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Rostock Lieder neben dem Strom der Zeit
Mecklenburg Rostock Lieder neben dem Strom der Zeit
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00:00 08.02.2018

Warnemünde Das Versteck am Strom bei Simone Fügner hat sie schon vor einiger Zeit gefunden, und nun fühlt sie sich dort auch heimisch. Für einen – wenn auch immer wieder unterbrochenen – Winteraufenthalt hat sich die Liedermacherin Balbina ins Seebad Warnemünde zurückgezogen und arbeitet jetzt hier an einem neuen Projekt, bei dem es um Melancholie geht. „Im Herbst will ich damit fertig sein“, erzählt die 34-Jährige. Sie sagt von sich und ihrer Kunst: „Das läuft alles in einer Nische“, denn sie ist und will auch keine Mainstreamsängerin sein. Dafür tut sie alles, macht damit gleichzeitig auf sich aufmerksam – bei einer zusehends wachsenden Fangemeinde, die etwas hören will, was abseits des Gewohnten ist. Deswegen macht Balbina „auch keine Lieder über die Liebe“, sondern sagt: „Ich behandle die Welt aus ganz vielen verschiedenen Blickwinkeln, vor allem mache ich mir Gedanken über die Zeit und die Wahrnehmung von Zeit.“ So stellt sich die Liedermacherin dann Fragen wie „Was ist Glück?“ und „Was lässt mich traurig sein?“ Die Antworten gibt sie in ihren Liedern, in denen sie mit Worten spielt und mit der Sprache Widersprüche erzeugt, aber auch freilegt, indem sie sie auf ihre Art zu nutzen weiß.

Balbina textet derzeit im Versteck am Strom. Quelle: Foto: Michael Schissler

So geht es in ihrem Lied „Der Trübsaal“ um die Melancholie. „Sich für eine Zeit im eigenen Leid zu suhlen“, sagt die Berlinerin, „ist nur in einem Raum möglich, eben dem Trübsaal“. Liederzeilen hat sie auch geschrieben zum Nichtstun und stellt damit all jenen, die immer beschäftigt sein müssen, ihre Fragen: „Ich muss etwas gegen das Nichts tun/denn das Nichtstun tut mir gar nicht gut/Nichtstun kann ich gut/Ich muss etwas gegen das Nichts tun.“ Das kommt schroff und klar rüber, so will Balbina sein, und so ist sie auch, die von sich sagt: „Ich bin eigentlich eine singende Lyrikerin.“ Als kleines Mädchen hat sie sich als Stückeschreiberin versucht, dann aber bald gemerkt: „Ich muss weg von der Handlung, hin zur Dichtung.“ Und dabei wird die Dichtung bei ihr zu einer Verdichtung der Welt, „bei der ich versuche, viele Zusammenhänge auf einen Nenner zu bringen“. So setzt sie sich dem Geist der Zeit entgegen. „Es gibt im Radio oder im Fernsehen sehr wenig anspruchsvolle Musik“, sagt Balbina, für die Musik auch etwas ist, „bei dem man die Gehirnzellen anstrengen muss“.

Um solche Musik zu schaffen, braucht sie Ruhe, die findet sie im Winter in Warnemünde, wo es vielleicht schroff und klar ist. Sie kommt mit einem großen Stapel Skizzen für Lieder ins Seebad, geht viele Stunden spazieren und schreibt dann ihre Texte, „allein und in Ruhe“, bis irgendwann die Musiker zur Probe kommen.

Michael Schißler

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