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Rostock Lichtenhagen 1992: Neue Stele am Doberaner Platz aufgestellt
Mecklenburg Rostock Lichtenhagen 1992: Neue Stele am Doberaner Platz aufgestellt
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18:24 27.08.2018
Die deutsch-türkische Journalistin und Schriftstellerin Hatice Akyün hielt auf Einladung des Waldemarhofs die Rede zur Einweihung der Stele „Empathie“ auf dem Doberaner Platz. Quelle: Ove Arscholl
Rostock

Fünf Stelen an verschiedenen Orten der Stadt erinnern seit genau einem Jahr an die rassistischen Ausschreitungen im August 1992 in Lichtenhagen.

„„Alle hatten jetzt ein Jahr Zeit, sich mit der eigenen Veranwortung zu beschäftigen. Jetzt geht es um eine menschliche Geste.“Alexandra Lotz Künstlergruppe Schaum

Seit Freitag gibt es auf dem Doberaner Platz ein sechstes Werk der Künstlergruppe Schaum. „Empathie“ soll Mitmenschlichkeit symbolisieren und einen neuen Blickwinkel ermöglichen. Die Initiative kam vom Verein Waldemarhof.

Die Stele zeigt den Raum zwischen zwei Menschen, die sich umarmen. Er hatte nach dem Gedenken 2017, 25 Jahre nach dem rassistischen Ausschreitungen mit dem brennnenden Sonnenblumenhaus, den Eindruck, dass etwas vergessen wurde, sagt Vereinsgeschäftsführer Torsten Benz. „Die Menschen.“ Das sechste Kunstwerk soll nun diese Perspektive einnehmen und den Rostockern gewidmet sein, die sich seit 1992 gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus engagieren und die für das gute Zusammenleben von Einheimischen und Zugewanderten in der Stadt stehen. Das interkulturelle Zentrum Waldemarhof sei ja auch t als Reaktion auf die Ereignisse in Lichtenhagen entstanden.

Bisher stand Sicht auf die Täter im Vordergrund

„Die neue Skulptur thematisiert ausdrücklich die Rolle der Migranten in der Gesellschaft“, ergänzt Wolfgang Richter vom Verein Waldemarhof, der 1992 die Ereignisse in dem brennenden Haus hautnah miterlebte. Der Verein organisierte die halbe Finanzierung, die andere Hälfte kam von der Stadt. Die Stele haben wieder Tim Kellner und Alexandra Lotz gestaltet. Für sie war es folgerichtig noch einmal die Perspektive zu wechseln, verrät Alexandra Lotz. Bisher stand die Tätersicht im Vordergrund, und die Verantwortlichen hatten ein Jahr Zeit, sich mit ihrer Rolle auseinanderzusetzen. „Wir werden jetzt gut. Empathie steht für eine menschliche Geste“, sagt die Künstlerin.

„Die Skulptur stellt die Fragen nach den Grundlagen unseres Zusammenlebens“, hebt Vize-Oberbürgermeister Chris Müller-von Wrycz Rekowski (SPD) hervor. Sie ermöglicht den Blick in die Gegenwart, wünscht sich Torsten Benz. Gerade in Zeiten von Hassreden im Internet und dem Erstarken rechter Kräfte sei dieses Zeichen im Zentrum der Stadt wichtig. Torsten Benz warnt: Die Aussage, dass sich so etwas wie in Lichtenhagen nicht wiederholen kann, werde in Rostock wie ein Mantra gebetet, aber die Gefahr dürfe nicht klein geredet werden.

Symbol über Rostock hinaus

Gerade heute brauche es ein Symbol, das über Rostock hinaus ausstrahle, sagt die deutsch-türkische Journalistin und Schriftstellerin Hatice Akyün, die als Rednerin eingeladen war. „Die Stele stellt den Menschen in den Mittelpunkt. Es geht um zuhören, darum, andere mitzunehmen.“ Das Kunstwerk erweitert das Konzept des dezentralen Mahnens um einen Ort des Nachdenkens über friedliche Konfliktlösungen und der Mitmenschlichkeit in einer offenen Gesellschaft.

Im August 1992 hatten Anwohner und Neonazis in Lichtenhagen unter dem Applaus vieler Schaulustiger die Zentrale Aufnahmestelle für Asylsuchende und ein Wohnheim für vietnamesische Arbeiter angegriffen. Die Ausschreitungen gelten als die bis dahin schlimmsten rassistischen Übergriffe der deutschen Nachkriegsgeschichte. Die Aufarbeitung der Ereignisse nennt Bürgerschaftspräsident Wolfgang Nitzsche (Linke) jetzt „abgeschlossen“. Die sechste Stele sieht er vor allem als Blick nach vorn. Nach der feierlichen Enthüllung lud Juri Rosov,Vorsitzender des Migrantenrats, zur Eröffnung der „Multikulturellen Wochen“ in den Waldemarhof ein. Damit zeige Rostock wieder einmal, wie bunt das Leben in der Hansestadt funktioniert. „Zum Umarmen gehören übrigens immer zwei.“ Rosov forderte auch von den Migranten ein, dass sie die Stadt in ihr Herz schließen und auf die Rostocker zugehen.

Fün Stelen erinnern schon an die Ereignisse von 1992

Fünf Objekte der Künstlergruppe „Schaum“ (Alexandra Lotz, Tim Kellner) wurden unter dem Titel „Gestern Heute Morgen“ installiert. Das Objekt „Politik“ steht vor dem Rathaus, an der OZ ist die Stele „Medien“ zu finden – und an die Rolle der Polizei erinnert „Staatsgewalt“ in der Ulmenstraße. „Gesellschaft“, soll am früheren JAZ-Standort (Hermannstraße) daran erinnern, dass es auch Proteste gegen die Ausschreitungen gab. Die Stele „Selbstjustiz“ steht vor dem Sonnenblumenhaus.

Thomas Niebuhr

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