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Licht aus in der Druckerei Adam: Mitarbeiter sind sauer

Laage Licht aus in der Druckerei Adam: Mitarbeiter sind sauer

Trotz Insolvenz und undurchsichtiger Geschäfte im Laager Werk sitzt der alte Chef offenbar schon wieder fest im Sattel der Unternehmens-Schwester in Bruchsal.

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Druckerei Adam in Laage: Nur noch eine Woche gibt es hier Arbeit; der Chef Walter Adam startet im Süden neu durch.

Quelle: Fotos: Ove Arscholl/Bernd Wüstneck

Laage. Die letzte Arbeitswoche ist angebrochen für die Beschäftigten der Adam Nord GmbH in Laage. Ihre Kündigung haben sie seit Wochen in der Tasche. Am 31. August wurde der Betrieb am Standort eingestellt. Der letzte Auftrag ist abgearbeitet, nun wird nur noch geputzt und abgeschlossen. Dann gehen die Lichter in einer der modernsten Druckereien Europas aus.

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Heile Welt 2007: Landesvater Harald Ringstorff (SPD), Unternehmer Walter Adam, dessen Tochter Anna, Ehefrau Anja Krebs-Adam und Minister Otto Ebnet (SPD).

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Während 61 Mitarbeiter um ihre Existenz bangen, die wenigsten haben einen neuen Job, wiegt sich ihr Chef, Walter Adam, trotz Insolvenzen seiner beiden Druckereien in Laage und am Stammsitz Bruchsal (Baden-Württemberg) in Sicherheit. „Noch dieses Jahr“ erwartet Insolvenzverwalter Andreas Fischer das Ende der Insolvenz für den Betrieb in Bruchsal, der von der Schließung der Laager Schwester profitiere, weil etliche Aufträge in den Süden geholt wurden. An der Spitze könnte Fischer zufolge wieder der bisherige Firmenchef Adam stehen. Für die Nord-Druckerei soll es am Ende der Woche eine Pressemitteilung geben. Bis dahin keine weiteren Auskünfte.

Die Stimmung in Laage ist schlecht. So viele Fragen sind offen. Die Kollegen sind sauer und eingeschüchtert, wollen nicht mit Namen in der Zeitung erscheinen. „Wenn ich nicht wäre, würdet ihr noch heute mit der Bierflasche vor dem Fernseher sitzen“, hätte Geschäftsführer Adam die Belegschaft immer wieder wissen lassen, wenn er mit dem eigenen Flugzeug zum Kurz-Management bei den „Ossis“, die nicht so viel verdienen müssten, „weil die sowieso nur in der Platte wohnen“, einflog. Ein niedriges Lohnniveau war dem Unternehmer aus Baden-Württemberg von Anfang an wichtig. „Das lässt uns mehr Raum für Leistungs-, Zuverlässigkeits- und Qualitätssicherungsprämien“, hatte Adam 2006 dem Gewerkschaftsmagazin „Druck und Medien“ gesagt.

Bis Dezember hätten die Druckmaschinen in Laage noch gut laufen können. Es habe genug Aufträge gegeben, wie Mitarbeiter bestätigen, doch die Arbeit sei ausgelagert oder nach Bruchsal vergeben worden — zur offenbar geglückten Rettung des Stammsitzes.

Im Januar 2013 war der Insolvenzantrag nach Rechtsstreit mit der Bank des Maschinenherstellers gestellt worden. Adam hatte auf Anraten seines Anwalts Kreditraten eingestellt. Die Bank, die das gesamte Projekt in Laage finanziert haben soll, forderte die ausstehende Summe in einem Satz zurück. „Da blieb nur die Insolvenz“, hatte Insolvenzverwalter Fischer der Belegschaft im Januar erklärt.

Die Bank sitzt im Gläubigerausschuss und habe laut Insolvenzbericht große Zugeständnisse gemacht, die das Fortführen des Betriebs bis Ende August ermöglichte. Sie erhebt aber auch besondere Ansprüche auf die Maschinen, die aus der normalen Insolvenzmasse herausgenommen wurden. Im Ausschuss sitzt für Gläubiger mit den höchsten Forderungen auch die Adam GmbH Bruchsal. Heißt: Der Chef der insolventen Firma, Walter Adam, gehört mit der zweiten (auch insolventen) Druckerei zu den Hauptgläubigern, die Millionen-Darlehen einfordern. Auch die Werbefirma seiner Ehefrau macht enorme Schulden geltend. Leer ausgehen werden wohl nur die Arbeitnehmer, die zumindest pro Forma auch einen Abgesandten im Gläubigerausschuss sitzen haben.

Nur wenige Interessenten haben sich die hochmoderne Druckerei in den letzten Monaten angeschaut. Der Wert der Immobilie wird schon mal „aus Vorsichtsgründen“ auf zwei Millionen Euro runtergerechnet.

Mitarbeiter gehen davon aus, dass Anfang 2014, nach Ablauf aller Förder-Bindungsfristen, doch ein neuer Investor in der Tür steht. Oder vielleicht auch der alte?

Walter Adam war für eine Reaktion nicht zu erreichen.

250 Arbeitsplätze sollten es werden
Mit einer Investition von 50 Millionen Euro wurden in der Adam Nord GmbH im Airpark Laage 2006 etwa 100 Arbeitsplätze geschaffen, bis 2009 sollte auf 250 aufgestockt werden.

Walter Adam begründete die Ansiedlung 2006 mit günstigen Konditionen, die er aufgrund des immensen Konkurrenzdrucks in der Branche nutzen wolle. Der Standort Rostock-Laage biete eine gute Verkehrsanbindung, das Grundstück habe er zu einem günstigen Preis erworben. Vor allem rechnete er mit einem im Vergleich zu Baden-Württemberg niedrigeren Lohnniveau.

 

Doris Kesselring

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