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Rostock „MS Sangerhausen“ schippert gen Süden
Mecklenburg Rostock „MS Sangerhausen“ schippert gen Süden
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00:10 04.02.2015
1984 entstand dieses Kapitänsbild der MS Sangerhausen. Im selben Jahr verstarb der Maler Wilhem Schmied. Quelle: Jürgen Kunze
Östliche Altstadt

Es galt als verschollen, jetzt tritt es seine Heimreise an: In den 1980ern verewigte Maler Wilhelm Schmied das otorschiff „Sangerhausen“ in Öl. Das Kapitänsbild geriet in Vergessenheit und hing seit der Wende in der Rostocker Geschäftsstelle des Verbands deutscher Kapitäne und Schiffsoffiziere (VDKS). Nun wird es an den Wilhelm-Schmied-Verein in Sangerhausen (Sachsen-Anhalt) übergeben.

In den 70er-Jahren baute die Deutsche Seereederei (DSR) die Anzahl ihrer Schiffe erheblich aus. Auch in Rostock entstanden neue Massengutfrachter. „Wenn zu DSR-Zeiten Schiffe gebaut wurden, knüpfte man Patenschaften“, erzählt Wolf von Pressentin, Vorsitzender des VDKS Rostock. Durch die Patenschaften mit Städten und Gemeinden erhielten die Schiffe ihre Namen. So auch die „Sangerhausen“.

Mitunter wurden Geschenke zwischen Patenstadt und Schiff ausgetauscht. Die „Sangerhausen“ habe in den 1980ern das Gemälde „Kapitänsbild MS Sangerhausen“ des Sangerhäuser Malers Wilhelm Schmied überreicht bekommen, erzählt Pressentin.

Jahrzehnte später und 300 Kilometer entfernt, suchte die Sangerhäuserin Iris Ziegler nach dem Kapitänsbild. Sie und ihr Mann seien die Erben des Malers Schmied, erzählt sie. Das Ehepaar habe Schmieds Tochter, Ursula Rein, bis zu ihrem Tod betreut. „Wir waren quasi ihre Kinder. Als sie dann verstarb, hat sie uns das künstlerische Erbe vermacht“, berichtet Ziegler. Mit dem Ziel, alle Werke des Sangerhäuser Wilhelm Schmieds wieder in seine Heimatstadt zu holen, gründeten die Zieglers im Mai 2014 den Wilhelm-Schmied-Verein und begaben sich auf die Suche nach den Gemälden.

Bis zum 30. Todestag Schmieds am 7. Dezember 2014 hatte der Verein genug Bilder zusammengetragen, um im alten Atelier des Künstlers eine Ausstellung zu eröffnen. „In seinem Grußwort erwähnte der Oberbürgermeister Ralf Poschmann dann das ,Kapitänsbild MS Sangerhausen‘“, berichtet Ziegler. Nach einigen Recherchen begab sich die Sangerhäuserin schließlich zum Silvesterurlaub nach Warnemünde.

„Ich habe alle Museen besucht und nach dem Bild gesucht.“ Schließlich habe sie das Kapitänsbild gefunden: im Hausbaumhaus, im Vereinszimmer der VDKS.

„Horst Lubjuhn, unser erster Geschäftsführer, war Kapitän der ,Sangerhausen‘. Als das Schiff nach der Wende außer Dienst genommen wurde, hat er sich darum bemüht, dass Bild dem Verein zukommen zu lassen“, berichtet Jürgen Kunze, Geschäftsführer des VDKS. „Frau Ziegler ist an uns herangetreten und hat uns gebeten, das Bild als Dauerleihgabe nach Sangerhausen zu geben“, erzählt Wolf von Pressentin. Über diesen Vorschlag habe sich der Verein sogar gefreut. „Da wir wissen, wo das Bild hinkommt, ist das in Ordnung. Es wird ausgestellt und allen Leuten zugänglich gemacht. Das ist doch schön“, erklärt Kunze. „Am 13. Februar reißt der Verein nach Rostock zur Übergabe“, freut sich Ziegler. Endlich tritt das verschollene Bild die Heimreise an.

Wilhelm Schmied
Wilhelm Schmied wurde 1910 in Dresden geboren und verstarb 1984 in Sangerhausen. Über 14 Jahre war Schmied Vorsitzender des Verbandes Bildender Künstler des Bezirkes Halle.
Besonders faszinierte ihn aber die Küstenlandschaft an der Ostsee.
Am 13. Februar um 18 Uhr im Hausbaumhaus, Wokrenter Straße 40, übergibt der VDKS das „Kapitänsbild MS Sangerhausen an den Willhelm-Schmied-Verein.



Nele Reiber