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Rostock Streit um neues Museum: Rostocks Politiker gehen auf Schwesig los
Mecklenburg Rostock Streit um neues Museum: Rostocks Politiker gehen auf Schwesig los
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05:30 06.02.2019
Erste Entwürfe: So könnte das Landesmuseum am Rostocker Stadthafen aussehen. Quelle: Sinai Landschaftsarchitekten, Berlin
Rostock

Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) hat die Planungen für das neue Archäologische Landesmuseum gestoppt – weil sich Kosten von 20 auf mittlerweile bis zu 80 Millionen Euro fast vervierfacht haben. CDU-Innen-minister Lorenz Caffier (CDU) hatte nach OZ-Informationen die Kosten für den Neubau zum Thema im Kabinett gemacht, Schwesig reagierte prompt. Mit dem Stopp. In Rostock machen sich die Schweriner Spitzenpolitiker mit dieser Entscheidung allerdings überhaupt keine Freunde.

Heimatverband: „Eine Tragödie“

Allen voran der Heimatverband MV und auch die Initiative „Pro Archäologisches Landesmuseum“ üben scharfe Kritik an der Landesregierung: „Seit Dezember stehen alle Beteiligten in den Startlöchern, um die konkreten Bau-Planungen für das neue Museum endlich zu beginnen. Und jetzt das“, sagt Dr. Johannes Kalbe, Vorstandsmitglied im Heimatverband und Sprecher der Initiative. „Nur wenige Wochen Verzögerung bringen das Konzept und auch die Planungen für die Bundesgartenschau 2025 in Rostock in Gefahr“, warnt er. „Wir fürchten, dass das Museum in Rostock ganz gekippt werden soll. Das wäre eine Katastrophe.“ Kalbe gibt vor allem CDU-Minister Caffier die Schuld an der Misere: „Caffier war immer dafür, das Museum in Neustrelitz oder im Tollensetal zu bauen – statt in Rostock.“ Ja, dort wäre ein Museum mit Sicherheit günstiger neu zu bauen als in der Hansestadt, sagt auch Kalbe: „Aber niemand darf sich wundern, wenn wir 40 Millionen Euro in die Pampa verbauen und die Besucher bleiben aus.“

Ein warnendes Beispiel aus Niedersachsen sei das Museum „Paläon“. Das Nachbarland hatte für die Schöninger Speere, die ältesten noch erhaltenen Speere der Menschheit, im Landkreis Helmstedt für 20 Millionen Euro ein Museum an dem Fundort gebaut. Ins „Nirgendwo“. „Außer Busreisegruppen kommt da niemand hin“, sagt Kalbe.

Politik mahnt zur Einigung

Selbst aus den eigenen Reihen bekommt Ministerpräsidentin Schwesig Kritik für ihren Planungsstopp: Die Rostocker SPD-Bürgerschaftsfraktion habe mit „Unverständnis“ auf die Entscheidung der Genossin in Schwerin reagiert, so Fraktionschef Steffen Wandschneider-Kastell. „Alle weiteren durch die Gutachter untersuchten Standorte schnitten im Vergleich zu Rostock deutlich schlechter ab. Mit dem Inhaber des Lehrstuhls für Ur- und Frühgeschichte an der Universität Rostock, der auch der zukünftige Leiter des Landesmuseums sein wird, ist ein anderer Standort bildungspolitisch und organisatorisch völlig unmöglich.“ Wandschneider-Kastell weiter: „Deshalb muss jetzt vom Land ein Konzept für den Bau und für die Finanzierung des Landesmuseums in der Hansestadt erarbeitet und entschieden werden. Unser Favorit ist weiterhin der Stadthafen.“

Auch die Grünen sind sauer: „Das Landesmuseum darf nicht internen Konflikten innerhalb der Großen Koalition zum Opfer fallen. Es ist bedauerlich, dass die Landes-CDU die Uneinigkeit in der SPD offenbar dafür nutzen will, den Standort Rostock ganz zu kippen“, so Fraktions-Vize Andrea Krönert. „Das archäologische Landes- museum kann ein überregionales Aushängeschild und ein echter Anziehungspunkt für Einheimische und Gäste werden. Das Museum wäre darum nicht nur für Rostock, sondern für das ganze Land ein großer Gewinn.“ Die Grünen wären sogar bereit, für eine finanzielle Beteiligung Rostocks an dem Vorhaben zu stimmen. Oberbürgermeister Roland Methling (UFR) hatte bis zu 25 Millionen Euro in Aussicht gestellt.

Dass die Landesregierung möglicherweise nicht den Eindruck erwecken will, es fließe zu viel Geld nach Rostock, kann Sybille Bachmann, OB-Kandidatin und Fraktionschefin des Rostocker Bunds, nicht nachvollziehen: Die Hansestadt sei jahrelang vom Land benachteiligt worden – zum Beispiel in puncto Zuschüsse für das Theater. „Der Zwist in Schwerin muss umgehend beendet werden, zumal es kein gutes Bild abgibt, wenn in allerletzter Minute etwas gestoppt wird. Es ist Zeit, regionale Egoismen und Parteigeplänkel zu beenden. Die Stärkung der Regiopole Rostock ist eine Stärkung des ganzen Landes.“ Auch sie ist für ein Gesamtpaket, wie es der OB vorschlägt: „Rostock kann dem Land beim Museum entgegenkommen, das Land der Hansestadt beim Theater.“

Kritik von Linken und CDU

Dass hinter den Kulissen bereits an einem solchen Deal gearbeitet werde, kritisieren die Linken hingegen scharf: „Wir werden alle an der Nase herumgeführt“, so Fraktionschefin Eva-Maria Kröger. Rostock will 25 Millionen Euro für das Museum geben, dafür gibt es 25 Millionen vom Land für den Theater-Neubau: „Plus 25, minus 25 – das ergibt null. Ich sehe keinen Vorteil bei diesem Deal. Wir werden als Stadt zum Spielball der Konflikte innerhalb der Landesregierung.“

Einzig die Rostocker CDU verabschiedet sich bereits vom Standort Stadthafen. Fred Mrotzek – er ist stellvertretender Parteichef in der Hansestadt, sitzt aber nicht in der Bürgerschaft – fordert die Fraktionen auf, wieder über den ursprünglich angedachten Museumsstandort in der Societät Maritim nachzudenken. „Die Rostocker Kommunalpolitik wäre klug beraten, die Ursprungsvariante eines Standortes in der August-Bebel-Straße im alten Schifffahrtsmuseum noch einmal genau zu prüfen.“ Das Gebäude bietet viele Vorteile: „Die Stadt bekommt ohne eigene finanzielle Beteiligung das Landesmuseum, das alte Schifffahrtsmuseum wird endlich saniert, die Gesamtkosten dürften deutlich geringer sein als am Stadthafen und es liegen alle Planungen hierfür in der Schublade.“

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