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Rostock Kunsthalle muss schließen
Mecklenburg Rostock Kunsthalle muss schließen
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00:00 15.09.2018
Jörg-Uwe Neumann zeigt die Elektro-Anlage der Kunsthalle. Sie funktioniert noch, ist aber alt und nimmt viel Platz ein.
Reutershagen

Im nächsten Jahr feiert der Kulturtempel Rostocks Geburtstag: 50 Jahre alt wird die Kunsthalle, der einzige Museumsneubau der DDR, im Mai.

50 Jahre lang wurde das Museum nicht saniert, das rächt sich: Stadt, Land und EU müssen sechs Millionen Euro investieren. Die Societät wird für zwei Jahre Ausweichquartier.

Tu es oder tu es nicht, es gibt kein versuchen.

Yoda Jedimeister

Doch ob das halbe Jahrhundert auch am Schwanenteich gefeiert werden kann, das weiß Kunsthallen-Chef Jörg-Uwe Neumann noch nicht: Denn die Kunsthalle muss schließen. Für zwei Jahre. Grund: Der einstige Vorzeigebau ist an vielen Stellen marode, muss dringend saniert werden. Sechs Millionen Euro will die Hansestadt dafür ausgeben.

„Fünf Jahrzehnte keine Sanierung“

Das Problem der Kunsthalle – Sigrid Hecht bringt es auf den Punkt: „Von außen mag das Gebäude noch top aussehen, drinnen ist aber fünf Jahrzehnte lang nicht viel passiert. Es gab nicht eine Sanierung“, sagt die Leiterin des städtischen Immobilien-Verwalters KOE. Und dann fängt sie an, die Missstände aufzuzählen: Die Energietechnik ist veraltet. Eine zeitgemäße Heiz- und Klimatechnik gibt es nicht, nicht mal eine vernünftige Lüftung. „Die ganze Dachkonstruktion müssen wir ebenfalls anfassen, die ist hinüber. Die Statik ist dauerhaft nicht mehr gegeben.“ Und: Barrierefrei ist die Kunsthalle auch nicht. Der KOE und die Planer hätten viel Arbeit vor sich: „Wir werden die Kunsthalle komplett entkernen müssen. Anders geht es nicht.“ Alle Stromleitungen werden rausgerissen, alle Heizungsrohre ebenfalls. „Diese Arbeiten sind nicht binnen weniger Wochen zu erledigen, dafür brauchen wir rund zwei Jahre“, erklärt Hecht.

Moderner und vielseitiger für die Kunst

Und wenn der KOE schon mal dabei ist, dann wird nicht nur in Erhalt, sondern auch in die Zukunft investiert: „Wir wollen insgesamt sechs Millionen Euro ausgeben und hoffen darauf, dass 4,2 Millionen davon aus Fördertöpfen kommen – aus der Städtebauförderung des Landes zum Beispiel und aus EU-Mitteln für Regionalentwicklung.“ Hecht plant unter anderem den Einbau eines Fahrstuhls – damit alle Gäste auch das Obergeschoss besuchen können. „Auch das Restaurant wird neu gemacht. Moderner, schöner.“ Und außerdem: „Wir bauen einen so genannten Dunkelraum ein. In dem können Kunstwerke besonders inszeniert oder auch mal Filme gezeigt werden. Das alles machen wir, damit die Kunsthalle endlich auch baulich den hohen Ansprüchen genügt, die sie künstlerisch schon erreicht hat.“

Societät wird das

Ausweichquartier

„Natürlich hoffen wir, dass die Arbeiten nicht zwei Jahre dauern, sondern schneller fertig werden“, sagt Kunsthallen-Chef Neumann. Aber: „Grundsätzlich freuen wir uns natürlich sehr darüber, dass die Kunsthalle saniert und fit für die Zukunft gemacht wird.“ Vor allem die Barrierefreiheit sei ein Schritt nach vorne. „Wir wollen die Patina, den besonderen Charme auch nach der Sanierung erhalten. Das ist uns wichtig.“ Dass die öffentliche Hand so viel Geld für die Sanierung ausgibt, sei längst nicht selbstverständlich: Noch vor etwas mehr als zehn Jahren wollte die Hansestadt die Kunsthalle schließen. Heute ist sie wieder das Aushängeschild für zeitgenössische Kunst im Nordosten. „Während der Bauphase werden wir in die Societät an der August- Bebel-Straße ausweichen“, kündigt Neumann an. Entsprechende Gespräche seien bereits geführt worden – mit der Societät und dem Kulturamt: „Wir wollen dort zwei, drei Mal im Jahr Zeitgenössisches zeigen.“

Schaudepot wird

kommende Woche eröffnet

Vor dem Start der Sanierung gibt es für die Kunsthalle aber erstmal einen Grund zum Feiern: Das neue Schaudepot wird Ende des Monats eröffnet. Aktuell verfügt die Kunsthalle über eine Sammlung ostdeutscher und skandinavischer Kunst, die mehr als 10000 Werke umfasst. Darunter vor allem Gemälde, Grafiken und Plastiken. Auf insgesamt 1100 zusätzlichen Quadratmetern in dem hochmodernen Anbau soll diese Kunst gezeigt werden. Mehr als vier Millionen Euro kostet das Depot. „Das ermöglicht uns ganz neue Möglichkeiten für unsere Sammlung. Wir können sie nicht nur unter perfekten Bedingungen lagern, sondern auch zeigen“, sagt Neumann. Der Clou ist die Fassade: Sie soll nachts in verschiedenen Farben leuchten.

Und: Für weitere zwei Millionen Euro soll ebenfalls am Schwanenteich noch ein weiterer Anbau entstehen – für die Werke des Mecklenburger Malers und Objektkünstlers Günther Uecker. „Wir suchen derzeit den perfekten Standort in der Nähe der Kunsthalle. Mit dem Uecker-Kasten würde das Werk eines der weltweit bekanntesten zeitgenössischen Künstler dauerhaft ein Zuhause bei uns bekommen. Das wäre für die Kunsthalle und die Kulturstadt Rostock ein Quantensprung“, sagt Neumann.

Andreas Meyer

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