Preis an, berichtet Dumrath. „Das hat uns schon überrascht“, sagt sie.

In jedem Fall liefern ihr die neuen Daten Ansätze, um Zielgruppen gezielter anzusprechen. Besonders die 35- bis 49-jährigen Berufstätigen hat Dumrath im Blick, denn die nutzen zu 45 Prozent das Auto.

Für Jochen Bruhn bedeutet das, dass Schüler, Auszubildende oder Studenten, die vergleichsweise oft Bus und Bahn fahren, bei dem Eintritt ins Berufsleben besonders beachtet werden müssen. Damit sie als Kunden erhalten bleiben, so Bruhn. Zu den abgefragten Themenfeldern hat die RSAG Arbeitsgruppen eingesetzt. Stück für Stück soll an Verbesserungen gearbeitet werden, verspricht Vorstand Bruhn.

Eine absolute Zufriedenheit werde es aber nie geben.

Thomas Niebuhr

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