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Laien helfen auf Feldern und in Ställen

BANDOW Laien helfen auf Feldern und in Ställen

Die solidarische Landwirtschaft brummt. Eine neue Gruppe bei Schwaan befindet sich zurzeit im Aufbau.

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Torsten Lange ist ein Quereinsteiger. Hinweise und Tipps bekommt er von Landwirtin Susanne Ewert.

Quelle: Jens Barkhorn

Bandow. Auf dem Hof von Susanne Ewert im Schwaaner Ortsteil Bandow wird solidarisch gewirtschaftet. Die Landwirtin stellt ihr Fachwissen und ihre Flächen in der Gemeinschaft „Bunte Höfe“ zur Verfügung. Laien helfen bei der Arbeit auf den Feldern und in den Ställen. Erst vor Kurzem hat sich die Gruppe zu einer solidarischen Landwirtschaft (Solawi) zusammengefunden.

Knapp 30 Aktive sind bei den „Bunten Höfen“. Vier von ihnen sind Landwirte, der Rest sind Berufstätige außerhalb der Landwirtschaft. „Wir haben uns mit Leuten zusammengetan, die die nötige Fachkenntnis haben. Wir wollen aber auch selbst aktiv werden“, sagt Torsten Lange. Er selbst ist eigentlich Restaurator. In der Landwirtschaft mitzumischen, ist für den 49-Jährigen aber eine Herzenssache. „So weiß man, woher die Lebensmittel kommen“, sagt Lange.

Das ist eines der Ziele der Solawi „Bunte Höfe“: die Produktion von Bio-Erzeugnissen. Dabei wird auch Gemüse verbraucht, was nie in den Handel gelangen würde. „Es kommen auch Möhren mit drei Beinen bei uns auf den Tisch“, sagt Torsten Lange. Außerdem spare man Geld: „Wenn man die Ausgaben im Jahr betrachtet, kosten die Lebensmittel im Supermarkt mehr.“

Der Hof von Susanne Ewert dient fast ausschließlich der Gemüseproduktion. Das ganze Jahr über können die Mitglieder der Solawi mit Produkten beliefert werden. „Wir haben drei verschiedene Möhrensorten, die zu verschiedenen Zeiten wachsen“, so die Landwirtin. Zudem werden auch Pastinaken und Sellerie angebaut. „Das sind schon fast vergessene Sorten“, sagt Ewert. Ein zweiter Hof in Hugoldsdorf bei Tribsees ist auf die Produktion von Fleisch und Wurst spezialisiert. Dies wird aber nicht in einer großen Schlachterei hergestellt, sagt Susanne Ewert. „Da arbeiten wir mit einem Metzger zusammen.“

Auch das Heizen der drei Pflanzentunnel geschieht ökologisch. „Wir haben einen Biomeiler aus Pferdemist und Hackschnitzeln aufgesetzt“, sagt Susanne Ewert. „Der Verrottungsprozess erwärmt Wasser und damit erwärmen wir wiederum die Zelte.“ Für die Pflegearbeiten auf den Feldern kommen anstelle von Maschinen Pferde zum Einsatz. „Grubbeln, eggen und häufeln machen wir dann sozusagen mit zwei PS“, sagt Ewert. Eines der Pferde kann sogar in den Tunneln eingesetzt werden. „Weil es so klein ist“, so Ewert.

Der Rostocker Ralph Vogel ist mit Herzblut bei der Solawi „Bunte Höfe“ dabei. „Mich stört schon lange, dass die Lebensmittel im Supermarkt aus unbekannten Quellen kommen“, sagt der 68-Jährige.

Deshalb habe er sich dazu entschieden, in einer Solawi mitzumachen. Die Mitglieder kämen aus allen Berufsgruppen, sagt Torsten Lange: „Wir haben haufenweise Ingenieure dabei, aber auch Familien mit Kindern, die die Natur erleben wollen.“ Das habe sich zuletzt auf dem Hof gezeigt. „Es gab einen Mitmach-Tag zum Zwiebelsetzen und da waren eine Menge Kinder dabei“, berichtet Susanne Ewert.

Eine vorgeschriebene Arbeitszeit, die jeder zu erbringen hat, gibt es nicht. „Mitmachen kann vieles heißen“, sagt Lange. „Der Arzt zum Beispiel kann mehr Geld geben als der Student, der dafür aber vielleicht mehr Zeit hat, um auf dem Hof zu arbeiten.“ Das Geld erhalten die Landwirte, die ihre Flächen zur Verfügung stellen. Noch macht die Solawi einen Teil der Einnahmen aus. „Wenn es sich gut entwickelt, wollen wir irgendwann einmal dahin gelangen, dass wir die einzigen Abnehmer der Landwirte sind“, sagt Torsten Lange.

Derzeit werden noch weitere Mitglieder für die „Bunten Höfe“ gesucht. „Da freuen wir uns auf viele neue Aktive, die ihre Ideen einbringen“, sagt Susanne Ewert. „Wenn wir aber mehr als 100 werden, brauchen wir mehr Land.“

52 Höfe in Deutschland
solidarischen Landwirtschaft (Solawi) entwickelte sich unabhängig voneinander in Japan, Europa und den USA. In den 1960er Jahren wurden in Japan die ersten Partnerschaftshöfe „Teikei“ gegründet. 1978 entstand ein kollektiver Hof bei Genf.
52 Gemeinschaftshöfe sind aktuell deutschlandweit im Netzwerk solidarische-landwirtschaft.org gemeldet. Hinzu kommen 56 Initiativen, die das Konzept verwirklichen wollen.
Drei Solawi-Höfe gibt es in MV: in Wangelkow bei Anklam, in Wahrstorf und in Bandow bei Schwaan.

 



Jens Barkhorn

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