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Lärm der Straße bleibt größtes Problem

Stadtmitte Lärm der Straße bleibt größtes Problem

Senator und Umweltamt luden zum Spaziergang ein / Im Sommer gibt es neue Zahlen zur Belastung

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Senator Holger Matthäus und Dörte Gerloff aus dem Umweltamt messen am Kanonsberg den Lärm.

Quelle: Fotos: Ove Arscholl, Thomas Niebuhr (2)

Stadtmitte. Vor einigen Tagen gab es den internationalen Tag gegen Lärm, und Krach gibt es auch in Rostock – an vielen Stellen zu viel. Umweltsenator Holger Matthäus (Bündnis 90/Grüne) hatte gestern deshalb zu einem Lärmspaziergang eingeladen – gut ein Dutzend Interessierte gingen die gut 1,5 Kilometer lange Strecke vom Kanonsberg über die Haedge-Halbinsel, Patriotischen Weg bis zu den Wallanlagen mit.

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Senator und Umweltamt luden zum Spaziergang ein / Im Sommer gibt es neue Zahlen zur Belastung

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Krach, der auch krank machen kann, gibt es in Rostock genug. „Es gibt wenige Zeiten, wo es mal ruhiger ist“, kritisiert Patricia Fleischer, aus der Südstadt und denkt dabei an die Nobelstraße. „Von Lärm wird gesprochen, wenn es lästig und gesundheitsschädlich ist“, sagt Senator Matthäus. „Im Fokus stehen Ursachen, Wirkungen und die Bekämpfung von Lärm. Egal ob Straßen- und Schienenverkehr, angrenzende Gewerbegebiete, Sport- und Freizeitlärm, jeder wird in seinem täglichen Leben damit konfrontiert“. Die Erläuterungen dazu überlässt er seinen Fachfrauen aus dem Umweltamt.

Lärm ist nicht gleich Lärm, berichtet Dörte Gerloff. Für Freizeitanlagen wie Spiel- und Bolzplätze und Veranstaltungen wie die Hanse Sail gebe es Richtwerte, nur für Straßenlärm hat die EU verbindliche Grenzwerte festgelegt. Rund 2900 Rostocker müssen aktuell mit krankmachendem Krach von den Straßen leben, ergänzt ihre Kollegin Rieke Müncheberg.

Aktionsplan wird überprüft

Ende 2014 hatte die Stadt in einem Lärmaktionsplan 46 Brennpunkte, wo die Grenzwerte an Straßen überschritten wurden, festgelegt. 2016 kam dann die zweite Stufe zum Schienenverkehr dazu. Jetzt im Sommer wird neu kartiert, berichtet die Mitarbeiterin aus dem Umweltamt. Erst dann ließe sich feststellen, ob die verschiedenen Maßnahmen zu einer Verringerung der Belastung für die betroffenen Rostocker führten. Für den Teil der L 22, der von rund 40000 Fahrzeugen pro Tag meistbefahrenen Straße in Rostock, wo sogenannter Flüsterasphalt aufgebracht wurde, lässt sich die positive Wirkung ganz klar feststellen, erklärt Holger Matthäus. „Das hat für eine deutliche Verringerung gesorgt.“ Auch Tempo 50 hätte dort für weniger Lärm gesorgt. „Die Blitzer stehen auch deshalb dort“, merkt der Umweltsenator an.

Zur Zeit beschäftigt sich das Umweltamt vor allem mit der Neubrandenburger Straße, an der es sich nach einem Umbau deutlich ruhiger schlafen lassen soll.

„Das ist einer der Brennpunkte“, sagt Rieke Müncheberg. Maßnahmen zum Lärmschutz seien an vielen Stellen nur möglich, wenn es sowieso Bauarbeiten an den Verkehrswegen gibt. Im Fokus stehen aktuell auch die Herwegh- und die Blücherstraße.

Mehr Bebauung, mehr Lärm

 

Durch neue Bebauung und zusätzlichen Verkehr habe Rieke Müncheberg aber den Eindruck, dass aktuell eher neue Lärmbrennpunkte in Rostock entstehen. Genau das fürchtet auch die Bürgerinitiative Satower Straße, die gegenwärtig Unterschriften gegen die Erhöhung der Lärm-, Staub- und Abgasbelastung auf den Hauptstraßen der Hansestadt sammelt. Gerade bei den Bauvorhaben in Biestow sei eine „zukuftsorientierte Planung“ für die Satower Straße wichtig, betont Beate Hameister. „Der Lärmaktionsplan muss berücksichtigt werden.“ Das Umweltamt allein könne die Probleme nicht lösen. Derzeit sehe die Bürgerinitiative nicht, dass der Bürgerwille in der Stadt beachtet werde.

Krank durch Krach

Dem Spaziergang angeschlossen hatten sich auch Sabine Schröder und Gerd Slama von der Selbsthilfegruppe Ohrwurm, in der sich Menschen mit Hörerkrankungen austauschen. Bei uns gibt es Leute, die durch Lärm krank geworden sind“, so Sabine Schröder. „Wir müssen versuchen, den Lärm aus der Stadt zu kriegen“, sagt Gerd Slama. Die Selbsthilfegruppe hätte da viele Vorschläge zu machen. Auch würde sie sich gern an zukünftigen Aktionen der Stadt zum Tag des Lärms beteiligen.

Lärm von Schiene und Straße

14 Lärmbrennpunkte gibt es entlang von Schienen. 1600 Rostocker sind den ganzen Tag und 2200 in der Nacht von gesundheitsgefährdendem Lärm durch Schienenverkehr betroffen. Das ist der Fall bei Werten von mehr als 65 Dezibel am Tag und 55 Dezibel in der Nacht. Tempolimits oder Nachtfahrverbote lehnt die Bahn ab, kündigt aber an einigen Stellen Lärmschutzmaßnahmen an – aber ohne Zeitplan.

2014 hat Rostock einen Lärmaktionsplan Straße vorgelegt, zu diesem Zeitpunkt war an 46 Stellen der Verkehr so laut, dass die Gesundheit der Bürger gefährdet ist. Industrieanlagen und Seehafen gehörten nicht zu den Schwerpunkten – sie liegen außerhalb von Wohngebieten. An das Lärmlimit stößt vor allem die Straßenbahn in der Doberaner und der Wismarschen Straße. Brennpunkt durch den Straßenverkehr ist fast die ganze Landesstraße 22, besonders an der Hamburger Straße.

Infos: www.rostock-wird-leiser.de

Thomas Niebuhr

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