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Rostock Letzter Tanz: „Dejavue“ schließt für immer
Mecklenburg Rostock Letzter Tanz: „Dejavue“ schließt für immer
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00:00 04.01.2018
Veranstaltungsleiter Martin Benz räumt die Bar im Obergeschoss mit aus. FOTOS (2): OVE ARSCHOLL

Das Rostocker Feiervolk hat eine Anlaufstelle weniger. Silvester gab es noch eine Party, doch nun schließt das „Dejavue“ nach fünf Jahren Betrieb am Warnowufer. Das Betreiberpaar nennt die fehlende Genehmigungen für regelmäßige Tanzveranstaltungen durch die Stadt als Grund für das Aus. Norbert und Marianne Lüder vermuten, dass es ein „höheres Interesse“ gibt, die Räume im Stadthafen anders zu nutzen.

Betreiber fühlt sich als Opfer „höherer Interessen“ / Standort für Spielbank?

Er habe gehört, dass dort eine neue Spielbank einziehen soll, erzählt Lüder. 2013 waren die letzten Kasinos im Land geschlossen worden, Ende 2016 vergab das Land die Genehmigung für vier neue Standorte. Die Spielbanken MV Bewerbergesellschaft mit Sitz in Rostock darf in Rostock, Schwerin, Neubrandenburg und Stralsund vier Kasinos betreiben. Weder die Stadt noch die städtische Wohnungsgesellschaft Wiro als Eigentümer der Immobilie wollten sich zu Lüders Vorwürfen äußern. Norbert Lüder, der nach 1990 bereits das inzwischen geschlossene „Shanty“ in Schmarl betrieb, vermutet, dass möglichst schnell gehandelt werden soll.

Vordergründig gibt er auf, weil die Stadt ihm die Genehmigung für regelmäßige Tanzveranstaltungen versagte. „Dadurch ist man personell und finanziell nicht mal mehr in der Lage, bestehende Rechtsstreitigkeiten mit dem Vermieter fortzuführen“, teilt er seinen Besuchern über das soziale Netzwerk Facebook mit. Die juristische Auseinandersetzung mit der Wiro um Mietzahlungen stamme noch aus der Zeit, als Lüder Insolvenz anmelden musste. „Zu Details von Mietverträgen äußern wir uns grundsätzlich nicht“, erklärt Wiro-Sprecherin Dagmar Horning. 2012 hatte der Neubrandenburger Lüder die ehemalige Bacio-Lounge übernommen, doch zunächst sei er „baden gegangen“ und seine Frau Marianne habe das Unternehmen übernommen, berichtet er.

Aktuell würde die Miete bezahlt, versichert der Disco-Betreiber und: „Ich habe immer gut mit den Behörden zusammengearbeitet und alle Auflagen erfüllt.“ Die Begründung, dass im Stadthafen rechtlich kein Disco-Betrieb möglich sei, kann Norbert Lüder nicht nachvollziehen. Im Gegensatz zu den Standorten von Clubs gebe es keinen Lärm, der das Wohnen in der Umgebung beeinträchtigt.

Die Stadt widerspricht Norbert Lüders Darstellung grundsätzlich und stellt klar: „Zu keinem Zeitpunkt wurde eine Schließungsverfügung erlassen oder eine beantragte Genehmigung versagt“, teilt Rathaussprecher Ulrich Kunze mit. Vielmehr hatte der Betreiber am 18. August 2016 eine gaststättenrechtliche Erlaubnis als „Schankwirtschaft“ beantragt und nicht als Diskothek. Diese sei am 8.

September erteilt worden. Außerdem gab es laut Stadtverwaltung mehrere Gespräche darüber, ob eine Nutzung des Objektes als Disco möglich ist.

Voraussetzung wäre eine Genehmigung für den erforderlichen Umbau gewesen. „Eine solche Baugenehmigung wurde durch die Betreiberin nie beantragt“, so Ulrich Kunze. Damit wäre eine Zulassung als Diskothek „gewerberechtlich unproblematisch möglich gewesen“. Das sei den Anwälten der Lüders mehrfach mitgeteilt worden. Im Zuge nochmaliger Abstimmungen wurde die Stadtverwaltung bereits am 4. Juli 2017 über die beabsichtigte Schließung zum 2. Januar 2018 informiert. „Die Schließung war damit langfristig absehbar.“

Diskobetrieb im „Dejavue“ war von der Stadt mit Blick auf den laufenden Rechtsstreit noch geduldet worden. Weil Norbert Lüder klar wurde, dass er keine Genehmigung bekommen könnte, zogen die Lüders die Reißleine.

Seit einigen Tagen wird nun die Inneneinrichtung ausgebaut. Eine Theke geht jetzt in die Großraumdisco „Colosseum“ nach Neubrandenburg.

Thomas Niebuhr

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