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Rostock Landwirte treffen Städter – Bauernmarkt in Rostock
Mecklenburg Rostock Landwirte treffen Städter – Bauernmarkt in Rostock
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00:00 29.08.2018
Der Stäbelower Landwirt Iman Geluk (53) hat 2015 eine Milchtankstelle vor seinem Betrieb eröffnet, ein Jahr später folgte ein Hofladen. Quelle: Fotos: D. Deutsch
Stäbelow

1200 Milchkühe stehen in den Ställen der Stäbelower Agrarproduktion. „Dazu kommt das Doppelte an Jungvieh“, sagt Landwirt Iman Geluk. 30000 Liter Milch liefert sein Betrieb täglich an verschiedene Molkereien. „Als freier Lieferant nehmen wir das Risiko ständiger Preisschwankungen in Kauf“, erklärt der Holländer, der 1995 den Agrarbetrieb mit leeren Ställen aus der Insolvenz kaufte. Inzwischen sind die Ställe in Stäbelow und Althof wieder voll und 19 Mitarbeiter haben einen Job in Geluks Betrieb, den er zusammen mit seiner mecklenburgischen Frau Jaqueline führt.

Iman Geluk aus Stäbelow und seine Kollegen präsentieren ihre Agrarprodukte

Zu den Kühen auf dem Hof haben sich noch 1000 Hühner gesellt. Denn neben frischer Milch aus der Milchtankstelle am Betriebstor sind auch die Eier im Hofladen stark nachgefragt. Für die Leute ringsum habe er zuerst die Tankstelle und dann die Verkaufsstelle eingerichtet. „Damit sie auch sehen, was macht der da eigentlich im Wilsener Weg“, erklärt Geluk.

Die Aufklärung der Verbraucher darüber, wie Lebensmittel hergestellt werden, welchen Weg sie gehen, wie der Landwirt arbeitet, das ist dem Milchbauern wichtig. Deshalb nimmt der 53-Jährige auch am Sonnabend, dem 1. September, am ersten Rostocker Bauernmarkt auf dem Gelände der LMS-Agrarberatung (Graf-Lippe-Straße 1) teil. 20 regionale Erzeuger werden hier ihre Produkte präsentieren – Eier und Fleisch, Obst und Gemüse, Milchprodukte und Spirituosen. „Das Motto lautet: Die Landwirtschaft kommt in die Stadt“, sagt die LMS-Projektkoordinatorin, Monika Berlik. Die Rostocker können mit den Bauern ins Gespräch kommen, Produkte verkosten. Dazu gibt es Information, Musik, Spaß und Spiel für jedermann.

Landwirt Geluk bringt Eier mit zum Markt, außerdem Stäbelower Käse, Rindersalami und Eierlikör. Produkte aus dem Hofladen, der inzwischen angenommen wird „wie ein Dorfkonsum, in dem man sich trifft und quatscht“, berichtet der Bauer. „Oma“, Irmela Pik, Geluks Schwiegermutter, schmeißt den Laden hier jeden Dienstagnachmittag, Freitag ganztags und Sonnabendvormittag. Die Milchtankstelle ist Tag und Nacht geöffnet. 100 Liter Rohmilch können hier täglich frisch und gekühlt gezapft werden.

Für die Herstellung eigener Milchprodukte mietet der Bauer alle zwei Monate eine mobile Käserei, die den Käse vor Ort produziert, dann ins Reifelager schafft, bevor der fertige Käse in verschiedenen Variationen im Hofladen verkauft wird. Die Rinder – für Hackfleisch und Salami – lässt Geluk in Teterow schlachten und von einer Fleischerei verarbeiten und räuchern. Auch Suppenhühner sind im Angebot. Die werden im Fachbetrieb geschlachtet und tiefgefroren zurückgeliefert. Eierlikör, Marmelade, Honig und Säfte bekommt Geluk aus der näheren Umgebung. „Die Kartoffeln sind vom Bauern um die Ecke, oder von meinem Bruder aus Holland – auf alle Fälle kennt man den Erzeuger“, sagt Geluk, für den sich die Direktvermarktung inzwischen rechnet.

Er wünscht sich noch mehr regionale Produkte für seinen Laden. Spargel, Nudeln oder Zwiebeln zum Beispiel: „Ich ärger mich über italienische oder ägyptische Zwiebeln im Supermarkt. Früher waren die ostdeutschen Zwiebeln für uns in Holland eine Riesenkonkurrenz. Wo sind die heute geblieben“, fragt der Stäbelower. Er plädiert für ein Netzwerk: alle Landwirte an einen Tisch und die Produktpalette besprechen. „Wir müssen aufpassen, dass wir uns gegenseitig nichts wegnehmen bei der Vermarktung“, sagt Geluk.

Auch Landwirte könnten nicht weitermachen wie bisher. „Wir müssen uns anpassen“, meint der Stäbelower und nennt das Beispiel des Gülleausfahrens. „Da muss man den Termin schon in Abstimmung mit Wetter und Umgebung wählen.“ Verbraucher und Produzenten müssten mehr Verständnis füreinander aufbringen. Ja, es gibt viel Gesprächsstoff für Geluk und seine Kollegen beim ersten Bauernmarkt in Rostock, zu dem bis zu 2500 Besucher erwartet werden. Die Gäste sollen einen guten Überblick über die gesamte Produktpalette regionaler Erzeuger im Großraum Rostock erhalten.

Teilnehmer des Bauernmarktes am 1. September

22 Erzeuger aus dem Großraum Rostock haben sich für den ersten Bauernmarkt angemeldet. Das sind: Rittmeister Destille Biestow, Rostocker Obstbau, Rostocker Fischmarkt, Pasta Manufaktur Wiendorf, Meck-Schweizer aus Horst, Agrarproduktion Stäbelow, Obstarche Reddelich, Obsthof Schönemeyer in Gnoien, Russower Landbau und Haffrind GmbH Rerik, Veganes Eiscafé Veis in Rostock, Pilzzucht Markgrafenheide, Männerhobby Brennerei Klein Kussewitz, Meyn-Pflanzen Gärtnerei Rom bei Parchim, Alpakahof am Iserberg in Hamberge bei Grevesmühlen, Landfleischerei Frank Wiechmann in Laage, Erzeugerzusammenschluss Fürstenhof GmbH, Wildgut Warksow in Gustow, Boddenlandeis in Kemnitz, Van der Ham & Co. KG Bollewick, Heimat-Obst Rostock, Milchbauer Harmen Jan Weijs und Meiners Hobel GbR in Groß Stove, Imkerei und Bienenhof Feldkamp Lambrechtshagen.Der Bauernmarkt auf dem LMS-Gelände (Einfahrt vor LT-Club) öffnet am 1. September ab 10 Uhr und ist bis etwa 16 Uhr geöffnet.

Doris Deutsch

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